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Trainer Florian Kohfeldt geht es bei Werder Bremen um Erfolg, nicht um Freundschaften.

Trainer über das Verhältnis zu seinen Spielern

Kohfeldt: „Keiner der Jungs in der Kabine ist ein Kumpel von mir“

Bremen - Seit November 2017 ist Florian Kohfeldt Cheftrainer bei Werder Bremen, und längst können sich Verein und Stadt keinen besseren Mann für den Job mehr vorstellen.

Eine positive sportliche Entwicklung gepaart mit fundierten und sympathischen Auftritten in der Öffentlichkeit haben Kohfeldt innerhalb kürzester Zeit zu einem Gesicht der neuen Trainer-Generation werden lassen. Im Interview mit dem Magazin „11 Freunde“ (ab Donnerstag, 21. Februar, am Kiosk) hat der Fußballlehrer nun erklärt, worauf er beim Verhältnis zu seinen Spielern wert legt, welche Gefahr er durch seinen Job sieht - und warum er als Schüler einmal mitten im Sportunterricht davongelaufen ist.

„Es heißt ja öfter, der Kohfeldt lässt die Spieler mitreden“, sagt Kohfeldt - und erklärt, dass das keinesfalls immer so läuft. „Ich habe den Mannschaftsrat festgelegt und den Kapitän bestimmt. Da hatte niemand mitzureden. Und bei mir räumen - ganz old-school-mäßig - immer die fünf jüngsten Spieler nach dem Training den Platz ab und die Älteren können reingehen.“ Rücksicht auf große Namen nimmt der Trainer dabei nicht: „Da tragen mit Maxi und Johannes Eggestein oder Josh Sargent auch mal Stammspieler die Tore und Ballnetze.“

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Kohfeldts Mix aus Distanz und Nähe

Übel nimmt das Kohfeldt keiner seiner Spieler, nach anfänglichen Vorbehalten (vor allem einiger älterer Profis wie Max Kruse und damals auch Thomas Delaney) ist er inzwischen voll etabliert und akzeptiert. Immer wieder loben die Fußballer Kohfeldts guten Mix aus Distanz und Nähe, aus Menschlichkeit und Sachlichkeit. „Mein Bestreben ist, zu jedem ein persönliches Verhältnis herzustellen, weil ich schließlich täglich mit denen zu tun habe“, sagt er, stellt aber auch klar: „Keiner der Jungs in der Kabine ist ein Kumpel von mir.“

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser.
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser. © imago images/Jan Huebner
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert. 
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli 2019 hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert.  © gumzmedia

Das wäre vermutlich auch nicht gut. Schließlich geht es auch bei Werder nicht um Freundschaften, sondern um Erfolg. Die Bremer Möglichkeiten sind dabei allerdings nicht unbegrenzt, das weiß auch Kohfeldt. „Mir ist bewusst, dass uns selbst bei überragender Arbeit von Spielern, Trainern und Management vielleicht bestimmte Grenzen gesetzt sind. Andererseits erkenne ich in Bremen nicht mal ansatzweise, dass unter den veränderten Rahmenbedingungen die Begeisterung leidet. Die Emotionalisierung der Stadt und des Vereins hat eher zugenommen. In der Hinsicht leben wir hier doch im Paradies.“

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Als Kohfeldt aus Sportunterricht in der Schule abhaute

Ein Paradies, das Kohfeldt allerdings auch mit einer Sorge verbindet: „Wovor ich Respekt habe, ist, dass sich mein Verhältnis zu dieser Stadt, in der ich seit fast 20 Jahren lebe, verändern könnte, weil es sportlich nicht mehr läuft. Sprich: dass ich durch den Job ein Stück Heimat verlieren könnte.“ Dafür, dass das nicht passiert, gibt der Trainer alles. Manchmal vielleicht sogar etwas zu viel.

Im Heimspiel gegen Frankfurt wurde er Ende Januar wegen Meckerns auf die Tribüne geschickt. Stolz ist der Trainer darauf freilich nicht. Wie es passieren konnte, weiß er aber genau. „In der fünften Klasse bin ich mal mitten im Sportunterricht abgehauen, weil ich der Ansicht war, die Lehrerin habe unser Basketballteam vorsätzlich verpfiffen“, berichtet Kohfeldt und benennt eine Eigenschaft, die ihn bis heute prägt: „Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, muss ich extrem mit mir kämpfen, um nicht aus der Haut zu fahren.“

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