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Tian Ci trainiert mit Werders U23, läuft aber für die U21 in der Bremen-Liga auf.

Werder will junge Spieler aus Fernost ausbilden

Chinesisches Potenzial

Bremen - Werder Bremen will junge Fußballer aus China ausbilden. Der erste ist Tian Ci, vielleicht kommt bald der zweite. Die Werder-Bosse wittern gute Geschäfte.

Der junge Mann ist weit davon entfernt, eine fußballerische Granate zu sein. Und doch wird man über Tian Ci möglicherweise irgendwann einmal sagen können, dass er Werder Bremen viel gebracht hat. Keine Unmengen an Toren und sicher auch keine Titel. Aber Geld, das vielleicht schon. Denn Tian Ci kommt aus China und ist beim SV Werder derzeit so etwas wie ein Pilotprojekt. Mit ihm und durch ihn will der Club ausloten, wie viel sportliches und finanzielles Potenzial in der Ausbildung junger chinesischer Spieler steckt. „Wir schauen, was sich da entwickeln lässt“, sagt Sportchef Frank Baumann.

Schon lange denkt Werder über Modelle nach, wie der Club aus dem Fußball-Boom in China eigenes Kapital schlagen kann. Junge chinesische Spieler besser zu machen, ist eine Idee. Damit sei Geld zu verdienen, sagt Baumann. Entweder weil Werder sich für die Ausbildung und das Weitergeben an Wissen und Know-How bezahlen lässt, oder indem Werder Spieler kauft, ausbildet und wieder an chinesische Clubs verkauft.

Werder will als Ausbildungsverein von Chinesen profitieren

Denn im Reich der Mitte werden nicht nur für internationale (Alt-)Stars hohe Preise bezahlt, sondern auch für gute einheimische Kicker. Die Clubs der Chinese Super League dürfen nur drei ausländische Akteure auf dem Platz haben, benötigen also viel Personal aus dem eigenen Land. Doch gute chinesische Spieler sind rar. Werder denkt nun, sich „einen Namen als Ausbildungsverein zu machen und davon zu profitieren“, so Baumann.

Im vergangenen Herbst hatte Werder drei chinesische Spieler zum Probetraining in Bremen. Übrig blieb Ci, der zunächst nur für die Rückrunde verpflichtet wurde. Mittlerweile wurde die Zusammenarbeit auf die kommende Saison ausgedehnt – auch wenn inzwischen längst zu erkennen ist, dass der 20 Jahre alte Offensivspieler sportlich kaum eine Bereicherung ist. Nicht mal für die U23, bei der er regelmäßig trainiert. „Vieles ist schon besser geworden, aber er hat noch viel Entwicklungspotenzial“, sagt U23-Coach Florian Kohfeldt vorsichtig.

Yuning Zhang von Vitesse Arnheim wird von chinesischen Medien mit Werder Bremen in Verbindung gebracht.

Ein anderes Kaliber als Ci wäre da schon Yuning Zhang. Wie Ci ist er 20 Jahre alt, aber Zhang, an dessen Verpflichtung Werder laut chinesischer Medien konkretes Interesse haben soll, hat schon Europa-Erfahrung. Seit Februar 2016 spielt der Mittelstürmer bei Vitesse Arnheim, hat in dieser Zeit 24 Einsätze, zumeist kurze, in der niederländischen Eredivisie absolviert und dabei drei Tore erzielt. Werder-Sportchef Frank Baumann äußert sich nicht über Zhang, nennt die Meldungen wie üblich „ein Gerücht“.

Doch immer noch gilt, was Klaus Filbry, Chef der Bremer Geschäftsführung, vor Kurzem in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt hatte. Auf die Frage, ob er gerne einen chinesischen Profi im Team hätte, antwortete er: „Ja. Es muss natürlich sportlich passen, das ist das wichtigste Kriterium.“ Schlägt ein Spieler dann tatsächlich ein, kann das für den Verein noch einen weiteren positiven Effekt haben: Aufmerksamkeit im Ausland. „Man sieht bei Spielern wie Shinji Kagawa, Chicharito oder an anderen Beispielen, dass das für die Vereine in den betreffenden Märkten extrem viel bringt“, hatte Filbry betont.

Yuning Zhang könnte für Werder doppelt interessant sein

Zhang, dessen Marktwert auf beachtliche 700.000 Euro taxiert wird und der in Jugendauswahlteams Chinas berufen worden war, könnte für Werder also doppelt interessant sein – auch wenn seine Bilanz bei Vitesse nicht gerade wie eine bunt blinkende Werbetafel daherkommt. Chinesische Spieler sind für Werder eben auch dann spannend, wenn sie Bundesliga-Ansprüchen nur bedingt genügen.

Werder will sie attraktiv machen für ihren heimischen Markt. Auch Tian Ci. Eventuell jedenfalls. Ci hat noch nie in einer der führenden europäischen Ligen gespielt, vermutlich wird er es auch nie können. Bisher lief er für Werders U21 in der Bremen-Liga auf, absolviert jetzt aber einen Teil der Saisonvorbereitung bei der U23. Zuletzt schoss er beim 11:0-Testspielsieg über den SuS Strackholt ein Tor – per verwandeltem Elfmeter.

Mit Tian Ci lotet Werder Möglichkeiten und Probleme aus

Ci ist in seiner Heimat keine große Nummer, ist kein Jugendnationalspieler. Aber darauf kommt es Werder nicht an. Sondern darauf, herauszufinden, wo die Möglichkeiten und wo die Probleme im Umgang mit chinesischen Spielern liegen. Die Sprache ist natürlich die größte Hürde, damit verbunden auch die soziale Integration. Zum Erstaunen von Kohfeldt läuft es mit Ci, der im Werder-Jugendhaus in Hastedt lebt, ganz gut.

Er spricht ein wenig Englisch, lernt fleißig Deutsch. Absolut bemerkenswert an dem jungen Mann sei, wie er alles aufsaugt, was ihm geboten wird. „Bei ihm besteht ein hohes Interesse zu lernen“, sagt der U23-Coach und sieht als Nebeneffekt der Kooperation auch positive Dinge für sein Team: „Ci ist jemand, der bereit ist, für seinen Traum in ein ganz anderes Umfeld zu gehen, in eine ganz andere Kultur. Das ist spannend für meine Mannschaft. Es ist für ihn ja nicht so, als ob ein Deutscher nach England geht.“

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