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Fin Bartels sieht eine mögliche Neuverpflichtung auf seiner Position als Anerkennung - nicht als Bedrohung.

Einen Monat nach seinem Achillessehnenriss

Bartels im Interview: „Max Kruse kommt auch ohne mich klar“

Bremen - Fin Bartels von Werder Bremen spricht einen Monat nach seinem Achillessehnenriss über die schwerste Verletzung seiner Karriere, einen möglichen Neuzugang als Ersatz und seine Zukunft.

Ein Klotz am Bein – wie oft verwendet man diese Redewendung, ohne zu wissen, wie sich so ein Klotz am Bein wirklich anfühlt? Fin Bartels weiß es mittlerweile. Seit ihm im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund am 9. Dezember die Achillessehne am linken Fuß gerissen ist, muss er einen ziemlich großen, ziemlich schweren Spezialschuh tragen.

Der macht ihn zwar mobil, erspart ihm auch die Krücken – aber sonst? „Ich verfluche diesen Schuh. Er drückt und zwickt“, sagt Bartels, lacht aber dabei. Im Gespräch mit der DeichStube präsentiert sich der 30 Jahre alte Werder-Stürmer trotz der schweren Verletzung gelassen und überhaupt nicht zerknirscht. Eine Prognose für ein Comeback kann Bartels aktuell jedoch noch nicht geben.

Im Moment ist er schon froh, dass er leicht trainieren und daheim den Kinderwagen schieben kann. Das Fällen des eigenen Weihnachtsbaums, eine kleine Tradition in der Familie Bartels, musste dagegen ausfallen. Verständlich, denn Fin Bartels mit Klotz am Bein und Säge in der Hand im Wald? Schwer vorstellbar.

Herr Bartels, Sie erscheinen in Trainingskleidung zum Interviewtermin – was können Sie einen Monat nach dem Achillessehnenriss schon wieder machen?

Fin Bartels: Ich arbeite im Kraftraum und versuche, die Muskeln, die ich belasten kann, nicht verkümmern zu lassen. Die linke Wade braucht natürlich Ruhe, den Rest kann ich aber trainieren.

Trotz Spezialschuh?

Bartels: Sogar wegen des Schuhs. Mit ihm kann ich recht viel machen. Ich trage ihn aber hauptsächlich, wenn ich unterwegs bin oder trainiere. Für zu Hause habe ich die Krücken, dann ziehe ich den Schuh auch mal aus. Es ist ja auch ein ganz schöner Klotz.

Haben Sie noch Schmerzen in der operierten Sehne?

Bartels: Im Alltag überhaupt nicht. Wenn ich aber in der Bewegung bin, spüre ich die Spannung und Reizung. Der Schuh drückt und zwickt auch nach einer gewissen Zeit. Wenn ich zu Hause die Krücken benutze, habe ich aber die Hände nicht frei. Irgendwas nervt also immer ein bisschen.

Sie sind vor einem halben Jahr zum dritten Mal Vater geworden – können Sie denn wenigstens den Kinderwagen schieben?

Bartels (lacht): Ja, das geht, und das mache ich auch. Ich will ja auch mal raus und nicht nur zu Hause rumsitzen und auf die nächste Einheit im Kraftraum warten. Dann würde man ja verrückt.

Gibt es schon einen konkreten Reha-Plan?

Bartels: Nein, jedenfalls noch keinen langfristigen. Seit der Operation unmittelbar nach der Verletzung wurden noch keine neuen Bilder von der Verletzung gemacht. Im Moment kann man nur nach und nach bestimmen, was gemacht werden kann und was nicht. Die Physiotherapeuten behandeln den Fuß täglich, um ihn beweglicher zu machen. Wir müssen jetzt einfach abwarten, bis die Wundheilung abgeschlossen und die Schwellung abgeklungen ist und ich den Fuß wieder belasten kann. Danach muss ich erst wieder ein Aufbautraining absolvieren. Das sind Phasen, deren Längen derzeit nicht abschätzbar sind.

Fin Bartels hat sich im Spiel gegen Borussia Dortmund einen Achillessehnenriss zugezogen.

Generell wird bei einem Achillessehnenriss von einer Ausfallzeit von vier bis sechs Monaten ausgegangen.

Bartels: Ich habe da auch Prognosen gehört, nach denen eher das Doppelte an Pause zu erwarten ist. Ich bin da sehr vorsichtig und werde mich nicht unter Zeitdruck setzen. Es muss heilen, ich muss voll gesund sein, sonst macht das alles keinen Sinn.

Verletzt haben Sie sich im Spiel bei Borussia Dortmund in einem Zweikampf mit BVB-Verteidiger Sokratis. Machen Sie ihm einen Vorwurf?

Bartels: Nein. Es war ein Zweikampf, ganz normal. Und Sokratis hat sich noch am Abend bei mir per SMS gemeldet und sich entschuldigt. Aber in der Szene ist einfach viel zusammengekommen. Es war durch einen unglücklichen Schritt Spannung auf der Sehne, dann kam noch der Tritt – da ist es einfach passiert. Der Tritt alleine, das haben mir viele gesagt, hätte keine Achillessehne durchgehauen.

Hatten Sie jemals vorher Probleme mit der Achillessehne?

Bartels: Niemals. Ich habe auch von Spielern gehört, die schon ewig über Probleme mit der Achillessehne klagen, bei denen aber nichts passiert. Bei mir ist es umgekehrt.

Die Verletzung kam just in einer Phase, als es für Sie gerade wieder richtig gut lief. Macht Sie das doppelt sauer auf das Schicksal?

Bartels: Für so eine Verletzung gibt es keinen guten Zeitpunkt. Aber klar, es war eine Phase, in der vieles wieder einfacher ging und ich wieder richtig Spaß am Fußball hatte.

Vermutlich auch wegen Ihres Zusammenspiels mit Max Kruse. Sie wurden in den Medien als „Traum-Duo“ gefeiert. Was macht Kruse denn nun ohne Sie?

Bartels (lacht): Och, der kommt schon ohne mich klar. Ich mache mir keine Sorgen um Max und den Rest der Mannschaft.

Wen aus dem Kader sehen Sie als Ihren Vertreter?

Bartels: Wir haben Außenspieler, die auf ihre Chance gewartet haben. Florian Kainz, Izet Hajrovic oder Ishak Belfodil – wir haben da genug Qualität. Florian Kainz hat sein Können ja geradewieder im Testspiel gegen Twente Enschede (4:0, ein Tor, ein Assist von Kainz, d. Red.) gezeigt.

Gleichwohl wird in Medien und Öffentlichkeit diskutiert, dass ein Ersatz für Sie her muss. Werten Sie das als Bestätigung Ihrer Bedeutung für das Team oder als mögliche Bedrohung für Ihren künftigen Stellenwert?

Bartels: Wenn der Ruf nach Ersatz da ist, sehe ich das positiv und als Anerkennung. Aber bestimmt nicht als Bedrohung. Wir alle haben nur ein Ziel im Kopf: den Klassenerhalt. Dass wir das schaffen, ist enorm wichtig für die ganze Region. Was danach kommt, ist Zukunftsmusik.

Fin Bartels, hier im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Carsten Sander, ist auf einen Spezialschuh angewiesen. 

Die Mannschaft hat nach Ihrer Verletzung ein bemerkenswertes Zeichen des Mitgefühls gesendet, als alle Spieler vor der Partie bei Bayer Leverkusen beim Aufwärmen ein besonderes Shirt trugen. „Fin – Wir sind da“ stand auf den Shirts.

Bartels: Das war schon ein Gänsehautmoment für mich. Die Aktion war eine tolle Geste, die zeigt, welchen Teamspirit wir in der Truppe haben. Mir hat das in einem Moment, in dem ich am Boden lag, unheimlich viel Mut gemacht. Das war sensationell.

Sie werden am 7. Februar 31 Jahre alt und müssen gerade die schlimmste Verletzung in Ihrer Karriere verkraften. Könnte die Auszeit zu einem Bruch in Ihrer Laufbahn werden?

Bartels: Diese Gedanken mache ich mir überhaupt nicht. Ich sehe es so: Auch so eine Verletzung gehört mal dazu. Jetzt hat es mich halt erwischt.

Wir haben als zusätzliche Mutmacher für Sie mal zwei Sportlerkarrieren herausgesucht, die nach einem Achillessehnenriss nochmal richtig Fahrt aufgenommen haben. Fabian Hambüchen ist zum Beispiel nach einem Achillessehnenriss noch Olympiasieger am Reck geworden.

Bartels: Am Reck braucht er die Beine ja auch nicht – nur zur Landung (lacht)

Das zweite Beispiel ist Handballer Uwe Gensheimer, der nach Achillessehnenriss noch zu einem der Weltbesten seines Sports wurde. Er hat nach der Verletzung seinem Spezialschuh sogar einen dankenden Abschiedsbrief geschrieben. Werden Sie das ebenfalls machen?

Bartels: Da bin ich weniger emotional. Ich verfluche den Schuh ja eher, weil er so drückt.

Wenn man so will, könnte man sagen, dass der positive Aspekt der Verletzung der ist, dass Sie aktuell mehr Zeit für Ihre Familie zu haben.

Bartels: Stimmt. Aber die ersten Tage zu Hause waren gar nicht so einfach. Ich konnte wirklich gar nichts machen, und meine Frau hatte plötzlich vier Kinder zu versorgen – die drei kleinen und ein großes.

Und wer musste den Weihnachtsbaum aufstellen?

Bartels: Zu Hause in Bremen hatten wir diesmal keinen. Sonst gehen wir immer los und schlagen unseren Baum selbst, aber das haben wir gelassen. Wir waren an den Feiertagen sowieso bei meiner Familie in Kiel – da gab es einen Baum.

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Fin Bartels: Seine Karriere in Bildern

Fin Bartels
In Rostock wurde Fin Bartels zum Bundesliga-Profi, über St. Pauli wechselte der Offensivmann zum SV Werder Bremen. Seine Karriere in Bildern. © Gumz
Fin Bartels
Bartels spielte zunächst im Jugendbereich bei der SpVg Eidertal Molfsee, bevor er zur Saison 2002/03 zu Holstein Kiel wechselte. Erst in der U17, dann in der U19. 2005 schaffte er schließlich den Sprung in den Herrenbereich. © imago
Fin Bartels
Zunächst spielte er bei der zweiten Mannschaft der Kieler, am 25. November 2005 debütierte er in der Regionalliga Nord und absolvierte in der Rückrunde weitere 16 Partien für die erste Mannschaft. © imago
In der Saison 2006/07 stieg Kiel ab. Daraufhin wechselte Bartels zum FC Hansa Rostock. Auch dort spielte er zunächst im Amateur-Team, ehe er den Sprung zu den Profis schaffte.
In der Saison 2006/07 stieg Kiel ab. Daraufhin wechselte Bartels zum FC Hansa Rostock. Auch dort spielte er zunächst im Amateur-Team, ehe er den Sprung zu den Profis schaffte. © imago
Sein Bundesliga-Debüt feierte Bartels am 6. Oktober 2007, als er in der Schlussphase der Partie gegen den VfL Wolfsburg eingewechselt wurde.
Sein Bundesliga-Debüt feierte Bartels am 6. Oktober 2007, als er in der Schlussphase der Partie gegen den VfL Wolfsburg eingewechselt wurde. © imago
Einige Monate später erzielte er sein erstes Bundesligator gegen Arminia Bielefeld - und was für eins. Per Fallrückzieher versenkte Bartels den Ball in die Maschen.
Einige Monate später erzielte er sein erstes Bundesligator gegen Arminia Bielefeld - und was für eins. Per Fallrückzieher versenkte Bartels den Ball in die Maschen. © imago
In der Spielzeit 2009/2010 stiegen die Rostocker ab - und Bartels zog es zum FC St. Pauli. Auch mit den Kiezkickern stieg er ab und spielte drei Jahre in der zweiten Liga.
In der Spielzeit 2009/2010 stiegen die Rostocker ab - und Bartels zog es zum FC St. Pauli. Auch mit den Kiezkickern stieg er ab und spielte drei Jahre in der zweiten Liga. © imago
2014 wechselte Bartels zum SV Werder.
2014 wechselte Bartels zum SV Werder. © gumzmedia
Der Offensivmann wurde schnell zum Stammspieler und somit ein wichtiger Faktor in der Bremer Offensive.
Der Offensivmann wurde schnell zum Stammspieler und somit ein wichtiger Faktor in der Bremer Offensive. © gumzmedia
Am 9. Dezember 2017 (15. Spieltag der Saison 2017/18) riss sich Bartels nach einem unglücklichen Zweikampf die Achillessehne am linken Fuß.
Am 9. Dezember 2017 (15. Spieltag der Saison 2017/18) riss sich Bartels nach einem unglücklichen Zweikampf die Achillessehne am linken Fuß. © gumzmedia
Nachdem Bartels Anfang September 2018 wieder ins Manschaftstraining zurückgekehrt war, erlitt er einen Rückschlag. Seitdem absolviert er ein individuelles Reha-Training. Ziel für ihn ist es, beim Winter-Trainingslager in Südafrika (3. bis 12. Januar) wieder dabei zu sein.
Nachdem Bartels Anfang September 2018 wieder ins Manschaftstraining zurückgekehrt war, erlitt er einen Rückschlag. Seitdem absolviert er ein individuelles Reha-Training. Ziel für ihn ist es, beim Winter-Trainingslager in Südafrika (3. bis 12. Januar) wieder dabei zu sein. © gumzmedia

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