+
Werder-Trainer Florian Kohfeldt ist großer Tennis-Fan und besucht in seinem Urlaub die French Open.

Werder-Trainer bei den French Open

„Fremdgeher“ Kohfeldt drückt Zverev die Daumen

Paris - Seinen Lieblingsspieler wird er zwar nicht zu sehen bekommen, aber trotzdem erlebt Florian Kohfeldt in dieser Woche besondere Tage in Paris: Der Werder-Coach geht im Urlaub „fremd“ und besucht statt eines Fußballspiels lieber mit ein paar Freunden die French Open.

„So nah dran zu sein am Center-Court und auch auf den Nebenplätzen, ist schon toll“, sagte der Tennis-Fan, nachdem er auf der Anlage Roland-Garros entdeckt und von Eurosport für ein Interview vor die Kamera gebeten worden war. Zum Thema Werder gab es aus seiner Sicht nichts Neues zu sagen, zum Thema Tennis schon. Weil Roger Federer, Kohfeldts persönlicher Favorit, in Paris nicht dabei ist, drückt der Bremer Coach in erster Linie dem Deutschen Alexander Zverev die Daumen: „Ich freue mich aber auch, Rafael Nadal zu sehen.“

Und den gab es am Montag direkt im Match gegen den Deutschen Maximilian Marterer zu bewundern. So oft es die Arbeit bei Werder zulässt, greift Kohfeldt in Bremen selbst zum Tennis-Schläger – und er soll das Spiel sogar ziemlich gut beherrschen, wie ein Experte der DeichStube verrät.

De Witt lobt Tennisspieler Kohfeldt: „Er spielt schlau“

„Für einen, der das nicht richtig gelernt hat, spielt Florian sehr stark“, urteilt Jan de Witt. Der 52-Jährige gilt als Deutschlands bester Tennistrainer, hat Weltklassespieler wie Gilles Simon, Gael Monfils und Viktor Troicki betreut. De Witt arbeitet schon länger als Berater für Werder und tauscht sich regelmäßig mit Kohfeldt aus. Dessen Stärken auf dem Tenniscourt seien die Vorhand und der Spielwitz.

„Florian hat das Spiel verstanden, er spielt schlau“, sagt de Witt und erklärt auch, was genau er damit meint: „Wenn man nicht schon als Kind richtig Tennis gespielt hat, dann fehlen einfach gewisse Fähigkeiten. Florian kann einige Sachen nicht. Aber die spielt er dann auch nicht und findet andere Lösungen.“ Außerdem sei er ein Spieler, der schnell seinen Gegner analysiere und dessen Schwächen erkenne. „Die nutzt Florian dann für sich“, sagt de Witt und lobt zudem: „Florian ist ein absoluter Wettkampftyp, er will immer gewinnen. Egal, ob es um ein Getränk geht oder nur um die Ehre.“

Kohfeldt hat in der Vergangenheit nicht nur aus Spaß gespielt. Mehrfach war er Vereinsmeister beim TC Schwarz-Weiß Bremen, spielte dort auch in diversen Mannschaften – genauso wie gelegentlich im Winter beim Barrier TC. Durch seinen rasanten Aufstieg als Fußballtrainer bleibt inzwischen nicht mehr so viel Zeit für die große Leidenschaft.

Alexander Zverev ist Deutschlands Nummer eins im Tennis.

In der Sommerpause ist das nun etwas anders. Dazu gehört auch der Trip mit ein paar Freunden nach Paris. „Die Jungs wollten unbedingt das Viertelfinale sehen. Dafür Karten zu bekommen, war gar nicht so einfach“, stöhnt de Witt. Aber es hat sich ausgezahlt, dass der Tennis-Coach auch mal für das französische Davis-Cup-Team gearbeitet hat. Nur einen Wunsch konnte er Kohfeldt nicht erfüllen: ein Spiel von Roger Federer. Der Schweizer lässt die French Open in diesem Jahr aus. „Florian ist wirklich ein großer Federer-Fan“, erzählt de Witt: „Da muss er dann nach Halle kommen.“ Ab dem 18. Juni schlägt Federer bei den Gerry-Weber-Open in Ostwestfalen auf. Doch Kohfeldt habe abgesagt, „er ist da wieder im Urlaub“.

Zu lange solle er sich aber nicht mehr Zeit lassen, um Federer noch mal live in Aktion zu sehen, warnt de Witt. Schließlich sei der Schweizer schon 36 Jahre alt. „Ich glaube, die nächste richtige Verletzung dürfte das Ende seiner Karriere bedeuten“, prophezeit der 52-Jährige, fügte dann aber noch lachend an: „Was ich glaube, muss nichts heißen. Ich habe vor einiger Zeit zum Beispiel nicht geglaubt, dass Roger noch mal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann – und dann hat er wieder zugeschlagen. Manchmal hält man sich für einen Experten und hat dann doch weniger Ahnung, als man denkt...“

Schon gelesen?

Jan de Witt: „Werder braucht einen Kulturwandel“

Grün-weiße Tupfer in Russland: So viel Werder steckt in der WM 2018

Christian Brand im Interview: „Nur Fußball ist zu wenig“

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare