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Werders neuer Stürmer: Milot Rashica.

Harnik durfte nicht, Braithwaites Beraterprobleme

Darum landete Rashica bei Werder

Bremen - Am Ende wurde es Milot Rashica – Werders Wunschlösung bei der Stürmersuche ist der 21-Jährige Kosovare allerdings nicht, aber ganz sicher auch keine B-Variante. Im Fußball-Geschäft laufen die Dinge etwas anders.

Das ist kein Autokauf, bei dem die am besten zu einem passende Kiste ausgesucht und dann bestellt wird. Sportchef Frank Baumann hatte natürlich eine Liste, welche Spieler als Ersatz für den verletzten Fin Bartels infrage kommen – und dann wurde viel parallel verhandelt.

Harnik stand im Fokus

Im Fokus stand am Anfang Martin Harnik. Der Ex-Bremer, der inzwischen bei Hannover 96 spielt. Ihn hätte Werder am liebsten verpflichtet. Denn bei Harnik war ganz klar, was zu erwarten ist: ein erfahrener Bundesliga-Profi mit einer Top-Einstellung und einem sehr guten Bezug zu Werder. Zudem ist der 30-Jährige im Angriff flexibel einsetzbar. Aufgrund dessen Alters hoffte Baumann auf eine nicht so hohe Ablöse. Werder bot etwa drei Millionen Euro. Hannover war das viel zu wenig. Begründung: Sie müssten selbst Ersatz für Harnik finden und dafür das nötige Geld bekommen. Also forderten die Niedersachsen acht Millionen Euro. Ungefähr die Summe, die Werder nun für Rashica bezahlte...

Harnik selbst hätte die Situation vielleicht verändern und Druck machen können. „Jedes Angebot ehrt einen Spieler. Natürlich macht man sich seine Gedanken, wenn so eine Anfrage kommt. Bei Werder hat meine Profilaufbahn ja auch begonnen“, sagte Harnik nun dem „Sportbuzzer“. Von 2006 bis 2009 hatte der Österreicher in Bremen gespielt. Es wäre nun auch zur Wiedervereinigung mit seinem Kumpel Max Kruse gekommen. Doch 96 spielte nicht mit – und für Harnik ist das auch vollkommen okay: „Ich habe immer betont – und das ist auch so geblieben – dass ich mich in Hannover super wohl fühle. Dementsprechend bin ich mit der Entscheidung absolut zufrieden und glücklich, hier zu sein.“

Für Werder kam die Absage schon ganz am Anfang der Transferperiode nicht überraschend. Es wäre halt eine ziemlich smarte Lösung gewesen. Nun wurde es schwieriger und eben auch teurer. Angestrebt wurde ein Leihgeschäft, dass das Risiko senkt. Da kam Martin Braithwaite ins Spiel. Der 26-Jährige Däne war beim FC Middlesbrough nach nur einem halben Jahr unglücklich, wollte seine WM-Chance nicht gefährden und deshalb weg. Am liebsten in die Bundesliga. Doch die Engländer wollten ihn partout nicht verleihen. Deshalb stieg Girondins Bordeaux zwischenzeitlich aus dem Poker aus. Werder blieb im Rennen, hätte die geforderte Ablöse von neun Millionen Euro wahrscheinlich auch bezahlt, wenn nicht anderswo eine neue Tür aufgegangen wäre – und zwar in den Niederlanden. 

Middlesbroughs Braithwaite-Poker

Rashica hatten die Bremer zwar schon lange im Blick, nur stand das große Talent schon so hoch im Regal, wo sich Werder eigentlich nicht bedienen kann. Doch die Gelegenheit war günstig. Vitesse Arnheim hatte dem jungen Stürmer schon zwei Mal einen Wechsel untersagt, und der hatte sich danach genauso wie sein Berater Altin Lala immer sehr loyal verhalten. Nun war offenbar die Zeit gekommen, dieses Verhalten zu belohnen. Und Werder stellte genau den Club dar, bei dem Rashica mit 21 Jahren den nächsten Schritt machen kann – mit großen Chancen auf viel Spielpraxis in einer großen, aber nicht zu großen Liga. Eine Win-Win-Situation. Baumanns Zögern bei Braithwaite hatte sich gelohnt. Mit dem Dänen waren die Verhandlungen ohnehin nicht so einfach gewesen, er vertraut mehreren Beratern. Die boten ihn bei diversen Clubs an. Die sprangen nach und nach ab, dazu zählte auch der VfL Wolfsburg - und schließlich Werder. Kurios: Kurz vor Transferschluss wurde Braithwaite noch an Girondins Bordeaux ausgeliehen mit einer Kaufoption. Auch das Pokerspiel der Franzosen war am Ende also erfolgreich.

Und Werder? Natürlich sind die Bremer mit ihrem Deal „sehr zufrieden“, wie Baumann betont. Rashica kann eine Soforthilfe sein – und mit seinen erst 21 Jahren bietet er noch großes Entwicklungspotenzial. Perspektivisch gesehen ist er wahrscheinlich sogar die beste Wahl. Aber natürlich ist er auch eine kleine Wundertüte, weil er bislang nur in den Niederlanden gespielt hat. In der Bundesliga geht es ganz anders zur Sache. Zumindest das Tempo dafür sollte Rashica eigentlich haben.

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