Ex-Dynamo-Dresden-Profi Olaf Marschall glaubt, dass es für seinen früheren Verein schwer wird, den 3:0-Hinspielsieg gegen Werder Bremen zu wiederholen.
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Ex-Dynamo-Dresden-Profi Olaf Marschall glaubt, dass es für seinen früheren Verein schwer wird, den 3:0-Hinspielsieg gegen Werder Bremen zu wiederholen.

Ex-Dynamo-Spieler vor Werder-Match

Ex-Dresden-Profi Olaf Marschall im DeichStube-Interview: „Werder Bremen ist das Nonplusultra der Liga“

Bremen - Die Bilder vom vergangenen Wochenende, als die Profis des SV Werder Bremen den Erfolg im Nordderby beim Hamburger SV enthusiastisch feierten, haben ihn fasziniert. „Da ist wirklich Leben drin, da ist Spaß vorhanden“, betont Olaf Marschall (53) - und hält fest, dass die Mannschaft von der Weser in dieser Form nur schwer zu schlagen sei.

Im Interview mit der DeichStube spricht der Ex-Profi von Werder Bremens kommendem Gegner Dynamo Dresden, der später mit dem 1. FC Kaiserslautern sensationell Deutscher Meister werden sollte, über den überraschenden Trainerwechsel bei Dynamo, den Abgang von Markus Anfang und den Neustart mit Ole Werner in Bremen sowie über seinen großen Traum am Lauterer Betzenberg und die Lage der Ost-Clubs im deutschen Fußball.

Hat Sie die Entwicklung bei Dynamo Dresden in dieser Woche überrascht? Haben Sie mit der Entlassung des Trainers Alexander Schmidt gerechnet, Olaf Marschall?

Es hat mich schon überrascht, diese Entscheidung. Natürlich ist es von außen immer schwer einzuschätzen, weil man die Abläufe nicht kennt. Doch was ich sagen kann: Dynamo hat eine recht ordentliche Hinserie gespielt. In diesem Jahr ist die Mannschaft noch nicht so in den Lauf gekommen.

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Dynamos Manager Ralf Becker hat unlängst zugegeben, dass er als Verantwortlicher beim Hamburger SV mit der damaligen Beurlaubung des Cheftrainers Christian Titz womöglich zu schnell reagiert habe. Könnte dies nun wieder der Fall gewesen sein?

Es lässt sich immer wieder darüber spekulieren und diskutieren, wann es der richtige Zeitpunkt ist für eine so schwerwiegende Personalentscheidung. Erst im Nachhinein wird sich zeigen, ob es gut und richtig gewesen ist. So ist nun mal das Geschäft. Der Trainer ist das schwächste Glied.

Als Sie vor Jahren als Trainer in Kaiserslautern und in Idar-Oberstein tätig waren, mussten Sie diese Erfahrung der Freistellung auch machen. Danach sind Sie in andere Funktionen im Fußballgeschäft gewechselt. Werden wir Sie niemals wieder als Coach sehen?

Das Thema ist durch. Ich habe zwar das Trainer-Diplom, doch mich interessiert ein solcher Job nicht mehr. Wenn ich in Rente gehe, könnte ich vielleicht noch mal einen kleinen Amateurverein betreuen, doch eine bezahlte Trainerstelle, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, steht nicht mehr zur Debatte. Heute würde mich auch kein Club mehr als Coach verpflichten.

Dynamo Dresden-Legende Olaf Marschall über Werder Bremen: „Ganz anderes Kaliber“ und „Kaum zu schlagen“

In Ihrer Funktion als Scout des 1. FC Kaiserslautern haben Sie sich das letzte Spiel von Dynamo Dresden gegen Darmstadt über 90 Minuten angeschaut. Ihr Eindruck?

Die Dresdner haben passabel agiert, mit etwas mehr Glück hätten sie kurz vor Schluss sogar in Führung gehen können. Lange Zeit ging ihre Kontertaktik gut auf – gegen natürlich spielbestimmende Darmstädter, die mit breiter Brust angetreten sind und am Ende vom Glück des Tüchtigen profitiert haben.

Setzen Sie auf den positiven Effekt des Trainerwechsels bei den Sachsen?

Abwarten, ob sich diese Maßnahme auszahlt. Möglicherweise kann es einen Schub geben, weil die Spieler nun ein neues Gegenüber haben und sich beweisen wollen.

Hand aufs Herz: Trauen Sie Dynamo unter dem neuen Trainer Guerino Capretti eine Überraschung bei Werder Bremen zu?

Ich erinnere mich an die Hinserie. Dresden hat 3:0 gewonnen, doch damals spielte der Mannschaft vieles in die Karten. Werder war noch nicht gefestigt, einige Leistungsträger wie Toprak und Bittencourt fielen aus, Torjäger Füllkrug war auch noch nicht in Form. Dynamo hat Werder auf dem falschen Fuß erwischt und konnte so triumphieren. Es wird schwer, eine derartige Sensation zu wiederholen. Weil Werder gegenwärtig ein Gegner von ganz anderem Kaliber ist.

Was schätzen Sie an der augenblicklichen Werder-Mannschaft besonders?

Da ist Leben drin, da ist Spaß vorhanden. Die Bilder der Siegesfeiern am Wochenende nach dem Erfolg im Nordderby beim HSV haben mich beeindruckt. Werder hat einen Lauf, Werder spielt Spaßfußball. In dieser Verfassung ist die Mannschaft kaum zu schlagen.

Ein Verdienst des neuen Trainers?

Sicherlich, Ole Werner hat seinen Anteil an dieser Entwicklung. Aus meiner Sicht hat er sofort einen optimalen Zugang zur Mannschaft gefunden. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Elf unter ihm noch ungeschlagen ist.

Werder Bremen das „Nonplusultra“, aber Dynamo Dresden-Ex-Spieler Olaf Marschall warnt vor Tücken der 2. Liga

Erweist sich der durch Markus Anfangs Impfpass-Skandal erzwungene Trainerwechsel als Glücksfall für Werder?

Wer auf die Resultate schaut, kann das so sehen. Doch eventuell wäre auch mit Markus Anfang, den ich kurzzeitig als Spieler auf dem Betzenberg kennengelernt habe, ein Aufschwung möglich gewesen. Werder schien für mich auf dem Weg, sich zu stabilisieren, als Anfangs Impfgeschichte stattfand.

Ist Werder nun der Topfavorit auf den Aufstieg?

Die Mannschaft hat sich selbst dazu gemacht. Momentan ist sie das Nonplusultra der Spielklasse. Doch Vorsicht ist geboten, die 2. Liga kann überaus tückisch sein. Ich sehe viele Begegnungen und kann festhalten, dass stimmt, was wie eine Floskel klingt: Jeder kann jeden schlagen.

Ist es die beste 2. Liga aller Zeiten?

Es ist eine spannende Liga, eine geile Liga auf jeden Fall.

Wer mischt neben Werder noch mit im Rennen um den Aufstieg?

Werder ist für mich wie gesagt gesetzt, die anderen schlagen sich um die Plätze. Darmstadt und St. Pauli liegen aussichtsreich im Rennen, auch die Traditionsclubs Schalke und HSV. Auch wenn es zurzeit möglicherweise nicht so aussieht: Selbst Nürnberg und Heidenheim haben noch Möglichkeiten. Es bleibt spannend bis zum Schluss.

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Werder Bremen gegen Dynamo Dresden: Olaf Marschall drückt Ost-Clubs die Daumen

Auch am Tabellenende? Bangen Sie als gebürtiger Ostdeutscher um die Vertreter aus den neuen Bundesländern?

Für Aue sieht es leider schlecht aus. Dresden und Rostock streiten sich mit vielen anderen. Ich drücke die Daumen.

Und Ihr Arbeitgeber? Schafft Kaiserslautern den Aufstieg aus der 3. Liga?

Es wäre wünschenswert. Die Mannschaft hat leider in dieser Woche bei 1860 München verloren, nachdem sie zuvor sehr konstant aufgetreten ist. Wir müssen uns in den restlichen Spielen behaupten. Bis auf Magdeburg hat sich kein Verein richtig abgesetzt. Manchmal träume ich. Mein Traum: Magdeburg, Braunschweig und wir gehen nach oben. Dann gäbe es noch mehr Traditionsclubs im Unterhaus, eine geballte Ladung, fast wie eine Bundesliga von ganz früher.

Sie geben als eines Ihrer Hobbys Kochen an. Wie lautet Ihr Lieblingsrezept?

Ich probiere gern vieles aus. Mein bevorzugtes Essen? Thaicurry, scharf, doch nicht gemeingefährlich gewürzt. Leider mag meine Frau kein Curry.

Früher waren Sie sehr aktiv an der Börse. Ihr Ratschlag in diesen unruhigen Zeiten?

Aus dem Geschäft habe ich mich schon seit Langem zurückgezogen, früher habe ich mit Aktien gehandelt, ohne verrückte Sachen zu machen. Momentan würde ich nicht eingreifen. Abwarten ist angesagt.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Dynamo Dresden aussehen!

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