+
Florian Bruns ist seit der aktuellen Saison Co-Trainer beim SC Freiburg.

Werders Ex-Co-Trainer im Interview

Bruns: „Wir waren nie Freunde im klassischen Sinn“

Freiburg - Vier Monate ist es her, dass Florian Bruns Tschüss sagte zu Werder Bremen. Chefcoach Alexander Nouri meinte, seinen Co-Trainer und Assistenten nicht mehr zu benötigen.

Es war ein großer Aufreger in der Schlussphase der Saison. Ex-Profi Bruns (38) bekam zwar noch ein Angebot, in anderer Funktion für Werder weiterzuarbeiten, doch er lehnte ab und schloss sich dem SC Freiburg an. Co-Trainer unter Kult-Trainer Christian Streich – er sei „nicht unglücklich“ damit, wie es für ihn gelaufen ist, sagt der gebürtige Oldenburger im Interview mit der DeichStube. Am Samstag gastiert er mit dem SC Freiburg im Weserstadion (15.30 Uhr). Es wird ein Wiedersehen mit vielen Freunden – und mit Alexander Nouri.

Herr Bruns, Ihr Vorleben als Co-Trainer bei Werder Bremen und die speziell verlaufene Trennung rücken Sie am Wochenende in den Blickpunkt. Ist Ihnen das unangenehm?

Florian Bruns: Ich freue mich ehrlich gesagt mehr auf das Spiel und auf viele bekannte Gesichter im Verein und in der Mannschaft, auf die ich treffen werde. Meine Familie wird auch zum Spiel kommen. Es überwiegt deshalb die Vorfreude. Komisch ist es natürlich, als Auswärtsteam ins Weserstadion zu kommen. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Ansonsten ist die Situation für mich überhaupt nicht unangenehm.

Das mag man kaum glauben.

Bruns: Natürlich wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass es ein Spiel ist wie jedes andere. Aber es ist kein unwohles Gefühl, ich habe null Groll, werde jedem die Hand geben und kann allen in die Augen gucken. Ich habe nach Werder eine unheimlich tolle Situation hier in Freiburg vorgefunden. Deshalb hat die Situation für mich auch keinen schlechten Beigeschmack.

Sie haben sich bei Ihrem Abschied von Werder bei allen bedankt, nur bei Alexander Nouri nicht. Wie wird nun das Wiedersehen?

Bruns: Das weiß ich nicht. Wir haben uns seitdem nicht gesprochen. Weil jeder in seine Aufgaben total vertieft ist. Wir werden uns begrüßen, und wir werden uns hinterher wieder verabschieden.

Wie groß ist dieses Thema für Sie überhaupt?

Bruns: Es gehört zum Fußball-Geschäft. Die Branche ist schnelllebig, es werden immer wieder Veränderungen vorgenommen. Das betrifft Spieler, manchmal einen ganzen Trainerstab und manchmal auch nur einen einzelnen Co-Trainer. In dem Fall ist es so gewesen, dass Alex etwas verändern wollte. Ich wäre gerne geblieben, keine Frage. Die Trennung kam für mich auch überraschend. Aber das sind vielleicht die Mechanismen, die im Fußball greifen. Das hat man zu akzeptieren. Schlussendlich bin ich sogar alles andere als unglücklich, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Denn was ich hier in Freiburg vorgefunden habe, ist großartig.

Nouri wurde vorgeworfen, er habe Sie abserviert und fallen gelassen. Haben Sie es auch so empfunden?

Bruns: Naja, keine Ahnung. Das hört sich für mich so an, als ob man jetzt unbedingt eine Schlagzeile produzieren möchte. Davon bin ich kein Freund, das finde ich übertrieben.

In der vergangenen Saison standen Alexander Nouri und Florian Bruns noch zusammen an der Seitenlinie. Dann wollte Nouri seinen Co nicht mehr.

Wie sehen Sie es?

Bruns: Wie gesagt: Veränderungen gehören zum Geschäft, und mich hat es halt getroffen. Viele Leute haben es zwar nicht verstanden, warum es so ist – ich im ersten Moment ja auch nicht –, und trotzdem muss man es akzeptieren.

Wie lange haben Sie gebraucht, um es zu verdauen?

Bruns: Dadurch, dass es für mich einen reibungslosen Übergang gab und ich relativ schnell die Möglichkeit hatte, in Freiburg etwas Neues zu beginnen, ging es schnell. Ich will auch gar nicht weit zurückgucken und über irgendwelche vermeintlichen Ungerechtigkeiten reden. Dafür macht mir meine aktuelle Arbeit viel zu viel Spaß. Die Zusammenarbeit mit Christian Streich und den anderen Co-Trainern ist einfach großartig Ich blicke deshalb mit keinem schlechten Gefühl zurück.

Alex Nouri hat auf der Pressekonferenz in Bremen gesagt, Sie und er seien sich immer mit Respekt begegnet. Können Sie das bestätigen?

Bruns: Ja, warum nicht?

Nach der Trennung hieß es, Nouri sei Ihr Kontakt zur Mannschaft zu eng gewesen. Sogar von Neid war die Rede.

Bruns: Ob es so war, kann eigentlich nur Alex Nouri beantworten. Ich habe es jedenfalls nicht so wahrgenommen.

Aussagekräftig war der Torjubel beim letzten Spiel in Dortmund, als – angeführt von Max Kruse – beinahe die ganze Mannschaft zu Ihnen gelaufen kam. Wie war der Moment für Sie?

Bruns: Natürlich war es ein schöner Moment. Ich hätte mich auch wegdrehen und im Spielertunnel verstecken können, als die Jungs auf mich zugelaufen kamen.

Es war ja auch eine Botschaft.

Bruns: Wieder so ein Schlagwort... Ich habe es in meinem letzten Spiel als tolle Geste gesehen, über die ich mich im Nachhinein auch sehr gefreut habe.

Max Kruse wird am Samstag fehlen. Sie kennen sich schon seit drei gemeinsamen Jahren als Spieler des FC St. Pauli. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass er wegen eines Schlüsselbeinbruchs wochenlang ausfallen wird?

Bruns: Mit großem Schrecken natürlich. Bei aller Rivalität: Das sind immer Schocknachrichten. Im ersten Moment habe ich gedacht: ,Schon wieder verletzt – das darf doch nicht wahr sein!‘

Florian Bruns: Seine Karriere in Bildern

Florian Bruns war bis Ende der Saison 2016/2017 Co-Trainer an der Seite von Werder-Chefcoach Alexander Nouri. Bruns&#39 fußballerische Laufbahn im Herrenbereich begann beim VfB Oldenburg – in der Heimatstadt des 37-Jährigen.
Florian Bruns war bis Ende der Saison 2016/2017 Co-Trainer an der Seite von Werder-Chefcoach Alexander Nouri. Bruns' fußballerische Laufbahn im Herrenbereich begann beim VfB Oldenburg – in der Heimatstadt des 37-Jährigen. © gumzmedia
Florian Bruns
Nach mehreren Jahren Aufenthalt in der Heimat, wagte Bruns 1999 den Sprung von der dritten in die erste Liga – zum SC Freiburg. Dort sammelte er unter Trainer Volker Finke erstmals Erfahrungen in der Bundesliga. © imago
Florian Bruns
Von 2003 bis 2004 legte Bruns einen kurzen Zwischenstopp bei Union Berlin hin. Bei den „Eisernen“ bestritt der Mittelfeldakteur 45 Zweitligaspiele. © imago
Florian Bruns
Es folgte der Wechsel zu Alemannia Aachen. Dort verbrachte der gebürtige Oldenburger zwei weitere Spielzeiten. © imago
Florian Bruns
Ab der Saison 2007/08 spielte Bruns im Dress vom FC St. Pauli, wo er sich zu einer festen Größe entwickelte. © nordphoto
Florian Bruns
Mit St. Pauli gelang Bruns der Aufstieg in die Bundesliga. Jedoch ging es nach nur einer Spielzeit direkt zurück in Liga zwei. © nordphoto
Florian Bruns
"You'll never walk alone": Nach sieben treuen Jahren bei den "Kiezkickern" nahmen die Pauli-Anhänger Abschied vom Mittelfeldallrounder. © imago
Florian Bruns
Seine Karriere als aktiver Fußballprofi beendete Bruns in Bremen, wo er zwei Jahre das Trikot der U23 trug. © nordphoto
Nach dem Karriereende 2015 wechselte er direkt in den Trainerstab der U23, wurde Assistent von Cheftrainer Alexander Nouri. Als der im September 2016 zu den Profis befördert wurde, ging Bruns mit.
Nach dem Karriereende 2015 wechselte er direkt in den Trainerstab der U23, wurde Assistent von Cheftrainer Alexander Nouri. Als der im September 2016 zu den Profis befördert wurde, ging Bruns mit. © gumzmedia
Mit Ende der Saison 2016/2017 musste Bruns seinen Posten räumen. Nouri wollte den Trainerstab verkleinern, mehr Aufgaben selbst übernehmen. Für Bruns war kein Platz mehr.
Mit Ende der Saison 2016/2017 musste Bruns seinen Posten räumen. Nouri wollte den Trainerstab verkleinern, mehr Aufgaben selbst übernehmen. Für Bruns war kein Platz mehr. © gumzmedia
Werder bot dem Ex-Profi einen anderen Posten im Verein an, doch der lehnte ab. Stattdessen kehrt Bruns zum SC Freiburg zurück und wird Co-Trainer von Christian Streich.
Werder bot dem Ex-Profi einen anderen Posten im Verein an, doch der lehnte ab. Stattdessen kehrt Bruns zum SC Freiburg zurück und wird Co-Trainer von Christian Streich. © gumzmedia

Hatten Sie Kontakt?

Bruns: Ja, ziemlich schnell sogar. Es war mir wichtig, nachzuhorchen, wie es ihm geht, wie schlimm es denn tatsächlich ist.

Was bedeutet sein Fehlen aus Freiburger Sicht für das Spiel am Samstag?

Bruns: Dass Max in der Bremer Mannschaft vermisst wird, ist klar. Ich finde es auch schade, dass ich ihn nicht auf dem Platz sehen werde. Für uns wird die Aufgabe deshalb aber nicht leichter. Die Bremer haben in Wolfsburg gezeigt, dass sie den Ausfall auffangen können. Wahrscheinlich nicht eins-zu-eins mit der gleichen Spielweise, wie Max sie hat. Aber mit einem anderen Spielertypen und mit anderen Aspekten in der Offensive.

Freiburg hat nach fünf Spielen nur drei Punkte auf dem Konto, Werder sogar nur zwei – ist das Spiel schon ein Krisenduell?

Bruns: Nein, das wäre nach ein paar Spieltagen einfach zu hoch gehängt. Letztendlich ist es ein Spiel wie jedes andere: Es geht um drei Punkte. Krisenduell – das ist auch ein Schlagwort, mit dem ich nichts anfangen kann.

Vielleicht aber mit den Schlagwörtern „Glücklich“ und „Freiburg“?

Bruns: Viel besser. Mit Freiburg verbinde ich aus der Zeit, die ich hier als junger Spieler verbracht habe (1999 bis 2003, d. Red.), noch unheimlich viel. Ich war auch nach nur wenigen Tagen wieder angekommen im Verein und in der Stadt. Das war ein Pluspunkt für mich und auch für die andere Seite. Wir sind sehr schnell zu einem eingespielten Team geworden. Ich sehe meine Aufgabe hier als Riesenchance, habe tolle Möglichkeiten, mich weiterzuentwickeln.

Ihr Chef ist Christian Streich – was bedeutet er für Sie?

Bruns: Er war derjenige, der sich nach der Trennung von Werder als Erster bei mir gemeldet hat und gesagt hat, dass er sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann und ob wir uns treffen wollen. Für diese Chance bin ich dankbar. Christian Streich ist ein sehr erfahrener Trainer und auch ein sehr erfahrener Mensch. Es macht Spaß, von ihm zu lernen.

Nach allem, was geschehen ist: Ist Alex Nouri noch Ihr Freund?

Bruns: Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, haben uns gut ergänzt. Aber in unserer Freizeit haben wir nie Zeit miteinander verbracht, waren nie Freunde im klassischen Sinn.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare