Ein Wut-Trainer auf der Bank. Werder-Coach Robin Dutt hat aber auch nach der dritten Pleite in Folge nicht den Glauben an seine eigene Arbeit verloren.
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Ein Wut-Trainer auf der Bank. Werder-Coach Robin Dutt hat aber auch nach der dritten Pleite in Folge nicht den Glauben an seine eigene Arbeit verloren.

Eichin-Auftrag an Dutt: Gegen Freiburg muss Werder die Wende schaffen

Schicksalsspiel am Samstag

Bremen/Wolfsburg - Thomas Eichin war bereit, über alles zu reden – nur nicht über den Trainer. „Da gibt es keine Diskussion“, sagte der Geschäftsführer von Werder Bremen gestern. Obwohl der Fehlstart in die Bundesliga-Saison immer dramatischer wird, genießt Robin Dutt das „volle Vertrauen“ seines Vorgesetzten.

Doch viele Niederlagen wie das 1:2 (1:1) am Samstag beim VfL Wolfsburg kann sich Dutt sicher nicht mehr erlauben. Die Lage bei Werder wird imm er prekärer. Am Samstag muss im Heimspiel gegen den SC Freiburg „zwingend und dringend“ ein Sieg her, fordert Eichin.

An den ersten sechs Spieltagen blieb Werder ein solcher verwehrt. Die Mannschaft steht mit nur drei Punkten mittlerweile auf einem direkten Abstiegsplatz. Vorletzter sind die Bremer, denen nur dank der Hilfe von Ex-Trainer Thomas Schaaf und dessen Frankfurter Eintracht der Sturz ans Tabellenende erspart blieb. Die Hessen gewannen gestern mit 2:1 beim Hamburger SV, der damit die Rote Laterne behält.

Den schlechtesten Saisonstart seit 44 Jahren hat Werder aber auch so hingelegt. Dennoch sind alle Bremer um Gelassenheit bemüht. „Wir sind Gott sei Dank noch am Anfang der Saison und nicht am 30. Spieltag. Wir können das noch alles regeln“, erklärt Eichin und gibt wie immer den hemdsärmeligen Manager, bei dem alles gut wird, so lange sich alle voll reinhauen. „Wir müssen“, verlangt er also mit Blick auf die Sieglosserie, „das jetzt mit Brachialgewalt ändern.“

Was sicher nicht heißen soll, dass Werder gegen den SC Freiburg auf alles treten soll, was sich bewegt. Eichin verlangt nur die absolute Entschlossenheit, die Partie zu gewinnen. „Wir müssen noch vehementer darauf drängen, ein enges Spiel für uns zu entscheiden.“

In Wolfsburg gelang das nicht. Obwohl der VfL bei weitem nicht so überlegen war, wie seine finanziellen Möglichkeiten vermuten lassen, verließ Werder die VW-Arena als Verlierer. Es war in einer grauenhaften englischen Woche die dritte Pleite in Folge. Hauptgrund: Werder bekommt unter Dutt seine Defizite in der Defensivarbeit nicht in den Griff. Bei den Gegentoren durch Ricardo Rodriguez (15.) und Ivica Olic (57.) halfen die Bremer ordentlich mit, der Treffer von Marnon Busch (37.) blieb deshalb wertlos. „Da gibt es nichts schönzureden. Wir stellen uns nicht gut an“, räumt Robin Dutt ein.

Werder-Einzelkritik

Raphael Wolf: Kein gravierender Fehler, aber Wolf war bei beiden Gegentreffern nicht so aktiv, wie er es sein könnte. Note 4 © nordphoto
Marnon Busch: Ein durch und durch aufregendes Match für den 19-Jährigen, der überraschend den Vorzug vor Kapitän Clemens Fritz erhalten hatte. Erst der Ballverlust vor dem 0:1, dann der mutige Schuss zum 1:1, seinem ersten Bundesliga-Tor. Insgesamt war es ein Spiel mit Lichtblicken, aber auch mit Schatten. Busch wurde mehrfach überspielt. Note 4 © nordphoto
Sebastian Prödl: Zurück in der Startelf nach überstandenem Magen-Darm-Infekt. Auch Prödl war beim zweiten Gegentor nicht gut positioniert. Schicker, aber etwas zu unplatzierter Drehschuss in der Schlussphase. Note 4 © nordphoto
Assani Lukimya: Hatte seine einzige auffällige Szene, als er in großer Not vor Wolfsburgs Jung klärte (31.). Ansonsten ohne besonders positive oder negative Szenen, Gewann nur jeden zweiten Zweikampf. Note 4 © dpa
Santiago Garcia: Offensivdrang? Diesmal nicht. Defensive Stabilität? Nur mit Abstrichen. Der Linksverteidiger hatte vor allem in Halbzeit zwei mit dem eingewechselten Vieirinha Probleme. Note 4 © nordphoto
Cedrick Makiadi: Rückte für den zuvor schwachen Galvez in die Startelf. Hätte mittels eines energischen Sprints beinahe noch das 0:1 verhindert, kam aber doch einen Schritt zu spät. Alles in allem eine mittelmäßige Leistung. Note 4 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Fiel in Halbzeit eins nur auf, weil er gegen Luiz Gustavo auf der Linie rettete. Nach der Pause besser im Spiel, aber letztlich ohne durchschlagende Aktionen. Note 4 © nordphoto
Fin Bartels: Ein paar kluge Bälle, dazu die Vorlage zum 1:1 – Bartels war in Halbzeit eins Bremens Bester. Doch je länger die Partie dauerte desto weniger war von ihm zu sehen. Note 3,5 © nordphoto
Izet Hajrovic (bis 83.): Vereinzelt deutete er sein offensives Potenzial an. Aber Abwehrarbeit scheint für ihn ein absolutes Fremdwort zu sein. Es war im Grunde ein Akt der Arbeitsverweigerung, dass er Rodriguez vor dem 0:1 einfach ziehen ließ. Überhastet zudem sein Abschluss nach gutem Petersen-Zuspiel (51.). Note 5,5 © nordphoto
Franco Di Santo: Dass er die Halbchance in der 65. Minute verstolperte, passte zu seiner Gesamtleistung. Kein Torschuss, nur eine Vorlage – von Di Santo war extrem wenig zu sehen. Note 5 © nordphoto
Nils Petersen (bis 66.): Zum ersten Mal in dieser Saison stand der Stürmer in der Startelf. Aber im Duell mit dem Konkurrenten Davie Selke sammelte er keine Pluspunkte. Nur 43 Prozent seiner Pässe erreichten ihr Ziel. Zudem offenbarte er einmal mehr technische Schwächen. Aber immerhin: Drei der acht Bremer Torschüsse gab er ab – alle harmlos. Note 5 © nordphoto
Felix Kroos (ab 83.): Führte sich mit zwei Fehlpässen ein. Note - © nordphoto
Davie Selke (ab 66.): Konnte sich nicht mehr auszeichnen. Note - © nordphoto

Eine Rückkehr zur Mauertaktik, die zu Beginn der vergangenen Saison wertvolle Punkte gebracht hatte, lehnen Trainer und Spieler aber weiterhin ab. Das offensive Pressing bleibt das Mittel der Wahl. Vize-Kapitän Sebastian Prödl: „Eine gute Entscheidung. Es klingt jetzt mit dem 17. Platz im Hintergrund zwar doof. Aber die Spielphilosophie, die wir entwickeln, ist besser als die vom letzten Jahr. Sie macht mehr Spaß, und wir hatten bisher in jedem Spiel die Möglichkeit, etwas mitzunehmen. Wenn wir diese Qualität beibehalten, werden auch Gegner kommen, gegen die wir die nötigen Punkte holen.“

Es ist ein überraschend großer Optimismus, den die Bremer angesichts der negativen Ergebnisse verbreiten. Dutt befeuert das positive Denken, sagt: „Ich glaube, wir bekommen das schon hin.“ Gegen Freiburg, einst des Trainers erste Station in der Bundesliga, muss der Beweis geführt werden. „Ein Sieg ist Pflicht“, meint der 49-Jährige, der das rückblickend für die Spiele gegen Wolfsburg, Schalke 04 und Leverkusen niemals gefordert hätte: „Das sind Champions-League-Mannschaften. Gegen die zu verlieren, ist für uns die Normalität.“

Wenn ein Trainer Niederlagen als normal erklärt und in sechs Spielen nur drei Punkte sammelt, wäre in vielen anderen Clubs der Aufschrei groß. In Bremen dringt dagegen keine interne Kritik nach außen – weil es keine gibt, behauptet Dutt und fühlt sich seines Arbeitsplatzes sicher. Er habe „nullkommanull Probleme“, die Situation innerhalb des Clubs erklären zu können: „Wir haben nicht vor der Saison die Rahmenbedingungen besprochen, um sie jetzt wieder zu vergessen.“

Werder verliert in Wolfsburg mit 1:2

Werder Bremen verliert beim VfL Wolfsburg mit 1:2 (1:1). © nph
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Werder Bremen verliert beim VfL Wolfsburg mit 1:2. © dpa
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Werder Bremen verliert beim VfL Wolfsburg mit 1:2. © dpa
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Extern wachsen dagegen die Fragezeichen, ob Dutt Werder weiterbringt. Viel wird vom Ausgang der Partie gegen Freiburg abhängen. Dann hat der Gegner keinen Champions-League-Geruch, sondern duftet wie Werder modrig nach Tabellenkeller. „Ein Team auf Augenhöhe“, meint Dutt, der von Eichin eine unmissverständliche Zielvorgabe diktiert bekommt: „Wir brauchen die drei Punkte als Grundlage, um uns wieder zu richten. Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren. Das ist ein fettes Spiel.“

Dann –wie auch in den meisten Partien zuvor – zwischen den Strafräumen hübsch mitzuspielen, dabei aber die elementaren Aufgaben wie Tore verhindern und Tore erzielen zu vernachlässigen, wäre verhängnisvoll. „Ich habe“, mahnt Thomas Eichin, „keine Lust, in Schönheit auf Platz 18 zu hängen.“

csa

Quelle: kreiszeitung.de

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