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Werder geht bei Inter Mailand unter – 0:4

Werder geht bei Inter Mailand unter – 0:4 / Allofs ärgert sich, weil Almeida die Führung verpasst

Eto‘o zerlegt die Bremer Notelf

MAILAND · Über dieses Champions-League-Spiel wird zu reden sein: Nach starkem Beginn mit super Chancen kam die Notelf von Werder Bremen gestern Abend bei Titelverteidiger Inter Mailand unter die Räder.

Innerhalb von nur zwölf Minuten schossen die Italiener die Bremer ab. Zweimal Samuel Eto’o (22./27.) sowie Wesley Sneijder (34.) trafen vor der Pause, der überragende Eto’o stellte schließlich mit dem Tor zum 4:0 (81.) den für Werder deprimierenden Endstand her.

Thomas Schaaf hatte zunächst alle überrascht: Der Werder-Coach zauberte eine Aufstellung auf den Platz, die nach den vielen Ausfällen so nicht erwartet worden war. So beförderte er Bankdrücker Tim Borowski (nur Reservist beim 3:2-Sieg gegen den HSV) zum Spielmacher und setzte Aaron Hunt auf die Ersatzbank.

Werder verliert in Mailand 0:4

Über dieses Champions-League-Spiel wird zu reden sein: Nach starkem Beginn mit super Chancen kam die Notelf von Werder Bremen gestern Abend bei Titelverteidiger Inter Mailand unter die Räder. © nordphoto
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Ein guter Schachzug – so schien es jedenfalls zunächst. Denn Borowski blühte im noch sommerlich warmen Mailand richtig auf. Schon nach drei Minuten leitete sein Ballgewinn die erste Riesenchance der Bremer ein: Nach einem langen Ball von Daniel Jensen lupfte Hugo Almeida die Kugel über den aus seinem Kasten gestürmten Julio Cesar, doch Lucio rettete noch vor der Torlinie. Und nicht mal 60 Sekunden später scheiterte Almeida mit einem Freistoß an Cesar. Was für ein Werder-Auftakt – und das mit dieser Notelf. Das verletzte Star-Quintett Pizarro, Frings, Fritz, Naldo und Boenisch wurde nicht vermisst – noch nicht . . .

Auch Inter hatte Personalprobleme. Für die angeschlagenen Angreifer Diego Milito und Goran Pandev gab’s kein grünes Licht. Doch der Titelverteidiger besitzt nun einmal einen richtig starken Kader. So ließ Ersatzmann Jonathan Biabiany Werders Silvestre stehen, flankte, doch in der Mitte köpfte Coutinho knapp vorbei (7.). Nur zwei Minuten später tauchte Wesley Sneijder völlig frei vor Tim Wiese auf, fand aber in dem Bremer Keeper seinen Meister.

Ein tolles Spiel, in dem sich Werder gut verkaufte. Und hätte Almeida die maßgeschneiderte Borowski-Flanke fünf Meter vor dem Tor nicht leichtfertig verfehlt (20.), wäre es vielleicht ein großer Bremer Abend in San Siro geworden. „Das muss die Führung sein. Wenn man bei Inter spielt, muss man seine Chancen nutzen“, ärgerte sich Klaus Allofs.

Die Noten der Werder-Spieler

Tim Wiese: Der Torwart konnte einem fast schon leid tun. Klasseparaden gegen Sneijder (8.), Stankovic (29.) und Coutinho (53.), bei den Gegentoren von seinen Vorderleuten wieder einmal im Stich gelassen. Note 2,5 © 
Wesley: Erwartungsgemäß auf der rechten Verteidigerposition. Der Brasilianer lieferte sich spannende Duelle mit seinem erst 18-jährigen Landsmann Coutinho. Hing in der Defensive fest, hob vor dem 0:3 das Abseits auf. Wechselte nach der Pause ins Mittelfeld und hatte gleich eine gute Chance, die Inters eingewechselter Keeper Castellazzi aber zunichte machte (52.). Versuchte Struktur ins Spiel zu bekommen. Note 3,5 © 
Per Mertesacker: An seinem 26. Geburtstag erlebte er einen seiner schlimmsten Tage als Fußballer. Bügelte einige Fehler seiner Nebenleute aus, ehe er Sneijder vor dem 0:3 und Eto’o vor dem 0:4 entwischen ließ. Note 4,5 © 
Sebastian Prödl: Gut begonnen, stark nachgelassen und bei Eto‘os 2:0 nur Zuschauer. Danach verunsichert. Note 5 © 
Mikael Silvestre: Was ist nur mit dem Franzosen los? Viel zu langsam, viel zu viele Ballverluste. Ließ sich von Biabiany und Sneijder überlaufen wie ein Anfänger. Note 5,5 © 
Daniel Jensen: Vertrat den verletzten Torsten Frings auf einer der beiden „Sechser“-Positionen, kam dort aber nicht zurecht. Dem Dänen fehlt eindeutig die Spielpraxis. Ein guter Pass in der Anfangsphase, haarsträubend sein Ballverlust gegen Cambiasso, der das 0:1 einleitete. Rückte nach der Pause ins zentrale Mittelfeld, wo er aber eher durch Fouls auffiel. Note 5,5 © 
Philipp Bargfrede: Der zweite „Sechser“ versuchte zumindest die Lücken zu stopfen, die entstanden. Impulse nach vorn blieben aus. Note 4,5 © 
Marko Arnautovic: An alter Wirkungsstätte unheimlich heiß, arbeitete viel nach hinten. Vielleicht ein wenig übermotiviert und glücklos. Note 4 © 
Tim Borowski (bis 45.): Bester Bremer in der ersten Halbzeit. Sehr präsent, sehr aktiv und mit starken Pässen auf Almeida. Seine Auswechslung war nicht nachvollziehbar. Note 3 © 
Marko Marin (bis 63.): Der Offensivspieler fand in der ersten Halbzeit fast gar nicht statt. Dribbelte sich häufig fest und fand keine Bindung zum Spiel. Note 5 © 
Hugo Almeida (bis 78.): Wie’s wohl ausgegangen wäre, wenn der Stürmer seinen Heber (2.), seinen Freistoß (4.) oder die Maßflanke von Borowski (21.) im Tor untergebracht hätte? Der Portugiese ließ aber selbst die besten Chancen liegen. Tauchte nach der Pause ab. Note 4,5 © 
Petri Pasanen (ab 46.): Der Finne rückte rechts in die Viererkette – und hielt noch Tiefschlaf, als er Coutinho einfach laufen ließ (53.). Note 4,5 © 
Aaron Hunt (ab 63.): Beim Stand von 0:3 eingewechselt zu werden, macht sicher keinen Spaß. Doch ein wenig mehr Esprit hätte man sich dennoch von ihm gewünscht. Note - © 
Sandro Wagner (ab 78.): Ersetzte Almeida als einzige Spitze. Note - © 

Genauso wie die 600 Gäste-Fans erlebte der Sportchef noch vor der Pause im mit 30 000 Zuschauern nur spärlich gefüllten Guiseppe-Meazza-Stadion ein Desaster – mit einem überragenden Samuel Eto‘o in der Rolle des Werder-Schrecks. Erst profitierte der Kameruner von einem schlimmen Jensen-Ballverlust und einem feinen Cambiasso-Pass – 1:0 (22.). Dann schenkte ihm Sebastian Prödl mit einem haarsträubenden Stellungsfehler nach langem Lucio-Ball das 2:0 (27.). Und schließlich legte Eto‘o dem ebenfalls starken Sneijder auch noch das 3:0 auf (34.) nach einem Blackout gleich mehrerer Bremer. „Eto‘o hat im September Weihnachten“, schimpfte Allofs in der Halbzeit: „So können wir in der Defensive nicht spielen. Wir machen es dem Gegner viel zu einfach.“

Schaaf reagierte, brachte Petri Pasanen. Für den defensiven Finnen musste überraschend Borowski vom Platz, und Rechtsverteidiger Wesley wechselte ins Mittelfeld. An der Dominanz des Tabellenführers der Serie A änderte das allerdings nichts. Und Inter-Coach Rafael Benitez leistete sich sogar den Luxus, Ersatzkeeper Luca Castellazzi eine Halbzeit in der Meisterklasse zu schenken. Werder wurde dagegen nichts geschenkt, und sogar noch einer eingeschenkt – natürlich durch Eto‘o (81.).

Fazit: Für Werder wird’s in der Champions League richtig schwierig. In drei Wochen bei Twente Enschede stehen die Bremer unter absolutem Siegzwang.

Quelle: kreiszeitung.de

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