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Fünf Jahre nach dem letzten Erfolg in Stuttgart durften die Bremer gestern mal wieder mit ihren Fans feiern.

2:0 beim VfB Stuttgart: Die nächste reife Leistung

Stuttgart - Von Carsten Sander. Nach dem Schlusspfiff herzte Per Mertesacker Torwart Tim Wiese. Naldo drückte Mertesacker, Frings wiederum Naldo. Und ganz bestimmt hat auch einer den Kapitän geknuddelt.

Wer es war, konnte im allgemeinen Bremer Jubeltrubel nach dem 2:0 (1:0)-Sieg beim VfB Stuttgart nicht mehr ausgemacht werden. Auffällig war jedoch, dass sich die Spieler von Werder Bremen über den Erfolg gestern Abend mehr freuten als über andere Siege.

Wieso das so war, wurde Per Mertesacker später gefragt. Die Antwort war erstmal ein verständnisloser Blick, dann eine Erklärung, auf die sich – zugegeben – jeder selbst hätte kommen können. „Wir freuen uns über unsere Leistung. Und ich denke, wir dürfen das auch“, sagte der Nationalverteidiger, der mit seinen Kollegen gleich zwei Serien verteidigt hatte: Werder baute die gegentorlose Zeit auf nunmehr exakt vier Spiele und damit 360 Minuten aus, blieb zudem im zwölften Pflichtspiel in Folge ungeschlagen.

Alle Spieler, alle Noten

Hunt wieder bärenstark

Tim Wiese: Seit 529 Minuten ist der Werder-Keeper in der Bundesliga nun schon ohne Gegentor (beim letzten Bremer Gegentreffer in Berlin stand er verletzungsbedingt nicht zwischen den Pfosten). Wiese rettete glänzend gegen Cacau (1.) und Schieber (34.). Note 2 © Nordphoto
Clemens Fritz: Erst in der Schlussphase verließen ihn ein wenig die Kräfte, davor sehr sicher auf der rechten Abwehrseite. Note 2,5 © Nordphoto
Per Mertesacker: Leichtes Spiel für den Innenverteidiger, der mit harmlosen Stuttgartern überhaupt keine Probleme hatte. Note 2,5 © Nordphoto
Naldo: Schon kurz nach Beginn mit einem Fehlpass, der fast zum Gegentor führte. Der Brasilianer wirkte nicht so kraftvoll wie sonst. Dank seiner Erfahrung brachte er die Partie aber ordentlich über die Bühne. Note 3 © Nordphoto
Petri Pasanen: Abgeklärter als zuletzt gegen Bilbao. Wenn Stuttgart aber nach vorn kam, dann meistens über seine Seite. Note 3,5 © Nordphoto
Torsten Frings: Ging weite Wege, war vorne und hinten zu finden. Schlug einen wunderbaren Pass, den Özil zum 2:0 hätte nutzen müssen. Allerdings auch mit Aussetzern wie vor Schiebers Großchance, als Frings am eigenen Strafraum den Ball verlor. Note 2,5 © Nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 58.): Die für ihn ungewohnte Belastung permanenter englischer Wochen war ihm deutlich anzumerken. Bargfrede war dabei, nicht mittendrin. Note 4 © Nordphoto
Mesut Özil: Fiel erst nach 20 Minuten das erste Mal auf, als er freistehend an Jens Lehmann scheiterte. Auch in der Folge nur vereinzelt in Aktion. Die beste Tat: Der gedankenschnelle Freistoß vor dem 2:0. Note 3 © Nordphoto
Aaron Hunt: Ob er sich selbst langsam unheimlich wird? Sein Treffer zum 2:0 war bereits sein viertes Tor im vierten Spiel in Folge. Hunt bestätigte seine starke Form. Note 2 © Nordphoto
Marko Marin (bis 80.): Bei ihm werden Gegenspieler zu Statisten. Marin machte mit Celozzi, was er wollte. Klasse seine Vorarbeit zum 1:0. Wenn er jetzt auch noch Tore schießen würde, wäre er genial. Scheiterte bei seiner besten Chance jedoch an Lehmann (56.). Note 2 © Nordphoto
Claudio Pizarro (bis 89.): Der Kopfball zur frühen Führung blieb seine beste Szene. Ansonsten gelang Pizarro trotz erkennbarer Mühe nicht viel. Note 3 © Nordphoto
Peter Niemeyer (ab 58.): Drei Tage nach seinem unrühmlichen Vier-Minuten-Auftritt gegen Bilbao durfte er wieder ran. Ein Vertrauensbeweis des Trainers, für den Niemeyer mit einer soliden Leistung dankte. Note 3 © Nordphoto
Markus Rosenberg (ab 80.): Blieb ohne nennenswerte Aktionen. Note - © Nordphoto
Marcelo Moreno (ab 89.): Last-Minute-Auftritt. Note - © Nordphoto

Eine andere Serie wurde dagegen mit Bravour beendet: Nach drei deftigen Niederlagen in Stuttgart (1:4, 3:6, 1:4) haben die Bremer n Pizarro und n Hunt treffen den VfB dank der Tore von Claudio Pizarro (3.) und Aaron Hunt (51.) endlich wieder in dessen Stadion bezwungen. Der Schwaben-Fluch ist beendet – und das war vermutlich ein Hauptgrund für die große Bremer Heiterkeit – wie Torsten Frings durchblicken ließ: „Wir haben in Stuttgart schließlich auch schon etwas Anderes erlebt…“

Die Gefahr eines erneuten Debakels war gestern aber nicht gegeben. Werder bot eine reife Leistung und war den indisponierten Platzherren dermaßen überlegen, dass es nach einem sehr leichten und bequemen Sieg aussah. Doch dem widersprach Frings: „Stuttgart hatte große Probleme, aber wir haben auch unseren Teil dazu beigetragen, dass das Spiel so gelaufen ist.“

Das Wichtigste geschah dabei gleich zu Beginn der Partie. Erst entschärfte Wiese einen Schuss von Cacau (1.), dann hatte Marko Marin seinen großen Auftritt. Im Duell der 20-Jährigen dribbelte er seinem überforderten (und nach 41 Minuten ausgewechselten) Gegenspieler Stefano Celozzi den ersten Knoten in die Beine und zog dann eine perfekte Flanke auf den langen Pfosten. Dort lauerte Pizarro und nickte zur Führung ein.

Das war der Auftakt, den Werder gewollt und der VfB gefürchtet hatte. Die durch schwache Champions-League-Auftritte und Platz 13 in der Liga verunsicherten Schwaben bekamen in der Folge kaum ein Bein fehlerfrei vor das andere. „Wir wollten ja“, seufzte Stürmer Cacau, „aber nach dem frühen Gegentor ging nichts. Und Werder hat das einfach souverän gemacht.“

Kann man so sagen. Die Elf von Trainer Thomas Schaaf („Wir sind wieder einen Schritt nach vorne gekommen“) ließ Stuttgart kommen, aber kaum Chancen zu. Clemens Walch verstolperte die eine (18.), die andere vereitelte Wiese, als er gegen Julian Schieber parierte (34.). Das war alles, was der VfB zustande brachte. Werder hingegen hätte die Führung durch Mesut Özil (frei vor Jens Lehmann/20.) ausbauen müssen. Und durch Frings ausbauen können. Aber auch dessen Distanzschuss meisterte Lehmann (23.).

Nach der Pause teilten die Stuttgart-Fans in der mit 42 000 Zuschauern ausverkauften Mercedes-Benz-Arena ihrem Team mit, dass sie endlich mehr sehen wollten. Die „Aufwachen“-Sprechchöre drangen offenbar aber nicht bis an die Ohren der Profis. Denn sechs Minuten nach Wiederbeginn schlief der VfB immer noch. Und zwar tief und fest. Wie die Geschichte des Bremer 2:0 beweist: Ein schnell ausgeführter Freistoß von Özil, ein Sprint von Hunt, ein Schuss, ein Tor. Es war so einfach.

in Tor. Es war so einfach. Der Rest des Spiels ist schnell zusammengefasst: Schwerer wurde es nicht mehr. Werder machte hinten dicht, war bei zahlreichen Kontermöglichkeiten aber „zu verspielt“, wie Mertesacker monierte. Darüber blickte jedoch nicht nur Sportdirektor Klaus Allofs („Wir haben gewonnen – also haben wir vieles richtig gemacht“), sondern auch Torsten Frings generös hinweg: „Wir hätten mehr Tore machen können, aber wir wollen auch auf dem Teppich bleiben. Mit einem 2:0 sind wir sehr zufrieden.“

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