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Der ehemalige Werder-Profi Florian Grillitsch gilt als „Lieblingsschüler“ von TSG-Trainer Julian Nagelsmann.

Ex-Bremer schwärmt von Werders Entwicklung

Grillitsch im Interview: „Florian Kohfeldt ist ein Tüftler“

Sinsheim – Von Hans-Günter Klemm. Zwei Jahre ist es inzwischen her, dass Florian Grillitsch Werder Bremen verlassen hat – sein Plan damals: Bei der TSG 1899 Hoffenheim wollte er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung als Fußballer machen. Und vor Werders Gastspiel am Samstag in Sinsheim lässt sich sagen: Das ist Grillitsch durchaus gelungen.

Im Team von (Noch)-Trainer Julian Nagelsmann ist der Österreicher einer der Leistungsträger, hat für den Club schon in der Champions League gespielt und darf vor den letzten beiden Spieltagen wieder von der Königsklasse träumen. Mit der DeichStube hat sich Grillitsch über die Trainer Nagelsmann und Kohfeldt sowie über seinen Traum für die Zukunft unterhalten.

Herr Grillitsch, haben Sie schon mit der Trauerarbeit begonnen?

Warum?

Weil es im Sommer eine wesentliche Veränderung für Sie gibt, da Julian Nagelsmann, Ihr Förderer, Hoffenheim verlässt.

Das ist schon schade. Auf der anderen Seite ist es im Fußball nun mal so, dass es Veränderungen gibt. Dass uns nun ein außergewöhnlich guter Trainer verlässt, steht außer Frage. Aber wir bekommen auch einen guten neuen Mann (Alfred Schreuder, Anm. d. Red.).

Sie gelten als einer der Lieblingsschüler von Nagelsmann? Haben Sie eine Idee, was zu diesem Standing geführt hat?

Ich denke nicht, dass es für ihn explizit Lieblingsschüler gibt. Aber Julian ist bekannt dafür, dass er Spieler außerordentlich gut entwickelt, das nimmt jeder gern an – ich natürlich auch, vor allem als junger Spieler.

Was zeichnet Nagelsmann sonst noch aus?

Julian ist sehr detailverliebt, ein Fußball-Fanatiker. Er hat einen außergewöhnlichen Blick auf den Fußball und erklärt seinen Spielern sehr präzise, was sie in seinem System zu tun haben und wie sie sich weiterentwickeln können. Diese Art kommt mir sehr zugute.

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Grillitsch: „Es war eine große Umstellung von Werder zu Hoffenheim“

Nagelsmann sagte mal über Sie und Ihren Spielstil: „Florian muss öfter geweckt werden.“ Liegt er damit richtig?

Der Trainer liegt immer richtig (grinst).

Ein Vorwurf bezüglich Ihrer Spielweise lautete früher: Der Edeltechniker Grillitsch stirbt häufig in Schönheit. War das damals eine passende Charakterisierung?

Es war damals schon eine große Umstellung nach dem Wechsel von Werder zu Hoffenheim. Ich musste viel dazulernen, viel verbessern, vor allem gegen den Ball. Das fordernde Training und die detaillierten Analysen haben mir dabei am meisten geholfen.

Die Süddeutsche Zeitung hat über Sie geschrieben: Aus dem Zauderer ist ein Zupacker geworden. Können Sie das vorbehaltlos bestätigen?

Im heutigen Fußball kann man nicht rein offensiv oder defensiv denken. Man muss flexibel sein: als defensiver Spieler natürlich vor allem Zweikämpfe gewinnen, aber auch nach vorn Einfluss nehmen. Letztlich habe ich mich in allen Bereichen entwickelt. Aber klar: Ich kann zum Beispiel noch dominanter werden, noch mehr Bälle fordern, noch mehr dirigieren. Und selbst torgefährlicher werden.

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Florian Grillitsch hat sich bei der TSG Hoffenheim zum absoluten Stammspieler entwickelt.

Im Mittelfeld haben Sie früher eine sehr offensive Rolle eingenommen, nun agieren Sie eher von weiter hinten. Was sind Sie? Ein Zehner, ein Achter oder ein Sechser?

Das stimmt, es ging zuletzt immer weiter zurück. Ich habe ja hier auch bereits in die Innenverteidigung gespielt. Ein paar Freunde aus der Heimat haben mir verwundert geschrieben: ‚Komisch, früher bist Du immer nur vorne rumgelaufen.‘ (lacht). Ich bin flexibel einsetzbar, fühle mich überall wohl. Und es ist sicher gut, dass ich bereits auf vielen Positionen gespielt habe und weiß, was zu tun ist. Ich hoffe nur nicht, dass ich irgendwann mal ins Tor muss (grinst).

Wie haben Sie es geschafft, sich bei dem stark besetzten Kader in Hoffenheim einen Stammplatz zu erobern?

Natürlich durch entsprechende Leistungen. Und wie eben schon beschrieben, habe ich mich vor allem defensiv gut weiterentwickelt, sodass ich vor allem auf der Sechs mittlerweile eine wichtige Stütze für das Team bin. 

Bei Werder haben Sie Florian Kohfeldt als Assistenztrainer kennengelernt. Wie viel Nagelsmann steckt in Kohfeldt? Was zeichnet die beiden aus? Was unterscheidet sie?

Trainer zu vergleichen ist schwierig. Aber beide sind eher lockere Typen, nicht von der sogenannten alten Schule. Sie sind jung und wissen, wie Spieler heutzutage ticken. Beide arbeiten taktisch auf hohem Niveau – auch Flo ist ein Tüftler, das war er schon als Co-Trainer unter Skripnik. 

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Grillitsch über Werder: „Es ins Pokal-Halbfinale zu schaffen, kommt nicht von ungefähr“

Wären Sie heute noch bei Werder, wenn Kohfeldt vor zwei Jahren schon Chefcoach gewesen wäre?

Das kann ich nicht sagen. Die Situation war damals so, und ich mache mir darüber auch gar keine Gedanken mehr. Ich habe bewusst den Schritt zu Hoffenheim gewählt, weil ich hier die Voraussetzungen für den nächsten Schritt für mich gesehen habe. Es hat sich auch so bestätigt.

Jürgen Klopp hat kürzlich die Bremer Spielweise gelobt. Neben Manchester City, Barcelona und Tottenham gucke er gerne Spiele von Werder. Sie auch?

Werder hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt, fußballerisch, taktisch. Sie haben es bis ins Pokal-Halbfinale geschafft, das kommt nicht von ungefähr. Ich schaue auch gerne Werder-Spiele, wenn es passt.

Ähnelt Werders Spiel der Gangart von Hoffenheim?

Beide wollen offensiven Fußball spielen. Und wie gesagt, sie nehmen eine gute Entwicklung mit einem guten, jungen Kader. Ich freue mich, dass es für sie so gut läuft, und denke auch, dass es zukünftig so weitergehen wird.

Anderes Thema: Warum ist Ihnen in der Nationalelf Österreichs noch nicht der Durchbruch gelungen?

Ich sehe mich schon als Stammspieler, habe fast alle Spiele von Beginn an gemacht und denke, dass ich auch bereits gute Leistungen gezeigt habe. Auch in der Nationalmannschaft will ich Verantwortung übernehmen und zu den Führungsspielern gehören. Ich will dazu beitragen, dass wir uns für die EM qualifizieren.

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Grillitsch: „Klar will ich irgendwann gerne zu einem Topclub“

Zuletzt setzte es eine Niederlage gegen Israel, das vom Österreicher Andreas Herzog trainiert wird. Wie stehen die Chancen in der EM-Qualifikation?

Natürlich ist es unglücklich, dass wir zweimal verloren haben und nun erst mal hinterherrennen müssen. Das haben wir uns anders vorgestellt. Wir müssen es schnell besser machen und durch Siege rasch den Anschluss wiederherstellen.

Ihr Vertrag in Hoffenheim läuft bis 2021. In der Vergangenheit sollen sich englische Clubs wie Arsenal und Tottenham für Sie interessiert haben. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Natürlich ehrt einen das, wenn man mit so großen Klubs in Verbindung gebracht wird. Aber auch Hoffenheim ist mittlerweile eine super Adresse und durch die Champions-League-Teilnahme europaweit bekannt. Klar will man irgendwann gerne mal zu einem absoluten Topclub, das ist auch mein Traum. Aber wann der richtige Zeitpunkt ist für den Schritt, das wird man dann sehen. Momentan liegt der Fokus allein auf Hoffenheim.

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