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Davy Klaassen stellte sich im Interview den Fragen der DeichStuben-Reporter Björn Knips (l.) und Carsten Sander.

Sehnsucht nach Europa, kein Kommunikationsdrang mit Koeman

Davy Klaassen im Interview: „Europa hilft dir so viel“

Bremen – Wieder nicht dabei! Wenn die Niederlande am Sonntag mit dem Spiel gegen Deutschland in die EM-Qualifikation startet, dann findet das Ganze ohne Davy Klaassen statt. Keine Nominierung durch Bondscoach Ronald Koeman – so geht das jetzt schon seit der Amtsübernahme durch Klaassens ehemaligen Trainer beim FC Everton.

„Ich schlafe trotzdem gut“, sagt der Werder-Profi im Interview mit der DeichStube und nimmt seine dauerhafte Nicht-Berücksichtigung sportlich. Außerdem ein Thema: Maxi Eggestein, die Sache mit dem Bauchgefühl und der Mehrwert, in Europa zu spielen.

Davy Klaassen, was machen Sie am Sonntag um 20.45 Uhr?

Hmm, das weiß ich noch gar nicht. Wir haben auf jeden Fall frei. Mal gucken, ob meine Freundin und ich nach Holland fahren oder irgendwo hinfliegen. Da spielen auch die Niederlande gegen Deutschland, oder?

Richtig. Werden Sie in Amsterdam nicht live zuschauen?

Nein. Wenn ich in Holland sein werde, dann nicht dort, sondern bei meiner Familie. Ich werde mir das Spiel aber im Fernsehen angucken.

Wie sehr schmerzt es Sie als 16-facher Nationalspieler, nicht selbst auf dem Platz zu stehen?

Von Schmerz zu sprechen, wäre übertrieben. Natürlich will ich dabei sein. Ich tue alles dafür. Aber wenn es nicht reicht, dann ist das eben so.

Hat Ihnen Bondscoach Ronald Koeman die Situation erklärt?

Nein, wir hatten zuletzt keinen Kontakt. Als er vor einem Jahr Bondscoach geworden ist, hat er mich angerufen und gesagt: ,Wenn du wieder spielst, bist du eine Option.’

Bei Werder haben Sie seit Sommer immer gespielt, hat er also nicht Wort gehalten?

Die Mannschaft gewinnt eben viel, da will er nicht viel wechseln. Das verstehe ich. Ich muss jetzt weitermachen und so spielen, dass er mich einfach einladen muss (lacht). Was soll ich sonst machen? Soll ich ihn etwa anrufen? Nein, nein, ich will mich gar nicht so sehr damit beschäftigen. Ich schlafe trotzdem gut.

Klaassen spielt in der Nationalmannschaft keine Rolle: „Es liegt allein an mir“

Aus der Bundesliga ist aktuell kein Spieler im Kader der Elftal, spielen Sie vielleicht in der falschen Liga?

Ich glaube nicht. Es liegt allein an mir.

Hat die Bundesliga denn noch den Stellenwert in den Niederlanden wie früher? Oder überstrahlt die Premier League längst alles?

Natürlich ist der Blick schon mehr auf die Insel und die Premier League gerichtet, das ist nun mal die beste Liga. Aber es hängt auch davon ab, wie viele Holländer in Deutschland spielen. Jetzt sind es wieder etwas mehr, und in Peter Bosz ist auch ein Trainer wieder zurückgekommen.

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Max Kruse (r.) bejubelt Davy Klaassens Volley-Tor gegen den VfB Stuttgart.

Erst die EM 2016, dann auch noch die WM 2018 verpasst – der niederländische Fußball war am Boden. Jetzt wirkt es so, als sei die Elftal schon wieder an den Deutschen vorbeigerast. Wie geht das so schnell?

Na ja, wir haben ein paar Spiele gewonnen, auch ein paar wirklich gute. Aber es ist wie in Deutschland: Es wird total übertrieben. Dabei ist es doch so: Die Niederlande sind plötzlich nicht so überragend, und Deutschland ist plötzlich nicht total schlecht. Die Deutschen haben noch genügend Weltklassespieler, da muss sich niemand Sorgen machen.

In Bremen wird gerade viel diskutiert: Bleiben Maximilian Eggestein und Max Kruse? Was ist eigentlich mit Ihnen? Sie haben zwar noch einen Vertrag, aber jeder weiß, dass das im Fußball nicht unbedingt etwas zu bedeuten hat.

Es gibt keinen Grund für mich, hier wegzugehen. Ich finde es schön hier, ich mag den Verein, ich mag die Stadt. Werder hat mich in einer für mich schwierigen Zeit geholt. Hier macht mir Fußball wieder Spaß. Da möchte ich etwas zurückgeben und nicht gleich wieder gehen.

Das funktioniert im Fußball aber nur selten.

Das stimmt. Du weißt im Fußball eigentlich nie, was im nächsten Jahr passiert. Aber ich bin mir sehr sicher, dass ich auch nächste Saison hier spielen werde.

Klaassen mahnt: Nicht den falschen Club auswählen

Maximilian Eggestein muss sich als 22-Jähriger entscheiden, ob er bleibt oder den Schritt zu einem größeren Club wagt. Sie haben diese Situation als junger Spieler bei Ajax Amsterdam selbst erlebt. Wie haben Sie damals die Entscheidung getroffen, zum FC Everton zu wechseln?

Nur aus dem Gefühl heraus. Die Jahre davor stand für mich immer fest: Ich bin hier bei Ajax noch nicht fertig. Das war die Stimmung für drei, vier Jahre. Doch dann wollte ich einfach etwas Neues und habe es mit Everton gemacht.

Welchen Fehler darf man dabei nicht machen?

Den falschen Club auswählen (lacht). Mit mir und Everton hat es einfach nicht gepasst. Du weißt aber auch nie vorher, wie es wirklich wird. Bei Werder war das nicht anders, aber diesmal habe ich Glück gehabt.

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Was ist noch wichtig – gerade mit Blick auf Maximilian Eggestein?

Er muss sich eben entscheiden, ob er hier Stammspieler bleiben will oder es woanders probieren möchte, wo er das vielleicht nicht sofort ist. Das ist natürlich ein Risiko. Ich würde mich freuen, wenn er bleibt. Wir passen gut zusammen im Mittelfeld und verstehen uns gut – auch außerhalb des Platzes.

Hat er das Zeug für eine internationale Karriere – auch in der Nationalmannschaft?

Ja! Es war doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er zur Nationalmannschaft eingeladen wird. Maxi macht es richtig gut, obwohl er noch sehr jung ist.

Sie haben sich damals auch wegen Florian Kohfeldt für Werder entschieden. Hat der Trainer mit seinen Ankündigungen Recht gehabt?

Auf jeden Fall. Wegen seiner Idee vom Fußball bin ich hier. Das macht unglaublich viel Spaß. In den letzten Monaten haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht, kassieren nicht mehr so viele einfache Gegentore. Wir sind seit drei Monaten ungeschlagen – auch das macht Spaß.

Wie fühlt es sich an, unbesiegbar zu sein?

Gut. Wir dürfen nur nicht zu viel darüber nachdenken, sonst geht es ganz schnell in die andere Richtung.

Was ist jetzt das Wichtigste im Kampf um Europa?

Wir dürfen nicht nachlassen. Der nächste Gegner ist da eine gute Warnung für uns. Im Hinspiel waren wir in Mainz ganz schlecht. Das war der Beginn einer ganz schlechten Phase. Daraus müssen wir gelernt haben.

Sie sind seit acht Monaten der Rekordtransfer des SV Werder. Wie lebt es sich damit?

Mir war das immer egal. Natürlich wusste ich, dass die Leute viel von mir erwarten. Da war es gut, dass wir am Anfang viel gewonnen haben und ich ganz gut gespielt habe. Das Glück hatte ich in Everton nicht. Da wurde dann viel über die Millionen für mich geredet und geschrieben.

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29 Pflichtspiele von Beginn an, vier Tore und fünf Vorlagen: So liest sich die nackte Bilanz von Davy Klaassen.

Sie haben hier alle 29 Pflichtspiele von Anfang an bestritten, vier Tore erzielt und fünf vorbereitet – wie zufrieden sind Sie?

Ich bin nie zufrieden. Eine Saison besteht immer aus Phasen: Die erste war gut, die zweite nicht so gut – und jetzt geht es wieder besser.

Wo würden Sie sich gerne noch verbessern?

Vier Tore und fünf Vorlagen habe ich? Da will ich eigentlich mehr!

Erwarten Sie als Rekordtransfer, dass Werder auch im kommenden Sommer mutig auf dem Transfermarkt agiert, um die Mannschaft zu verstärken?

Wenn es möglich ist, dann gerne. Je besser die Spieler, desto größer die Aussicht auf Erfolg – normalerweise (lacht). Frank Baumann und Florian Kohfeldt werden das schon machen.

Wie wichtig wäre die Qualifikation für das internationale Geschäft, damit sich die Mannschaft weiterentwickelt?

Sehr wichtig! Europa hilft dir so viel als Mannschaft, aber auch als Profi. Ich weiß das noch gut aus meiner Zeit bei Ajax. Das hat mich vorangebracht, du wirst noch mal ganz anders gefordert. Die eigene Liga kennst du doch, da kommen in Europa ganz neue spannende Aufgaben auf dich zu.

Ist die Europa League wirklich so eine reizvolle Aufgabe?

Auf jeden Fall. In der Gruppenphase sind immer gute Mannschaften dabei, und die K.o.-Phase ist doch super. Das sieht man doch jetzt an Eintracht Frankfurt, die haben richtig Spaß mit ihren Fans an der Europa League. Das würde ich auch gerne mit Werder erleben.

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