Trainer Robin Dutt kaputt, aber ganz volksnah: In der Ostkurve herzt er einen Fan. ·
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Trainer Robin Dutt kaputt, aber ganz volksnah: In der Ostkurve herzt er einen Fan. ·

Werder zeigt mit 1:0 gegen Leverkusen: Es geht doch

Eine Prise Entspannung und eine Dosis Hoffnung

Bremen - Die Spieler in roten Weihnachtsmänteln und mit grün-weißen Mützen auf dem Kopf, aus den Boxen dröhnt gefühlsduselige Weihnachtsmusik und auf der Anzeigetafel leuchtet tatsächlich ein 1:0 für den SV Werder. Es war ein Überraschungssieg, der den Bremern zum Abschluss der Bundesliga-Hinrunde gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen gelungen war. Und es ist ein Hoffnungsschimmer für die Rückrunde. Vor allem war dieser Sieg aber eins: bitter nötig.

Denn die wenigen Teams, die vor dem letzten Spieltag des Jahres noch hinter Werder standen, punkteten ebenfalls. Freiburg siegte, Braunschweig siegte, Frankfurt holte einen Zähler, Nürnberg auch – der Druck, den die Bremer Spieler und Trainer Robin Dutt mit in die Winterpause genommen hätten, wäre um ein Vielfaches größer gewesen, wenn der Mannschaft am Ende einer verkorksten Hinrunde nicht dieser völlig unerwartete Erfolg gelungen wäre. „Es fühlt sich schon ganz anders an, 1:0 gewonnen, anstatt 0:1 verloren zu haben. Es ist jetzt entspannter. Von uns allen ist großer Druck abgefallen“, räumte Trainer Robin Dutt ein. Und von ihm wohl am meisten.

Weihnachtsmänner in Fußballschuhen: Franco Di Santo (l.) und Eljero Elia verteilten Präsente an die Fans. ·

Einer seiner emotionalsten Momente bei Werder sei der Sieg gewesen, sagte der 48-Jährige und war auf der Pressekonferenz nach dem Spiel den Tränen nahe. Ergriffen von der Leistung seiner Mannschaft, „die die Gabe hat, nach jedem Rückschlag wieder aufzustehen“. Ergriffen auch von den Fans, die ihr Team „nach einem Jahr mit vielen Tiefs in einer Art und Weise begleitet haben, die außergewöhnlich ist.“ Und berührt von dem Schlusspunkt hinter seinem ersten Halbjahr in Bremen. Ein Sieg ausgerechnet gegen seinen Ex-Club – für Dutt auch eine Genugtuung 20 Monate nach seiner Entlassung in Leverkusen. „Ich bin glücklich“, sagte er – und an dieser Stelle brach seine Stimme fast, die Emotionen drängten nach außen. Dutt beherrschte sich gerade noch – doch sein Auftritt zeigte auch so, wie es um ihn bestellt ist: Das erste halbe Jahr mit schneller Aufbauarbeit und schlimmen Niederlagen hat Kraft gekostet. „Die sechs Monate sind mir vorgekommen wie sechs Jahre“, meinte er: „Ich bin müde.“

Für ausgiebige Jubelarien nach dem Schlusspfiff hat es freilich noch gereicht. Jeder lag jedem in den Armen, und der Coach reckte befreit die Siegerfaust gen Tribüne. Werder überwintert nun als Tabellenelfter, mit 19 Punkten auf der Habenseite. „Ich war vor Saisonbeginn von 20 ausgegangen – so schlimm ist es also nicht“, lautet Thomas Eichins Halbzeitbilanz. Aaron Hunt, überragender Werder-Akteur und Vorbereiter des Siegtores durch Santiago Garcia (74.), widersprach dem Sportchef allerdings: „Wir haben zu wenig Punkte geholt, da müssen wir alle ehrlich zueinander sein.“

Zumal sich durch die kleine Sensation zum Jahresabschluss nur der Tabellenplatz verbessert hat, der Abstand zum Relegationsplatz ist konstant geblieben. Die Gefahr ist weiterhin nur fünf Punkte weg.

Der Auftrag für die am 26. Januar mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig beginnende Rückrunde kann also nur sein, häufiger so zu spielen wie gegen Leverkusen. „In der Defensive war es unsere beste Saisonleistung“, urteilte Hunt. Die Werder-Elf verteidigte das eigene Tor gegen die Werkself mit einer solchen Entschlossenheit und Leidenschaft, dass 39 145 Zuschauer im Weserstadion begeistert waren. Sich aber auch fragen mussten: Wieso nicht längst so? Wieso vorher diese Gegentorflut? Wieso? Wieso? Wieso?

Die Noten: Antreiber Hunt rennt allen davon

Raphael Wolf: Gute Eigenwerbung und Balsam für die Seele nach 14 Gegentreffern in seinen drei vorherigen Spielen: © nordphoto
Immer auf dem Posten, gegen Rolfes stark auf der Linie (24.), guter Reflex gegen Kruse (55.), sicher im Rauslaufen gegen Kießling (57.). Note: 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Übernahm für den verletzten Clemens Fritz die Rechtsverteidiger-Rolle. © nordphoto
„Theo“ hielt seine Seite sauber, kam in Halbzeit zwei öfter und teils auch sehenswert mit nach vorn. Note: 3 © nordphoto
Luca Caldirola: Mit Sebastian Prödl stellte er das Zentrum sicher zu. Der Spielaufbau kam – bei Gegenspielern wie Kießling und Kruse fast naturgemäß – etwas zu kurz. Note: 3 © nordphoto
Sebastian Prödl: Was für ein Comeback nach mehr als siebenwöchiger Verletzungspause! Der Österreicher brachte sofort Stabilität in die Abwehr – kopfballstark, kompromisslos in den Zweikämpfen und mit gutem Coaching seiner Nebenleute. Note: 2 © nordphoto
Santiago Garcia: Nach anfänglicher Unsicherheit besser im Spiel. Am Tor des Tages dreifach beteiligt – mit dem öffnenden Pass auf Aaron Hunt, als „Überspringer“ von dessen Hereingabe und schließlich als Torschütze. © nordphoto
„Santi“ untermauerte wie gegen Hannover seinen Ruf als Mann für Werders wichtige Treffer. Am Ende offensiv mehrfach gefährlich. Note: 2,5 © nordphoto
Cedric Makiadi: Engagiert und gewillt, aber mit Ballverlusten. Auffälligste Szene: Durch seinen Sturz in Leverkusens Strafraum ermöglichte er Garcia das 1:0. Note: 4 © nordphoto
Philipp Bargfrede: Was er in der ersten Halbzeit spielte, hatte Hand und Fuß: mehrere Balleroberungen, eingeleitete Konter, einsatzfreudig. © nordphoto
Im zweiten Abschnitt weniger auffällig, aber solide. Note: 3 © nordphoto
Franco Di Santo (bis 71.): Nach vorn mit wenig Akzenten, weiter hinten eine der Aushilfen. Trat selten in Erscheinung. Note: 4,5 © nordphoto
Aaron Hunt (bis 84.): So muss ein Kapitän spielen! Überraschend nach bestandenem Härtetest im Team, merkte ihm niemand seine Wadenverletzung an. © 
Bremens Bester riss das Spiel an sich, fast alle Angriffe liefen über ihn. Auch das 1:0 bereitete Hunt vor. Note: 2 © nordphoto
Eljero Elia (bis 90.): Fleißig auf der linken Außenbahn. © nordphoto
Hinten verhinderte er Flanken, vorn hielt er viele Bälle, zog oft zwei Mann auf sich. Hätte das 2:0 machen müssen. Note: 3 © nordphoto
Nils Petersen: Schöner Kopfball an den Außenpfosten (27.), Pech mit einem Schuss aus spitzem Winkel (58.) – mehr Gefahr strahlte er vor dem Tor nicht aus. Als eifriger Abwehr-Mitarbeiter auffälliger. Note 3,5 © nordphoto
Aleksandar Ignjovski (ab 71.): Unterband nach seiner Einwechslung bissig noch einige Bayer-Angriffe. Note: - © nordphoto
Assani Lukimya (ab 84.): In Leverkusens Druckphase als weitere Abwehr-Kante eingewechselt. Note: - © nordphoto
Tom Trybull (ab 90.): Ein Kurzeinsatz ohne Auffälligkeiten. Note: - © nordphoto

Knappe Antwort: Weil Werder sich zwischenzeitlich in dem Glauben verrannt hatte, besser zu sein und offensiver spielen zu können, ohne die Defensive zu vernachlässigen. Das Ergebnis ist bekannt: 37 Gegentore insgesamt, allein 20 in den fünf Partien vor Leverkusen. Und plötzlich steht die Null wieder. „Wir wissen ja, wie es geht“, stellte Hunt zufrieden fest. Eine Woche zuvor hatte er nach dem 2:3 in Berlin noch die „immer gleiche Scheiße“ im Defensivverhalten kritisiert.

Werder Bremen - Bayer Leverkusen

Werder Bremen hat die Hinrunde der Fußball-Bundesliga mit einem Sieg abgeschlossen. Die kampfstarken Hanseaten bezwangen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen etwas glücklich, aber nicht unverdient mit 1:0 (0:0) und feierten nach fünf sieglosen Partien einen viel umjubelten Befreiungsschlag. © nordphoto
Werder Bremen - Bayer Leverkusen - die Bilder vom Spiel © nordphoto
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Aber diesmal hatte Werder alles richtig gemacht, „heute war es gut“, urteilte Eichin: „Die Bundesliga ist eben brutal: Du musst immer hart gegen den Ball arbeiten, hohe Laufbereitschaft zeigen. Das haben wir alles zu 100 Prozent umgesetzt.“ Ob diese Mauertaktik das Rezept für die Rückrunde sein wird? „Mal sehen“, meinte Eichin. Erstmal ist Durchpusten angesagt. Bis zum 6. Januar, dann beginnt mit dem ersten Training die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. · csa

Quelle: kreiszeitung.de

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