Das werden Fans von Werder Bremen gerne hören: Fanmärsche in der Stadt sind nicht grundsätzlich verboten. Die Bremer Innenbehörde erklärt die Gründe!
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Das werden Fans von Werder Bremen gerne hören: Fanmärsche in der Stadt sind nicht grundsätzlich verboten. Die Bremer Innenbehörde erklärt die Gründe!

Bei Werder-Spiel gegen Frankfurt

Lösung des Fanmarsch-Rätsels: Bremer Innenbehörde erklärt, warum Werder-Fans im Mai laufen durften und jetzt eigentlich nicht

Bremen – Köpfe wurden geschüttelt, Fragen gestellt, überraschte Blicke gab es auch, und das eine oder andere amüsierte Lächeln war ebenfalls zu sehen. Der jüngste Fanmarsch der Anhänger des SV Werder Bremen hat allerlei Emotionen hervorgerufen.

Vor dem Werder-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt war eine grün-weiße Menschenmenge im Bremer Viertel erst aufgrund einer Allgemeinverfügung des Ordnungsamtes von der Polizei gestoppt worden, hatte sich dann aber plötzlich als spontan angemeldete Demonstration doch in Bewegung setzen dürfen. Die Bürokratie wirkte ausgehebelt – und außerdem war vielerorts nicht ganz klar, warum ausgerechnet dieser Fanmarsch im Vorfeld verboten wurde, wenn doch noch im vergangenen Mai sogar mehr als 10.000 Fans des SV Werder Bremen vor dem Aufstiegsfinale gegen Regensburg feiernd in Richtung Wohninvest Weserstadion aufbrechen durften. Auf Nachfrage der DeichStube hat das Bremer Innenressort nun mit ein paar Tagen Abstand Licht ins Dunkle gebracht.

Bremer Innenressort: Fanmärsche an Spieltagen des SV Werder Bremen nicht grundsätzlich untersagt

Eine ganz wichtige Erkenntnis: Fanmarschverbote gibt es in Bremen zwar seit dem Jahr 2010 regelmäßig, nachdem es dabei vorher immer mal wieder zu Ausschreitungen gekommen war – grundsätzlich untersagt sind sie jedoch nicht. „Das ist ein Missverständnis. Das Fanmarschverbot gilt nicht generell, sondern wird unmittelbar vor jedem Spieltag für diesen konkreten Spieltag auf der Grundlage einer aktuellen Risikobewertung der anstehenden Begegnung verfügt“, erklärt Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin der Innenbehörde. Somit ist jedes Mal ein neuer Erlass vonnöten, um einen sogenannten „Corteo“ zu unterbinden.

„Ziel der Allgemeinverfügung ist, ein Aufeinandertreffen verfeindeter Fangruppierungen zu verhindern, insbesondere in dem auch von anderen Besuchern stark frequentierten Viertel.“ Aus diesem Grund werden in der Hansestadt bei Heimspielen des SV Werder Bremen auch schon seit Jahren die Gäste-Fans vom Hauptbahnhof per Shuttle-Verkehr zum Stadion gebracht. „Das Fanmarschverbot ist allerdings nur dann erforderlich, wenn die Risikobewertung ein feindliches Aufeinandertreffen erwarten lässt“, betont Gerdts-Schiffler. „Ist dies nicht der Fall, wie bei der Begegnung gegen Regensburg, wird die Allgemeinverfügung für den Spieltag auch nicht erlassen. Es handelt sich also um eine Maßnahme der Gefahrenabwehr, die den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten hat.“

Bremer Innenressort: „Idee hinter dem Fanmarschverbot war nie, Fans von Werder Bremen abzuhalten, in Gruppen zum Stadion zu laufen“

Bleibt noch die Sache mit der ganz kurzfristig anberaumten Demonstration, mit der Fans theoretisch auch künftig ein eigentliches Verbot in Windeseile umgehen und die Verfügung somit ad absurdum führen könnten. Ganz so simpel ist die ganze Angelegenheit dann aber doch nicht. „Die Idee hinter dem Fanmarschverbot war nie, Bremer Fans davon abzuhalten, in Gruppen gemeinsam zum Stadion zu gehen“, schildert die Pressesprecherin des Innenressorts. „Entscheidend ist hier allein, ob sie sich dabei benehmen oder nicht. Wenn sie singend und trommelnd durchs Viertel ziehen, würde die Polizei sie nicht stoppen. Anders sieht das aus, wenn sie Pyrotechnik zünden würden oder wenn aus der Gruppe heraus Straftaten wie zum Beispiel Sachbeschädigungen begangen würden.“

In diesen Fällen hätte auch eine Spontanversammlung der Fans des SV Werder Bremen keine Chance, würde von den Beamten vor Ort direkt untersagt, angehalten oder im schlimmsten Fall aufgelöst werden. Grund: Die geltende Versammlungsfreiheit gilt nur für friedliche Zusammenkünfte. „Das heißt, die enge Begleitung durch die Polizei gilt für große Fangruppen von Heimfans auf ihrem Weg zum Stadion als auch bei einer Spontanversammlung gleichermaßen“, hebt Gerdts-Schiffler hervor. (mbü)

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