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Sollte Werder noch einen Backup für Philipp Bargfrede holen? Und wer käme überhaupt infrage?

Kandidatenliste vom Institut für Spielanalyse

Bargfrede-Backup: Wer könnte Werder weiterhelfen?

Aufatmen bei Werder: Ole Käuper fällt „nur“ Wochen und nicht Monate aus. Dennoch ist Werder auf der Sechser-Position vergleichsweise dünn besetzt. Wer macht den Backup für Philipp Bargfrede? Sollte Werder besser noch was machen? Holt Sportchef Frank Baumann vielleicht doch noch einen defensiven Mittelfeldspieler? Und wenn ja, wer käme denn überhaupt infrage? Gemeinsam mit den Experten vom Institut für Spielanalyse wirft die DeichStube einen datengestützten Blick auf potenzielle Kandidaten.

Ein Notkauf ist jetzt zwar nicht nötig, dennoch lässt sich Baumann ein Hintertürchen offen, personell nachzulegen. „Wir trauen Ole die Rolle zu. Aber es kann trotzdem sein, dass wir noch jemand anderen dazunehmen“, sagte der Werder-Sportchef zuletzt gegenüber der DeichStube. Alles andere als ein Selbstläufer: Sollte es doch ein Spieler sein, der im besten Fall die Liga kennt und optimalerweise auch deutsch spricht, um die Eingewöhnungsphase so kurz wie möglich zu halten – und bezahlbar ist. Zudem muss sich der potentielle Neuzugang damit abfinden, größtenteils von der Bank zu kommen. Die meisten Spieler wechseln so kurz vor Ende des Transferfensters jedoch eher mit der Aussicht auf einen Stammplatz. Also welche Spieler könnten unter diesen Aspekten interessant sein?

Spieldatenerfassung

Ausgangspunkt solcher Überlegungen ist stets die Leistung, die der Stammspieler auf dieser Position bislang erbracht hat. Wegen des komplexen Aufgabenprofils eines Sechsers fällt schon die Auswahl der Leistungskriterien schwer. Das Metronom des Spiels soll defensiv wie offensiv den Rhythmus vorgeben und ist oftmals nicht derjenige, der durch die Spieldaten besonders gut erfasst werden kann. Daher ist es notwendig, Einschränkungen vorzunehmen, die eine Vergleichbarkeit der Spieler sicher stellt. Die momentane Spieldatenerfassung findet nur für ballnahe Aktionen statt. Alle ballfernen Aktionen im Raum sind kein Bestandteil der Stats. Das Institut für Spielanalyse bewertet in diesem Zusammenhang in erster Linie die offensive Leistung von Spielern.

Phlipp Bargfrede ist Werders Stammkraft auf der Sechs. Die Daten des 29-Jährigen sind somit Ausgangspunkt des datengestützten Scoutings des Institus für Spielanalyse. Wichtigste Kennzahlen sind dabei neben den Grunddaten wie Torbeteiligungen, Zweikampf- und Passquote sowie erfolgreiche Pässe, die Episoden (Ballkontrollphasen) und der Game Control Index. 

Hinweis: Die Ballkontrollphasen und der GCI werden am Ende des Textes genauer erklärt.

Bargfrede-Backup: Die potenziellen Kandidaten

Eugen Polanski

Zu alt für die Champions League und die Meisterträume der TSG Hoffenheim 1899: Eugen Polanski erhielt in diesem Sommer keinen neuen Vertrag mehr im Kraichgau. Mit 32 Jahren traute man dem langjährigen Kapitän das Niveau offensichtlich nicht mehr zu beziehungsweise wollte Platz für die jüngeren Neuzugänge im Kader schaffen. Dass er aber definitiv noch ein Wörtchen in der Bundesliga mitsprechen kann, belegen auch seine Statistiken (siehe Grafik).

In lediglich neun Einsätzen der vergangenen Saison bringt er es auf immerhin drei Torbeteiligungen. Da Bargfrede immer wieder in den Schlussphasen ausgewechselt oder zumindest unterstützt werden soll, um die Belastung einzudämmen, könnte Polanski eine gute Ergänzung sein – froh über jede Minute auf dem Platz und dankbar für das Vertrauen eines Bundesligisten. Außerdem kostet der vereinslose Polanski keine Ablöse.

Marvin Bakalorz

Am ersten Spieltag der neuen Saison kann Werder Marvin Bakalorz von Hannover 96 live unter die Lupe nehmen – wenn er denn spielt. Trotz 28 Einsätzen in der Vorsaison, konkurriert der Offenbacher mit drei weiteren Mitspielern um die zwei Plätze im Mittelfeld von 96. Und aktuell sieht es so aus, als würde Bakalorz hinter Neuzugang Walace und Stratege Pirmin Schwegler zurückstehen. In Bremen würde ihm jedoch auch zunächst die Bank blühen, zudem hat er bei den Niedersachsen noch Vertrag bis 2019, kostet also Geld.

Paul Seguin

Paul Seguin wurde von seinem Stammverein, dem VfL Wolfsburg, in der vergangenen Saison an Dynamo Dresden in die Zweite Bundesliga ausgeliehen. Hier durfte er reichlich Spielpraxis sammeln, jedoch nicht auf seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld, sondern als Rechtsverteidiger. Dynamo Dresden hätte ihn im Sommer gern gehalten, aber zunächst ging es zurück nach Wolfsburg. Seit dem herrscht jedoch Unklarheit, wohin die Reise für den 23-Jährigen gehen soll. Mit seiner Flexibilität könnte er auch in Bremen verschiedene Positionen bekleiden. Für ihn spricht die enorme Spielkontrolle (Game Control Index 5,1), die er auf den Platz bringt. Sein Vertrag beim VfL läuft noch bis zum 30. Juni 2020.

Marc Stendera

Bei Eintracht Frankfurt spielt er keine Rolle mehr: Marc Stendera. Der Absturz vom einstiegen Hoffnungsträger zum Teilnehmer der Trainingsgruppe zwei in Frankfurt ist beachtlich. Zumal Stendera erst 22 Jahre alt ist und sich nach zahlreichen Verletzungen in der Sommerpause endlich wieder fit präsentierte. Dennoch unterstellt man ihm, dass er für die Spielmacherposition zu langsam geworden ist. Ein Neustart in Bremen als passsicherer und spielintelligenter Backup im defensiven Mittelfeld könnte für beide zur Win-Win-Situation werden. Stenderas Vertrag bei der Eintracht läuft noch bis 2020.

Rode und Geis zu teuer?

Mit Sebastian Rode (BVB, Vertrag bis 2020) und Johannes Geis (Schalke 04, 2019) befinden sich bei den großen Ruhrpott-Clubs zwei Spieler auf dem Abstellgleis. Rode konnte in der vergangenen Saison verletzungsbedingt nicht ein Bundesliga-Spiel absolvieren. Nach den millionenschweren Neuzugängen im Dortmunder Mittelfeld, stehen die Zeichen für ihn mehr denn je auf Abschied. In Bremen stünden die Chancen auf einen Einsatz höher.

Geis wiederum wurde in der vergangenen Saison nach Spanien verliehen. Doch auch beim FC Sevilla wollte es nicht so recht klappen. Mal spielte er 90 Minuten durch, dann stand er wochenlang nicht einmal im Kader. Somit blieb es bei einer Torvorlage. Eine Backup-Rolle in der Bundesliga wäre für beide Spieler vermutlich nicht unattraktiv, allerdings müssten beide wohl erhebliche Gehaltseinbußen hinnehmen.

Was ist eine Episode?

Eine Episode ist die kleinste semantische Einheit, die in einem Fußballspiel auftreten kann. Sie besteht aus klassischen Events wie zum Beispiel Zweikämpfen und Pässen. Episoden sind Ballkontrollphasen, denn nur mit Ballkontrolle werden taktische Handlungspläne deutlich, da die Mannschaft dort unter Alternativen auswählen kann. 

Die Definition unterscheidet sich in diesem Punkt von Ballbesitz, da bei der Angabe des Ballbesitzes nicht deutlich wird, ob die ballbesitzende Mannschaft auch über die Kontrolle des Balles verfügt. Episoden stehen für das Ausmaß der taktischen Zielerreichung, die Interaktion zwischen den Mannschaften und die verschiedenen Spielstile der Mannschaften. Mithilfe einer Episodenanalyse kann unter Berücksichtigung aller an dieser Episode beteiligten Spieler einzelnen aufeinanderfolgenden Spiel-Events ein Sinnzusammenhang gegeben werden. Kurz: Die Muster, wie eine Mannschaft Tore und Torschüsse erzielt und zugleich Gegentore kassiert, werden sichtbar.

Was ist der Game Control Index?

Der Game Control Index (GCI) stellt das Verhältnis aus kontrollierten und unkontrollierten Aktionen eines Spielers dar. Je höher der Wert, desto höher ist der Anteil an kontrollierten Events. Mit dem Index lässt sich filtern, welcher Spieler in der Lage ist, ein Spiel zu kontrollieren oder welcher Spieler dazu in der Lage ist, Chaos-Situationen herbeizuführen, die aufgrund der Unordnung des Systems beim Gegner zum eigenen Vorteil verarbeitet werden können. Der Index ist in der Interpretation abhängig von der Position des Spielers und a) seiner spezifischen Aufgabe im Spiel sowie b) seinen technischen und taktischen Fähigkeiten.

Mehr Daten, Zahlen und Fakten vom Institut für Spielanalyse findet Ihr auf readthegame.com.

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