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Der Trainer: Alexander Nouri, der hier Werders ersten Saisonsieg gegen Wolfsburg bejubelt.

Süßspeisen aus Österreich - Feuer unterm Dach

Saison-Rückblick: Werder Bremen von A bis Z

Bremen - Bis die Werder-Profis wieder ins Tagesgeschäft einsteigen, dauert es noch einige Wochen. Momentan steht für Kruse, Junuzovic und Co. der wohlverdiente Urlaub auf dem Programm – wohlverdient deshalb, weil hinter Werder eine Bundesliga-Saison liegt, die einer Achterbahnfahrt glich.

Vom tristen Abstiegskandidaten wurde aus dem SVW das Team der Rückrunde und ganz nebenbei ein ernstzunehmender Anwärter auf die Europa League. Ein Trainerwechsel, der große Auftritt eines Flüchtlings, dazu ein Shootingstar aus London, ein Brand im Stadion, österreichische Süßspeisen und das Karriereende des Kapitäns – was bei Werder in der Serie 2016/2017 alles los war, zeigt das große Saison-A-bis-Z.

A wie Abstiegskampf: Von Saisonbeginn an, so schien es, sollte es für Werder wieder nur um den Klassenerhalt gehen. Nach den ersten vier Spieltagen belegte die Mannschaft jeweils den letzten Tabellenplatz, ehe Ende September der erste Erfolg (2:1 gegen Wolfsburg) glückte und sich die Bremer auf Rang 15 vorschoben. Danach rutschte das Team nicht mehr unter den Strich. Es dauerte aber bis zum 31. Spieltag, ehe der Liga-Verbleib rechnerisch klar war.

B wie Brand im Stadion: Über 50 Einsatzkräfte am Osterdeich – im März gab es Feuer unterm Dach des SV Werder! In einem Serverraum in Turm 4 des Weserstadions hatten sogenannte Akkupacks mit 60 Batterien Feuer gefangen und einen Schwelbrand verursacht. Die Löscharbeiten waren nach rund zwei Stunden beendet. „Das Wichtigste ist, dass keine Mitarbeiter verletzt wurden“, sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald.

C wie Co-Trainer: Das war eine dicke Überraschung! Werder gab einen Tag nach dem letzten Saisonspiel in Dortmund bekannt, dass Florian Bruns nicht länger Co-Trainer der Mannschaft ist. Der Grund für die Trennung war Cheftrainer Alexander Nouri, der den bei den Spielern beliebten Bruns nicht mehr wollte. „Ich möchte noch enger an die Mannschaft rücken und werde viele Aufgaben selbst übernehmen“, erklärte Nouri.

D wie Dreierkette: In der Hinrunde schon hin und wieder erprobt, wurde das Abwehrsystem mit den drei Innenverteidigern im Jahr 2017 endgültig zu Werders bevorzugter Defensiv-Grundordnung. Im Wintertrainingslager im spanischen Alhaurin el Grande studierte das Team die Dreierkette ein. In der Rückrunde kassierte Werder trotzdem noch 28 Gegentore (in der Hinrunde waren es 36 gewesen).

E wie Ehrenspielführer: Es gab erst sieben vor ihm, und dass er ausgerechnet der achte wurde – es passte hervorragend, schließlich hat Clemens Fritz bei Werder elf Jahre lang die Rückennummer acht getragen. Anfang Mai gab der 36-Jährige sein Karriereende bekannt. Kurze Zeit später wurde er vor dem Hoffenheim-Spiel zum Ehrenspielführer ernannt.

Ehrenspielführer Clemens Fritz.

F wie Flüchtling: Im Alter von 17 Jahren floh Ousman Manneh aus Gambia nach Bremen, wo er für den Blumenthaler SV zunächst in der A-Jugend-Regionalliga spielte, ehe es 2015 zu Werder ging. Am 15. Oktober 2016 hatte er dann seinen großen Auftritt: Bei Werders 2:1-Heimsieg gegen Leverkusen erzielte der heute 20-Jährige ein Tor – es war der erste Treffer überhaupt eines Flüchtlings in der Bundesliga.

G wie große Gefahr: 61 Tore hat Werder erzielt, das ist der fünftbeste Wert der ganzen Liga. Noch bemerkenswerter ist, dass sich die Treffer auf 18 verschiedene Spieler verteilen, was sogar den Liga-Bestwert darstellt.

H wie Hilflosigkeit: Es war Viktor Skripniks letztes Spiel als Werder-Trainer, und mit einem anderen Wort als hilflos ließ sich der Bremer Auftritt während des dritten Spieltags beim 1:4 in Gladbach nicht beschreiben. Nach 21 Minuten stand es 0:3, was auch daran lag, dass Skripnik in einem Akt der Verzweiflung eine ganz wilde Aufstellung mit Zlatko Junuzovic als Sturmspitze gewählt hatte.

I wie internationales Geschäft: Ein 3:0-Heimsieg in der Champions-League-Gruppenphase gegen Inter Mailand am 7. Dezember 2010 – das ist bis heute Werders letzter Auftritt auf der europäischen Bühne. Im Schlussspurt der Saison sah es nach einer Rückkehr aus. Am Ende trennten die Bremer nur drei Punkte von Europa.

J wie Jogi Löw: Bremen war in den letzten Jahren kein Ort, der auf der Karte von Jogi Löw markiert war. Das hat sich geändert! In Serge Gnabry feierte ein Werder-Profi im November sein Debüt in der Nationalelf. Gnabry traf beim 8:0-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino drei Mal. Auch Max Kruse ist zurück im Dunstkreis des Nationalteams. Für den Confed-Cup wurde er nicht nominiert, steht mit Löw aber wieder in Kontakt.

K wie Kaiserschmarrn: Eine süße Spezialität aus Österreich, die bei Werder im März nach dem 3:0-Heimsieg gegen RB Leipzig serviert wurde. Warum? Für die Bremer hatten in Zlatko Junuzovic, Florian Grillitsch und Florian Kainz ausschließlich Österreicher getroffen. „Um eine Runde Kaiserschmarrn werden wir nicht herumkommen“, ahnte Junuzovic.

L wie Lotte: Es war das erste Pflichtspiel der Saison, und es wurde zu einem der Tiefschläge des Jahres: Am 21. August 2016 schied Werder in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten SF Lotte aus – 1:2. Eine Blamage, keine Frage, aber es sollte sogar noch schlimmer kommen: Zugang Max Kruse zog sich während der Partie eine Außenbandverletzung zu und fehlte danach lange.

M wie Mad Max: Er pokerte in Tschechien, hatte in den frühen Morgenstunden einen Unfall auf der Autobahn – und avancierte mit 15 Saisontoren zu Werders Spieler des Jahres: Max Kruse. Nachdem die Karriere des 29-Jährigen in Wolfsburg ins Stocken geraten war, wagte er in Bremen den Neuanfang. Ein für beide Seiten nicht unriskanter Plan, der aufging. Kruse glänzte, fand in Fin Bartels einen kongenialen Sturmpartner. Nicht auszudenken, wie die Serie für ihn und den Club verlaufen wäre, wenn Kruse nicht die ersten zehn Spiele verletzt verpasst hätte.

Das Sturmduo: Max Kruse (rechts) und Fin Bartels.

N wie Nouri: Zuerst kannte ihn keiner, doch am Ende zählte Alexander Nouri zur Riege der jungen und erfolgreichen Bundesligatrainer. Der 37-Jährige löste Viktor Skripnik nach dem dritten Spieltag ab und führte Werder von Tabellenplatz 18 auf 8. Neben dem sportlichen Erfolg fiel der Coach auch verbal auf. Wiederholt äußerte er sich zu politischen Themen, kritisierte etwa die AfD.

O wie Olympia-Star: Es war eine Meldung, bei der sich so manch Fan verwundert die Augen rieb: Werder holt Serge Gnabry! Den Mann, der bei Olympia in Rio mit Deutschland die Silbermedaille gewonnen und sich mit sechs Treffern die Auszeichnung als bester Torschütze gesichert hatte. Fünf Millionen Euro kostete der Angreifer vom FC Arsenal, der seine Verpflichtung vor allem in der Hinrunde rechtfertigte: Sieben seiner elf Tore erzielte er in der ersten Saisonhälfte. Was Gnabry durch sein Werder-Jahr begleitete, waren Spekulationen um seine Zukunft.

P wie Pyrotechnik: Einige Ultras zündelten in der abgelaufenen Saison wieder mehrfach oder benahmen sich auf andere Weise daneben. Damit erwiesen sie ihrem Verein einen Bärendienst. So musste der SVW für das Fehlverhalten seines Anhangs kürzlich 34.000 Euro Strafe zahlen. Damit wurden die Vorfälle während der Spiele in Mainz und Leverkusen sowie gegen Leipzig geahndet. In der Hinrunde hatte der Club für Fan-Vergehen eine Rechnung in Höhe von 38.000 Euro erhalten.

Q wie Quantenphysik: Die hätte man schon studiert haben müssen, um die Entstehung von Thomas Delaneys erstem Bundesligator nachzuvollziehen. Per perfektem Freistoß zirkelte Werders Däne die Kugel im Spiel in Mainz zum 1:0 ins Netz – und leitete damit die Bremer Super-Serie ein.

R wie Rekordtorschütze: Er traf in Leverkusen zum 1:1, irgendwie. Ob er den Ball mit Hüfte, Bauch oder Bein über die Linie bugsiert hatte – Claudio Pizarro konnte es nicht sagen. Es sollte der einzige Saisontreffer für Werders Rekordtorschützen bleiben. Von Verletzungen geplagt, spielte der 38-Jährige sportlich keine große Rolle.

Edel-Reservist Claudio Pizarro.

S wie Super-Serie: Zwischen dem 18. Februar und dem 5. Mai dürften sich die Werder-Fans wie im Märchen vorgekommen sein: Ihr Team blieb in elf Spielen am Stück ungeschlagen, sammelte 29 Punkte und bot dabei ansehnliche Leistungen.

T wie Transfers: Kruse und Gnabry haben hier schon lobende Erwähnung gefunden, aber auch neben den beiden Stars hat Sportchef Frank Baumann bei seinen Transfers vieles richtig gemacht. Niklas Moisander, Lamine Sane, Robert Bauer, Florian Kainz, Jaroslav Drobny und Thomas Delaney – sie alle trugen auf ihre Weise zum Erfolg bei. Einziger Fehlgriff: Fallou Diagne, der an den FC Metz verliehen ist.

U wie Umbro: Zu Jahresbeginn wurde bekannt, dass Werder ab der Saison 2018/2019 einen neuen Ausrüster hat: Es ist das britische Unternehmen Umbro, das auch das irische Nationalteam ausstattet, sich mit den Farben Grün und Weiß also schon bestens auskennt.

V wie Viererpack: Es war ein Stück Vereinsgeschichte, das Max Kruse da am 22. April schrieb. Im Auswärtsspiel in Ingolstadt (4:2) schnürte er einen Viererpack – was zuvor nur den Werderanern Frank Neubarth, Rudi Völler, Hugo Dausmann und Arnold „Pico“ Schütz gelungen.

Nach Viererpack: Die Kruse-Show in Bildern

Max Kruse
Die Führung der Ingolstädter egalisierte Max Kruse vor dem Seitenwechsel per Strafstoß (45.) - 1:1. © dpa
Max Kruse
Per Drehschuss brachte Kruse die Bremer nach erneutem Rückstand wieder zurück ins Spiel (81.) - 2:2. © imago
Max Kruse
Und ließ sich vor dem Werder-Fanblock feiern. © nordphoto
Max Kruse
Was wohl keiner ahnte - es war der Auftakt zur großen Kruse-Show. © nordphoto
Max Kruse
Der Stürmer ließ sich von nichts und niemandem aufhalten – auch nicht von Ingolstadts Pascal Groß. © nordphoto
Max Kruse
In der 87. Minute ließ er den dritten Streich folgen. Werder führte erstmals in der Partie... © nordphoto
Max Kruse
... und es gab kein Halten mehr. Kruse jubelte zusammen mit Vorlagengeber Florian Kainz. © nordphoto
Max Kruse
Nach einem weiten Abwurf von Keeper Wiedwald landete der Ball zunächst bei Bartels, der wiederum auf Kruse spielte. Werders Nummer zehn machte seinen Viererpack perfekt (90.+4).  © dpa
Max Kruse
Daumen hoch: Vier Treffer in einem Spiel, das gelang zuletzt Frank Neubarth - vor stolzen 31 Jahren. © nordphoto

W wie Werderfans: Auch für die Mediengruppe Kreiszeitung war die vergangene Saison eine ganz besondere: Im April ging das Online-Portal DeichStube.de an den Start, in dem der Fan über aktuelle News alles rund um seinen Lieblingsclub findet.

X wie x-mal: Selbst gezählt hat er die Pässe, die er im Laufe der Saison gespielt hat, sicher nicht. X-mal könnte man sagen, gab Niklas Moisander die Kugel ab. Oder man nimmt es genauer: 1231 Mal waren es, die der Finne passte – der höchste Wert im Werder-Kader. 1009 der Versuche kamen an.

Y wie Yatabare: Im Januar 2016 gekommen, im Oktober 2016 zur U23 degradiert: Sambou Yatabare und Werder, das war keine glückliche Beziehung. Immerhin half der Mann aus Mali dabei mit, dass die U23 den Klassenerhalt in der Dritten Liga schaffte. Nun trennen sich die Wege von Club und Profi.

Z wie Zukunft: Die verspricht einiges. Die Mannschaft ist gefestigt, der Trainer bleibt – kurz: die Fans dürfen sich auf die Saison 2017/2018 freuen.

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