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Ajax-Spieler Abdelhak Nouri musste mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus transportiert werden.

Spielabbruch überschattet den Fußball

Drama bei Werder-Test: Herzstillstand bei Ajax-Spieler

Hippach - Im Testspiel zwischen Werder Bremen und Ajax Amsterdam lief die 73. Spielminute, als Fußball plötzlich völlig unwichtig wurde.

Ajax-Profi Abdelhak Nouri brach ohne Einwirkung eines Gegenspielers in der Bremer Hälfte zusammen und blieb reglos am Boden liegen. Der 20-Jährige erlitt einen Herzstillstand, musste reanimiert und minutenlang mit einer Herzdruckmassage am Leben gehalten werden.

Nouri wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen, sein Zustand galt in dem Moment als sehr kritisch. Auf dem Twitter-Kanal von Ajax Amsterdam hieß es wenig später, Nouris Zustand sei stabil, sein Herz schlage selbstständig, er sei ins künstliche Koma gelegt worden. „Wir haben heute einen sehr tragischen Moment erlebt“, sagte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann, „unsere Gedanken und besten Wünsche sind bei Abdelhak Nouri, seiner Familie, den Mannschaftskollegen und den Fans von Ajax Amsterdam.“

Tief betroffen sprach der Bremer Sportchef über den Vorfall, der das ganze Stadion in Hippach im Zillertal in einen Schock versetzt hatte. In dem kleinen Ort hatte Ajax Amsterdam seit Montag sein Trainingslager absolviert. Eigentlich war direkt nach dem Spiel die Rückreise geplant gewesen. Unklar war am frühem Abend noch, ob das Team tatsächlich abreisen würde.

Abdelhak Nouri war nach einem Ajax-Angriff auf dem Weg zurück in die eigene Hälfte gewesen, als er unvermittelt zusammensackte und auf dem Rücken liegen blieb. Sofort winkte der Schiedsrichter die Ärzte herbei, zunächst kümmerten sich die Team-Mediziner beider Mannschaften um den jungen Profi, kurz darauf kam der Notarzt dazu. Nouri wurde nach der Reanimation künstlich beatmet. Ordner schirmten die Behandlung mit großen Tüchern ab. Währenddessen standen die Spieler beider Mannschaften nur wenige Meter entfernt betroffen und mit sorgenvollen Gesichtern am Spielfeldrand.

Testspiel rückt in den Hintergrund

Im mit 1.500 Zuschauern gefüllten Stadion war es mucksmäuschenstill, als nach und nach jeder den Ernst der Lage begriff. Eine knappe halbe Stunde nach dem Zusammenbruch des Spielers landete der Rettungshubschrauber auf dem Platz. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Referee die Partie längst abgebrochen.

Werder hatte nach Treffern von Johannes Eggestein (46.) und Florian Kainz (62./Foulelfmeter) bei einem Gegentor durch Mateo Cassierra (29.) geführt. Doch das wurde so unwichtig wie nur was. Manche Ajax-Spieler hatten Tränen in den Augen, als sie nach langen, bangen Minuten den Platz verließen und in die Kabine gingen. Auch die Werder-Profis waren tief betroffen.

Spielabbruch überschattet Werder-Test

Team-Psychologe Prof. Dr. Andreas Marlovits, den Werder wie im Vorjahr mit ins Trainingslager nach Zell am Ziller genommen hat, sprach noch in der Kabine zur Mannschaft, ebenso Frank Baumann. „Wir sind alle geschockt, das müssen wir erstmal verarbeiten“, sagte der Sportchef später. Jeder Spieler, der nach dem dramatischen Erlebnis den Wunsch nach Hilfe verspüre, könne sich an Marlovits wenden.

Abdelhak Nouri war erst zur Halbzeit eingewechselt worden. Der 20-Jährige hat einige niederländische Jugend-Auswahlen durchlaufen, seit zwei Jahren gehört der zentrale Mittelfeldspieler zum Kader des Ajax-Profi-Teams. Neunmal war er in der vergangenen Saison in der Eredivisie aufgelaufen, dreimal in der Europa League.

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