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Torsten Frings am 04. März 2017 beim Spiel Werder Bremen gegen Darmstadt 98.

Für Torsten Frings läuft es in Darmstadt richtig gut

Der Bodenständige mit Werder-Wurzeln

Darmstadt - von Frank Hellmann. Noch immer geht der Slogan bei Darmstadt 98 so: „Aus Tradition anders“. Aber alles anders ist beim Zweitligisten auch nicht mehr: Den Trainingsplatz vor dem Stadion am Böllenfalltor umgibt eine blickdichte Plane, und ein Ordner in Warnweste passt auf, dass keine Unbefugten reinkommen.

Am Dienstag stand dort niemand. Torsten Frings hatte trainingsfrei gegeben. Der Trainer sah keinen Grund, den gewohnten Rhythmus zu durchbrechen, nur weil der Bundesliga-Absteiger sich am Sonntag gegen den VfL Bochum die erste Saisonniederlage (1:2) geleistet hatte.

„Der Rückschlag war nicht nötig“, sagte der 40-Jährige. Die ehemalige Werder-Ikone vermied es ansonsten, die verbale Keule rauszuholen. Zum einen liegt Darmstadt immer noch auf einem direkten Aufstiegsplatz, zum anderen kann er vor dem nächsten Heimspiel gegen Arminia Bielefeld betonen: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen.“ Vor Saisonbeginn sagte Frings sogar: „Wiederaufstieg – das ist Schwachsinn.“

„Da hat man halt schon mal Rückenschmerzen“

Aber: Mit Spielern wie Aytac Sulu, Hamit Altintop oder Kevin Großkreutz ist sein Kader gut genug bestückt, um in einer „sehr engen Liga“ (O-Ton Frings) vorne mitzuspielen. Undaufst das tut Darmstadt unter Anleitung des 79-fachen Nationalspielers, der übrigens kürzlich verriet, dass er in aktiven Zeiten nicht nur für ein Länderspiel eine Verletzung vorgetäuscht hat: „Ich hätte schon die 100 vollkriegen können. Aber wer fährt schon gerne nach Aserbaidschan. Da hat man halt schon mal Rückenschmerzen.“

So ist er halt geblieben: geradeaus und unverstellt. Nirgendwo passen im durchgestylten Profifußball solche Eigenschaften so gut wie zu den Südhessen, wo die Strukturen trotz zwei Bundesliga-Jahren eher drittliga- als zweitligareif sind. Frings stört es nicht, wenn er kurz vor Spielbeginn auf dem Weg durch die engen Katakomben einem Journalisten begegnet, der zur Toilette will.

Ex-Werder-Profi Torsten Frings 2016.

Vergangene Woche hat der 402-fache Bundesligaspieler seinen ersten Cheftrainer-Vertrag bis 2020 verlängert. In Darmstadt hat er längst eine Wohnung, seine „Homebase“, sagte er gegenüber der DeichStube, sei aber weiterhin Bremen. „Da wohnen meine Kinder, meine Familie. Und die werde ich da nicht rausreißen.“ Frings weiß: „Es kann ganz schnell in die entgegengesetzte Richtung gehen.“ Als Assistenztrainer bei Werder hat er das erlebt, als er nach der Trennung von Viktor Skripnik mit von den Aufgaben entbunden wurde.

Einen Sportdirektor gibt es bei den Lilien nicht

Zur Winterpause holte ihn Darmstadt, obwohl der Abstieg kaum noch zu vermeiden war. Präsident Rüdiger Fritsch lobt Frings ausdrücklich, denn der Plan mit dem Novizen ist voll aufgegangen: „Jeder, der sich mit unserem Gebilde beschäftigt, wird feststellen, dass Torsten mit seiner Ausstrahlung, seiner Authentizität und seinem Fachwissen ein ganz wichtiger Mosaikstein für unsere jüngere Entwicklung ist.“

Fritsch sieht in Frings einen Sonderfall, weil aus dessen Spielergeneration (noch) kaum jemand als Fußballlehrer Verantwortung übernommen hat. „Für mich stand früh fest, dass ich das will. Aber dass ich eine sehr lange Karriere hatte, macht es auch schwieriger“, sagte Frings. Weil die Öffentlichkeit gleich „Wunderdinge erwartet“. Bei den Lilien ist er übrigens auch mit Manageraufgaben betraut, einen Sportdirektor gibt es nicht. Dass er mit seiner Persönlichkeit so manchen überzeugte, sich auf die Bedingungen am „Bölle“ einzulassen, ist verbürgt. Auch wenn hier nicht mehr alles aus Tradition anders ist.

Torsten Frings - Eine Legende bei Werder Bremen

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