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Robert Bauer hat sich an den 1. FC Nürnberg ausleihen lassen, um endlich wieder regelmäßig zu spielen. Noch steht er bei dem Bundesliga-Aufsteiger aber nicht in Reihe eins.

Auch gegen Werder wohl nur Reservist

Neu in Nürnberg: Schwerer Start für Back-up-Bauer

Bremen - Als Generalprobe für die Partie bei Werder Bremen ging das Duell nicht durch. Dafür musste der 1. FC Nürnberg gegen den tschechischen Erstligisten Dukla Prag wegen der Länderspielabstellungen auf zu viele etablierte Spieler verzichten.

Und doch war der 4:0-Sieg des Bundesliga-Aufsteigers für einen im Kader ein deutlicher Fingerzeig: für Robert Bauer. Die Leihgabe des SV Werder war in dem wichtigen Testspiel erneut nicht erste Wahl. Weshalb für ihn die Aussichten, bei der Rückkehr ins Weserstadion am Sonntag (15.30 Uhr) in der Startelf zu stehen, eher gering sind. Für Bauer wäre ein Platz auf der Bank eine Enttäuschung.

Mit Wut im Bauch hatte der 23-Jährige den SV Werder im Sommer verlassen. Von Trainer Florian Kohfeldt war der Außenverteidiger so gut wie gar nicht mehr berücksichtigt worden, den Frust darüber schob er in der Rückserie der vergangenen Saison vor sich her, wechselte schließlich für eine Saison auf Leihbasis nach Nürnberg. Mit dem klaren Ziel, dort Stammspieler zu sein. „Ich bin froh, wieder eine faire Chance zu bekommen“, sagte er bei seiner Ankunft in Franken.

Valentini und Leibold haben die Nase vorn

Fair ist die Chance. Bislang lässt sich aber nicht behaupten, dass die Rechnung für Bauer aufgegangen ist. Zwar ist es nach zwei Bundesliga-Spielen und einer Partie im DFB-Pokal zu früh, um an ein Zwischenfazit überhaupt nur zu denken, doch der Ist-Zustand ist eben nicht der, den sich Bauer gewünscht hätte. An Spieltag eins der neuen Bundesliga-Saison (0:1 bei Hertha BSC) durfte der Olympia-Teilnehmer von 2016 zwar von Anfang an als Rechtsverteidiger ran, das aber auch nur, weil Enrico Valentini (29) verletzt war.

Schon im nächsten Spiel (1:1 gegen Mainz 05) bekam der Deutsch-Italiener wieder den Vorzug. Valentini gehörte zum Aufstiegsteam der vergangenen Saison, hat deshalb einen Bonus. Ebenso Tim Leibold (24), der beim FCN auf der linken Seite verteidigt. Diese beiden sind Bauers Hauptkonkurrenten. Ihm bleibt im Dreikampf um die zwei Außenverteidiger-Plätze derzeit jedoch nur die Rolle des Back-up. Als solcher wird er auch in den Fan-Foren gesehen. Hier sind Leibold und Valentini die Helden, nicht Bauer. Es ist deshalb ein schwerer Start für ihn an der neuen Wirkungsstätte.

Robert Bauer hat Werder Bremen mit Wut im Bauch verlassen. Unter Trainer Florian Kohfeldt habe er „keine faire Chance“ erhalten.

Dass FCN-Trainer Michael Köllner den vielseitigen Ex-Bremer nur auf die Bank setzt, regt dennoch ein wenig zum Stirnrunzeln an. Denn nach den ersten zwei Partien führte der Coach die Eingewöhnungsprobleme seiner Truppe in der höheren Liga als Erklärung für die magere Ausbeute von nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen an.

„Wenn man als Bundesliga-Aufsteiger so viele Debütanten im Team hat, muss man erst mal Vertrauen in sich selbst entwickeln. Für fast alle waren diese Spiele Neuland, das muss man alles Stück für Stück eintakten“, hatte er erklärt. In Robert Bauer ließ er den Spieler mit der größten Erstliga-Erfahrung im Kader (68 Einsätze) allerdings im zweiten Spiel freiwillig draußen. Dass die Mannschaft dann stark spielte und gegen Mainz punktete, wird Köllner als Argumente für Valentini und Leibold verbucht haben. Beide fingen dann auch gegen Dukla Prag an, Bauer kam erst nach einer Stunde ins Spiel.

Bauer liegt mit Kohfeldt über Kreuz

Dass er auch gegen Werder kein Teil der Startelf sein wird, ist deshalb sehr wahrscheinlich. Und es darf davon ausgegangen werden, dass ihn das wurmt. Denn mit Trainer Florian Kohfeldt liegt Bauer über Kreuz. Den 35-Jährigen macht der Neu-Nürnberger für sein Scheitern in Bremen verantwortlich, wie ein Interview aus dem Juli zeigt. Nach dem Wechsel von Alexander Nouri zu Kohfeldt sei er „komplett raus“ gewesen: „Ich habe keine faire Chance bekommen.“

Dass Robert Bauer im direkten Duell mit Kohfeldt zeigen möchte, dass er zu Unrecht im Abseits gelandet war, ist anzunehmen. Eine Bestätigung durch den Betroffenen ist allerdings nicht zu bekommen. Bauer hat vor seiner Rückkehr nach Bremen die Interview-Anfrage abgelehnt.

Robert Bauer: Seine Karriere in Bildern

Robert Bauer begann seine Laufbahn beim FSV Buckenberg und in der Jugend des Karlsruher SC. Zur Saison 2014/15 verpflichtete der FC Ingolstadt den damals 19-Jährigen. Mit Ingolstadt gelang ihm in seiner ersten Saison der Aufstieg in die Erste Liga, in der Spielzeit 2015/16 absolvierte er dort 24 Partien und traf einmal.
Robert Bauer begann seine Laufbahn beim FSV Buckenberg und in der Jugend des Karlsruher SC. Zur Saison 2014/15 verpflichtete der FC Ingolstadt den damals 19-Jährigen. Mit Ingolstadt gelang ihm in seiner ersten Saison der Aufstieg in die Erste Liga, in der Spielzeit 2015/16 absolvierte er dort 24 Partien und traf einmal. © imago
Zur Saison 2016/17 wechselte er zu Werder, wo er die Defensive verstärken soll.
Zur Saison 2016/17 wechselte er zu Werder, wo er die Defensive verstärken soll. © gumzmedia
Bauer wurde direkt zum Stammspieler und stand in 27 Pflichtspielen auf dem Platz.
Bauer wurde direkt zum Stammspieler und stand in 27 Pflichtspielen auf dem Platz. © gumzmedia
Komplett auf der Bank blieb er nur an vier Spieltagen im Herbst 2016, anschließend wurde er wieder über 90 Minuten eingesetzt.
Komplett auf der Bank blieb er nur an vier Spieltagen im Herbst 2016, anschließend wurde er wieder über 90 Minuten eingesetzt. © gumzmedia
Im Spiel gegen den SC Freiburg zog er sich einen Außenbandriss im Sprunggelenk zu, musste aber nur zwei Partien pausieren.
Im Spiel gegen den SC Freiburg zog er sich einen Außenbandriss im Sprunggelenk zu, musste aber nur zwei Partien pausieren. © Gumz
Am vorletzten Spieltag gegen Hoffenheim erzielte Bauer dann sein erstes Ligator für die Grün-Weißen.
Am vorletzten Spieltag gegen Hoffenheim erzielte Bauer dann sein erstes Ligator für die Grün-Weißen. © Gumz
Auch zu Beginn der Saison 2017/18 war der Verteidiger gesetzt, rutschte aber wie im Jahr zuvor im Herbst aus der Startelf. 
Auch zu Beginn der Saison 2017/18 war der Verteidiger gesetzt, rutschte aber wie im Jahr zuvor im Herbst aus der Startelf.  © Gumz
Für die deutsche U20-Nationalmannschaft wurde Bauer erstmals 2015 nominiert, nahm mit dem Team im selben Jahr auch an der Weltmeisterschaft teil und erreichte das Viertelfinale.
Für die deutsche U20-Nationalmannschaft wurde Bauer erstmals 2015 nominiert, nahm mit dem Team im selben Jahr auch an der Weltmeisterschaft teil und erreichte das Viertelfinale. © imago
Horst Hrubesch berief ihn ein Jahr später in die Olympia-Mannschaft, das deutsche Team holte die Silbermedaille. 
Horst Hrubesch berief ihn ein Jahr später in die Olympia-Mannschaft, das deutsche Team holte die Silbermedaille.  © imago
Im Verlauf der Saison 2017/18 konnte Bauer nur Spielminute bei einem Ausfall von Gebre Selassie sammeln.
Im Verlauf der Saison 2017/18 konnte Bauer nur Spielminuten bei einem Ausfall von seinem Teamkollegen Theodor Gebre Selassie sammeln. © gumzmedia
Um mehr Spielpraxis zu sammeln, wechselte Bauer auf Leihbasis zum 1. FC Nürnberg.
Um mehr Spielpraxis zu sammeln, wechselte Bauer auf Leihbasis zum 1. FC Nürnberg. © imago

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