Claudio Pizarro
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Ungewohntes Bild für Werder-Fans: Claudio Pizarro schießt jetzt für den 1. FC Köln und dessen Coach Peter Stöger, der im Training genau hinschaut und hofft, dass der Peruaner den Club wieder weg vom Tabellenende führt.

Neu-Kölner will gegen Werder treffen

Herzensbrecher Pizarro hat ein großes Ziel

Köln - Die acht älteren Männer lächeln milde. Es hat beinahe etwas Großväterliches, wie sie da oben fein säuberlich nebeneinander aufgereiht von der Wand herabschauen.

Ganz so, als seien sie sehr zufrieden mit dem, was dort unter ihren Blicken gesprochen wird. Claudio Pizarro hat soeben Platz genommen im Vorstandszimmer des Geißbockheims, 20 Medienvertreter saßen bereits vor ihm da. Holzmobiliar, gekühlte Getränke, wenig Platz, viele Fragen. Die wohl drängendste: Wie fühlt sich einer, der in wenigen Tagen einer großen Liebe womöglich sehr, sehr wehtun muss?

Pizarro: „Spezielles Duell für mich“

Pizarro, 39, ist seit Anfang Oktober Spieler des 1. FC Köln. Am Sonntag kommt es nun zum Wiedersehen mit dem Verein, bei dem der Peruaner gerne das Wort „Herz“ benutzt, wenn er über ihn spricht: Werder Bremen. So auch dieses Mal, im Geißbockheim, unter den Blicken der acht älteren Männer. Von Franz Kremer über Klaus Hartmann bis hin zu Wolfgang Overath – als Porträtfotos haben die Kölner ihre ehemaligen Präsidenten an der Wand verewigt. Und wer Pizarro auch nur einen kurzen Moment lang zuhört, der ahnt: Er wird am Sonntag alles für ihren Effzeh tun.

„Es ist natürlich ein spezielles Duell für mich“, sagt der Mann, der für Werder 206 Spiele in der Bundesliga absolviert und dabei 104 Tore erzielt hat. Kein Bremer traf öfter, Vereinsrekord. Noch so eine Zahl, ähnlich wuchtig: Vier Mal ist der Angreifer in seiner langen Karriere zu Werder gewechselt. Immer wieder herzlich empfangen, ein geliebter Sohn. Im Sommer dann die endgültige Trennung, zumindest auf sportlicher Ebene.

Roter Pulli, gelbes Mikrofon – bei der Gesprächsrunde mit Claudio Pizarro im Kölner Geißbockheim war aber vor allem Grün-Weiß ein großes Thema.

Werder, vor allem Trainer Alexander Nouri, sah keine Verwendung mehr für den Angreifer, was fußballerisch nachzuvollziehen, emotional aber mindestens schwierig war. In Bremen gilt der Rekordtorschütze vielen als ähnlich bedeutsames Wahrzeichen wie die Stadtmusikanten. Eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht, zumindest bis Sonntag. Zwischen An- und Abpfiff dann definitiv nicht mehr. „Ich habe Werder immer im Herzen, aber nicht am Wochenende. Ich werde versuchen, ein Tor zu schießen“, sagt Pizarro, in einer Art und Weise, wie es nur Pizarro sagen kann.

Seine Stimme geht dann leicht nach oben, die Augen strahlen, allein der Klang seiner Sätze hat etwas Beschwichtigendes. Er spricht es nicht aus, sagt aber doch: „Leute, ist doch alles nicht so schlimm. Wird schon.“ Wird schon – in diesem Fall gilt das ausdrücklich dem 1. FC Köln. Die Mannschaft von Trainer Peter Stöger ist Tabellenletzter, das einzige Team der Liga, das noch etwas bescheidener dasteht als Werder.

Schießt Pizarro Nouri bei Werder aus dem Amt?

„Wir tun alles, um aus dieser Situation herauszukommen, und wir sind überzeugt, dass wir es am Sonntag gegen sie schaffen“, sagt Pizarro. Dass mit „wir“ Köln und mit „sie“ Werder gemeint ist – es klingt merkwürdig, fast falsch. Für den Spieler jedoch nicht. „Natürlich vermisse ich die alten Kollegen, aber jetzt spiele ich eben gegen sie. So ist Fußball.“

15 Mal ist Pizarro in seiner langen Laufbahn in der Bundesliga schon gegen Werder angetreten, immer für Bayern München. Fünf Treffer hat er den Bremern eingeschenkt. Kommt am Sonntag der sechste hinzu, könnte er weitreichende Folgen haben. Es wäre schon eine spezielle Pointe, wenn der Torjäger Köln zum Sieg schießt und damit womöglich Nouris Amtszeit an der Weser enden lässt.

Pizarros Treffer gegen Werder

Claudio Pizarro
Werder Bremen wollte ihn nicht mehr, jetzt spielt Claudio Pizarro für den 1. FC Köln. Trifft er nun gegen seinen Ex-Club? © imago
Claudio Pizarro
Saison 2001/02, 30. Spieltag: „Pizza“ traf zur Münchner Führung, das Spiel endete 2:2. © imago
Claudio Pizarro
Werder-Meistersaison 2003/04, 15. Spieltag: Der Peruaner erzielte den Treffer zum 1:1-Endstand. © imago
Claudio Pizarro
Saison 2005/06, 12. Spieltag: Bayern gewinnt mit 3:1 gegen Werder. Pizarro trifft zum zwischenzeitlichen 2:1. © imago
Claudio Pizarro
Saison 2013/14, 32. Spieltag: Werder geht mit 2:5 bei den Bayern untern. Der Ex-Bremer trifft doppelt, hier im Bild zum 2:2. © nordphoto
Claudio Pizarro
Dann legte er das 3:2 nach. © nordphoto

„Ich werde ganz normal ins Spiel gehen“, betont Pizarro, der fit ist und auf einen Einsatz in der Startelf hofft. Auf Mitgefühl des alten Weggefährten darf bei Werder keiner hoffen: „Ich habe kein Mitleid. Mein Kopf ist beim 1. FC Köln“, erklärt Pizarro – und schiebt noch so einen deutlichen Satz hinterher: „Wenn einer unten bleiben muss, muss es Werder sein. Leider ist das so.“

Damit ist die Fragerunde im Vorstandszimmer fast vorbei, für ein paar schöne Bilder geht es noch raus auf die Terrasse. Im roten Pullover posiert Pizarro vor grünen Bäumen – irgendwie passt das zum Anlass. Dann verrät er noch, dass er bei einem Tor am Sonntag aufs Jubeln verzichten, sich höchstens „einen Jubel nach Innen“ gönnen würde. Abfeiern würde ihn das Stadion dafür umso mehr. Claudio Pizarro, den Kölner.

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