Daumen hoch für die WM: Ludwig Augustinsson (li.) hat mit Schweden das Ticket gelöst, Thomas Delaney mit Dänemark.
+
Daumen hoch für die WM: Ludwig Augustinsson (li.) hat mit Schweden das Ticket gelöst, Thomas Delaney mit Dänemark.

Mit dem Rückenwind des WM-Tickets

Champagner-Momente für Delaney und Augustinsson

Bremen - Thomas Delaney macht es so: Wenn er zur Nationalmannschaft reist, schaltet er „in dem Moment, in dem ich am Flughafen das Auto abschließe“ von Werder auf Dänemark um.

Und umgekehrt, wenn er auf dem Weg zurück nach Bremen wieder aus dem Flugzeug steigt. „Dann lasse ich das andere hinter mir“, sagt er. Aktuell ist es aber so, dass Delaney beim Nationalteam mit dem 5:1 in Irland und der damit verbundenen sowie vielfach bejubelten Qualifikation für die WM 2018 ein dermaßen großes Positiv-Erlebnis hatte, dass es doch Blödsinn wäre, dies einfach wegzuschieben, anstatt den Schwung für das nicht so leichte Leben als Werder-Profi zu nutzen.

Delaney: Hier Krise, dort Wolke sieben

„Ich muss jetzt die WM-Qualifikation vergessen – und doch irgendwie mitnehmen“, meint Delaney, der in diesen Tagen die starken Kontraste spürt. „Schwarz und weiß“, sagt er – hier Krise und Abstiegsangst im Club, dort Wolke sieben mit der dänischen Nationalelf. Mit der hat er auf dem Rückflug von Irland nicht nur ein paar dänische Carlsberg („Kein irisches Guinness“) gekippt, sondern auch ein wenig Champagner geschlürft. Was einen weiteren Kontrast zum Alltag in Bremen darstellt. „Es gibt hier nicht viel Champagner im Moment. Es sind einfach zwei verschiedene Welten.“

Delaney wird nach dem triumphalen Einzug in die WM-Endrunde – dem „besten Moment meiner Karriere“ – Freitag das erste Mal wieder mit der Mannschaft trainieren. Ludwig Augustinsson ist schon wieder im Übungsbetrieb angekommen, er hatte sein großes Erlebnis auch einen Tag früher als Delaney. 0:0 in Italien – das reichte am Montag, um das WM-Ticket zu lösen. Danach herrschte der Ausnahmezustand. Augustinsson: „Ich habe schon lange nicht mehr so viele glückliche Menschen auf einem Haufen gesehen. Diesen Tag wird keine Schwede je vergessen. Wir haben etwas geschafft, das in die Historie unseres Landes eingehen wird.“

Und persönlich war es für ihn natürlich auch „das Größte, etwas Größeres gibt es nicht.“ Der Schlusspfiff in Mailand sei „für die meistens von uns der schönste Moment in der Karriere“ gewesen – „für mich auch“, so Augustinsson.

Aber auch für ihn hat sich der rosarote Nebel bereits wieder verzogen. Die Realität heißt nun wieder Werder, Abstiegskampf, neuer Trainer. Aber Augustinsson fühlt sich anders als der dänische Kollege in Bremen gar nicht so weit weg von seinem Nationalteam. Denn mit Schweden war er in der WM-Qualifikationsgruppe nur Außenseiter, ließ aber die Niederlande hinter sich. Und der Ausgang der Playoffs gegen Italien war so auch nicht erwartet worden. Der Lerneffekt bei Augustinsson könnte ihm nun auch im Club helfen. Seine Erkenntnis: „Du kannst gegen die besten Mannschaften gewinnen. Das lässt sich auch auf Werder übertragen.“

Delaney: „Ein bisschen Hass ist da schon“

Die Dänen wurden in der Heimat übrigens als elf Wikinger gefeiert – also als furchtlose Kämpfer. Das wäre doch auch 'was für Werder, oder? „Nein“, meint Delaney und schüttelt lachend den Kopf: „Ich weiß nicht, ob Max Kruse so viel über Wikinger weiß.“

Ein Spaß. Ebenso wie seine Antwort auf die Frage, ob sich Dänen eigentlich mit den Schweden und Schweden mit den Dänen freuen können? „Ein bisschen Hass ist da schon“, grinst Delaney. Augustinsson, früher ein Dänemark-Legionär und Delaney-Kumpel beim FC Kopenhagen, macht aber klar: „Ich habe viele Freunde in Dänemark und freue mich natürlich mit ihnen.“

Ludwig Augustinsson: Seine Karriere in Bildern

Ludwig Augustinsson
Der erste Werder-Neuzugang der Saison 2017/18: Ludwig Augustinsson kam im Sommer vom FC Kopenhagen an die Weser. © imago
Der Linksverteidiger machte früh auf sich aufmerksam. Bereits im Alter von 17 Jahren wechselte Augustinsson im Januar 2012 vom schwedischen Zweitligist IF Brommapojkarna zum Erstligist IFK Göteborg. © imago
Ludwig Augustinsson
Nur ein Jahr später unterschrieb er bei Champions-League-Teilnehmer FC Kopenhagen. In Dänemark machte Augustinsson erneut einen großen Sprung und spielte sich schnell zu einer festen Größe. © imago
Ludwig Augustinsson
Sein Debüt in der schwedischen A-Nationalmannschaft gab er am 15. Januar 2015 beim 2:0-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Bisher kam Augustinsson sechsmal zum Einsatz und nahm an der EM 2016 teil. © imago/Bildbyran
Ludwig Augustinsson
Auf dem Platz stand er dort allerdings nicht. Gegen Zlatan Ibrahimovic und Co. konnte sich Augustinsson noch nicht durchsetzen. © imago
Ludwig Augustinsson
In den Jugendnationalmannschaften spielte der Linksverteidiger allerdings schon eine wichtige Rolle. Sein wohl wichtigstes Tor in seiner bisherigen Laufbahn: Der Treffer zum 3:2 im Elfmeterschießen des Finalspiels der U21-EM 2015. Schweden gewann am Ende mit 4:3 gegen Portugal. © imago
Ludwig Augustinsson
Es war bisher Augustinsson größter Triumph - aber nicht sein einziger. © imago
Ludwig Augustinsson
Mit seinem Club aus Kopenhagen gewann er zuletzt zweimal in Folge den dänischen Pokal und wurde dänischer Meister - zusammen mit seinem damaligen und heutigen Teamkollegen Thomas Delaney (Mitte). © imago
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson ist schnell bei Werder Bremen angekommen - und war von Minute eins an auf dem Weg zum Fan-Liebling. © Gumz
Ludwig Augustinsson
Er gehörte bei Werder schnell zum Stammpersonal. © Gumz
Ludwig Augustinsson
Geschafft! Mit der schwedischen Nationalmannschaft feierte Augustinsson im November 2017 den Einzug in die WM-Endrunde 2018 in Russland. © imago
Durch gute Leistungen ist es Ludwig Augustinsson gelungen, die linke Abwehrseite in der Saison 2017/18 abzusichern.
Durch gute Leistungen ist es Ludwig Augustinsson gelungen, die linke Abwehrseite in der Saison 2017/18 abzusichern. © gumzmedia
Am 22. Spieltag konnte Augustinsson gegen den VfL Wolfsburg seinen ersten Treffer für Werder Bremen feiern.
Am 22. Spieltag konnte Augustinsson gegen den VfL Wolfsburg seinen ersten Treffer für Werder Bremen feiern. © gumzmedia
Bei der WM 2018 in Russland erzielte Augustinsson im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko seinen ersten Treffer für Schweden. Es war der Türöffner ins Achtelfinale. Schließlich ging es sogar bis ins Viertelfinale.
Bei der WM 2018 in Russland erzielte Augustinsson im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko seinen ersten Treffer für Schweden. Es war der Türöffner ins Achtelfinale. Schließlich ging es sogar bis ins Viertelfinale. © imago

Schon gelesen?

Bodes Bitte: „Volle Unterstützung für Kohfeldt“

Augustinsson wünscht sich Ibrahimovic-Comeback

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare