Video-Chat mit Ex-Werderaner

Santiago Garcia im Skype-Interview: „Ich vermisse Fischbrötchen“

Bremen/TOLUCA - Dass er Bremen verlassen hat, ist noch gar nicht so lange her, aber dennoch hat sich im Leben von Santiago Garcia (29) in der Zwischenzeit eine ganze Menge geändert. 

Der Argentinier, der sich mit Werder im Sommer nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte, spielt inzwischen in Mexiko für Deportivo Toluca und ist Vater geworden. Im Skype-Interview mit der „DeichStube“ hat Garcia verraten, was er an Deutschland und Bremen am meisten vermisst, warum er sich von Werder nicht fair behandelt gefühlt hat – und weshalb er Alexander Nouri trotz Fehlstarts in die laufende Bundesligasaison für den richtigen Trainer hält.

Santi, seit Juli spielst Du für den Erstligisten Deportivo Toluca. Wie ist das Leben in Mexiko?

Santiago Garcia: Es ist gut. Es gibt hier viel Sonne. Das ist auf jeden Fall ein Unterschied zu Bremen. Generell ist die Umstellung groß. Ich habe fast fünf Jahre in Deutschland gelebt, und ich mag das Land sehr gerne. Toluca liegt etwa eine halbe Stunde von Mexiko Stadt entfernt und ist vergleichbar mit Bremen. Es ist sehr ruhig hier.

Kurz nach Deinem Umzug nach Mexiko bist Du zum ersten Mal Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch! Wie geht es der Familie?

Garcia: Danke, sehr gut. Es ist unglaublich schön und emotional mit dem Kleinen. Auch die Nächte sind kein Problem. Ich kann acht, neun Stunden lang schlafen.

Das klingt gut. Du musst dich also nicht müde zum Training schleppen. Wie läuft es den sportlich im neuen Verein?

Garcia: Wir sind aktuell Dritter in der Tabelle. Toluca ist ein großer Verein, der immer oben mit dabei ist. Wir haben jetzt noch sieben Spiele, dann kommen die Play-offs. Das Niveau ist zwar nicht vergleichbar mit der Bundesliga, aber schon richtig gut. Jeder Verein hat bestimmt acht, neun Nationalspieler.

Verfolgst Du denn die Spiele von Werder weiterhin?

Garcia: Immer. Auch meine Frau. Wir können die meisten Werder-Spiele sehen, weil Toluca immer sonntags spielt. Wir machen uns dann Frühstück, kochen einen Mate-Tee und sehen uns Werder im Fernsehen an.

Seit Saisonbeginn läuft es nicht gerade gut für Werder. Wie sehr leidest Du denn noch mit?

Garcia: Ja, das tut richtig weh. Momentan läuft es nicht, aber ich denke, dass die Mannschaft das Potenzial hat, es besser zu machen.

In Bremen wird teilweise schon über den Trainer diskutiert. Wie stehst Du denn zu Alexander Nouri, den Du ja auch gut kennst?

Garcia: Er arbeitet sehr hart und macht gutes Training. Von ihm kann ein Spieler viel lernen. Ich hoffe, dass die Mannschaft mit ihm aus dem Keller rauskommt.

Im Sommer konntest Du dich mit Werder nicht auf eine Verlängerung deines Vertrags einigen. Mit etwas Abstand: Was waren die Gründe?

Garcia: Der Verein hat mir nur ein Angebot für ein Jahr gemacht, mit weniger Gehalt als ich bisher verdient hatte. Für mich hat das bedeutet, dass Werder mich nicht mehr haben will. Das hätte man besser lösen können. Einfach sagen: „Danke für deine Leistung und Tschüss.“ Aber so läuft es im Fußball manchmal eben. Sauer bin ich deswegen aber nicht. Nur ein bisschen traurig, weil ich für den Verein sehr viel gegeben habe. Ich bin aber noch jung, habe drei Jahre Vertrag in Toluca. Wer weiß? Vielleicht komme ich danach zurück nach Europa.

Warum hast Du dich denn für Mexiko entschieden?

Garcia: Es gab zwei Gründe. Zum einen ist Toluca ein großer Verein, der immer Titel gewinnen will. Ein bisschen so wie Dortmund, Leverkusen oder Gladbach in Deutschland. Der zweite Grund war, da bin ich ehrlich, dass man in Mexiko sehr gut verdienen kann. Ich muss auch an meine Familie denken.

Hast Du denn keine Angst, dass Du in Mexiko aus dem Blickfeld der europäischen Vereine geraten könntest?

Garcia: Nein, gar nicht. Die Liga ist unglaublich, die Stadien sind immer voll. Es gibt Vereine mit vielen Fans.

Was vermisst Du an Werder und Bremen in Mexiko denn besonders?

Garcia: Ich vermisse die Routine. Erst Training, dann Spaziergänge mit meiner Frau und der Familie von Theo Gebre Selassie. Die ganze Werder-Familie fehlt mir. Auch die große Brotauswahl in Deutschland vermisse ich.

Tacos oder Fischbrötchen - was ist besser?

Garcia: Tacos sind sehr gut, aber ich vermisse Fischbrötchen (lacht).

Ist demnächst ein Deutschland-Besuch geplant?

Garcia: Wir versuchen, im Juni, wenn Sommerpause ist, nach Deutschland zu kommen. Dann wollen wir Theo Gebre Selassie und auch Claudio Pizarro besuchen. Ein guter Freund von mir heiratet nächstes Jahr in Palermo. Von da aus fliegen wir nach Deutschland weiter.

Kurz und knapp: Was bedeutet Werder für dich heute noch?

Garcia: Es ist der Verein, den ich im Herzen trage. 

(Von Timo Strömer)

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