Florian Kohfeldt (Archiv)
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Florian Kohfeldt ist Interims-Trainer bei Werder Bremen.

Vom Bremen-Liga-Torwart zum Bundesliga-Chefcoach

So schaffte es Kohfeldt nach oben

Bremen - Früher Torwart bei Werder III, nun Interims-Cheftrainer der Bundesliga-Profis. Florian Kohfeldt legt eine beeindruckende Karriere hin. Der Senkrechtstarter im Portrait.

Wer Florian Kohfeldt begegnet, der wird meistens mit einem Lächeln empfangen. Der neue Chefcoach des SV Werder ist fast immer gut gelaunt. Aber der 35-Jährige kann auch ganz anders. Beim Training der U23 war auch schon mal der strenge Kohfeldt zu sehen, der seine Spieler zusammenpfeift – ihnen dann aber auch zeigt, wie sie es besser machen können. Er gilt als Coach, der Spieler entwickeln kann. Dabei ist seine Entwicklung die beeindruckendste: Kohfeldt hat es vom Torwart bei Werder Bremen III bis auf die Trainerbank im Weserstadion geschafft – und das nun sogar als Chefcoach. Wie geht das?

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser.
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser. © imago images/Jan Huebner
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert. 
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli 2019 hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert.  © gumzmedia

Kohfeldt gilt als akribischer Arbeiter, der sich stundenlang an seinem Laptop Spiele anschaut. „Unser Student“, hat ihn sein einstiger Chef Viktor Skripnik einst genannt – einerseits respektvoll, andererseits auch etwas abfällig. Kohfeldt galt als sehr guter Theoretiker, ist aber eben selbst nicht der große Fußballer gewesen.

Er hatte es als Torwart nur bis in die Bremen-Liga geschafft, in die dritte Mannschaft des SV Werder. Sein Trainer damals: Viktor Skripnik. Der setzte den Neuzugang von Jahn Delmenhorst nicht regelmäßig ein. Für den damals 23-jährigen kein Problem, denn vom Thema Profi-Fußball hatte er sich schon viel eher verabschiedet, wie er mal verraten hat: „Eigentlich wusste ich schon nach meinen ersten beiden Trainingseinheiten in Bremen, dass es damit nichts wird.“

Kohfeldt - eine Investition in die Zukunft

Kohfeldt schulte also früh um, wurde nebenbei Nachwuchstrainer bei Werder. Dazu passte auch sein parallel laufendes Studium (Sport- und Gesundheitswissenschaften). Dort erwies sich Professor Dietrich Milles als Glücksfall. Der ließ den Studenten Kohfeldt an einem Forschungsprojekt „Psychologische und gesundheitliche Leistungsförderung für jugendliche Fußballtalente“ in Kooperation mit Werder und dem DFB mitarbeiten.

Zusammen mit Henning Struck hielt Kohfeldt Vorträge bei Trainerlehrgängen des DFB. Es folgte die Ausbildung zum Fußball-Lehrer – gemeinsam mit Torsten Frings. Sie waren die Co-Trainer von Skripnik in der U23, durften dann auch mit zu den Profis – bestanden trotz der arbeitsintensiven Aufgabe in der Bundesliga den Lehrgang, Kohfeldt sogar als Bester. Eine sehr gute Investition in die Zukunft, denn nach der Entlassung von Skripnik im September 2016 hatten sie etwas in der Hand. Frings wurde Bundesliga-Coach bei Darmstadt 98. Kohfeldt durfte bei Werder bleiben, er bekam die U23 von Alexander Nouri, der die Bundesliga-Mannschaft übernommen hatte. Damit unterstrich Sportchef Frank Baumann, wie viel er von Kohfeldt hält. Er wollte ihn auf keinen Fall verlieren und vertraute ihm damit die zweitbeste Mannschaft im Club an - und das hauptverantwortlich.

Florian Kohfeldt (l.) packt nicht nur mit an: Jetzt hat er die Arbeit als Cheftrainer bei Werder Bremen von Alexander Nouri übernommen - zumindest übergangsweise.

Eine große Aufgabe für Kohfeldt, der den Drittligisten auf einem Abstiegsplatz übernahm. Am letzten Spieltag wurde mit etwas fremder Hilfe der Klassenerhalt perfekt gemacht. In dieser Saison ist nur noch Werder mit einer U23 in der Dritten Liga vertreten. Für die jungen Talente ist diese Liga ein Haifischbecken. Doch Kohfeldt zuckte nicht zurück, sondern schaltete auf Angriff.

„Vielleicht holt mich diese Aussage nach zehn Spieltagen wieder ein“, sagte Kohfeldt vor dem Saisonstart, „aber es muss ja kein Selbstverständnis sein, dass wir bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern werden.“ Außerdem betonte er immer wieder, dass sein Team Fußball spielen soll. Ballbesitz ist das Ziel, nur im Notfall soll der Ball mal weggebolzt werden oder sich hinten eingeigelt werden. Das Konzept schien aufzugehen. Werders U23 legte einen Traumstart hin, stand plötzlich in der Spitzengruppe. Doch in den vergangenen zehn Spieltagen gab es keinen Sieg mehr. So lange warten auch schon die Profis auf einen Dreier.

Kohfeldt will es als Trainer nach oben schaffen

Darauf angesprochen, würde Kohfeldt wahrscheinlich mit einem Lächeln reagieren. Er hat trotz der Sieglos-Serie nicht seinen Weg verlassen und weiter mutig nach vorne spielen lassen. Es ist davon auszugehen, dass er diesen Mut auch mit zu den Profis nimmt. Er wird dieses Spiel in Frankfurt auch als große Chance für sich empfinden. Er kann auf großer Bühne präsentieren, wofür er steht. Denn das Ziel ist klar: Kohfeldt will es als Trainer so weit wie möglich nach oben schaffen.

Angeblich hätte er im Sommer zu einigen Zweitligisten oder auch ins Ausland wechseln können. Der 35-Jährige blieb aber bei Werder. Sehr wahrscheinlich auch auf Empfehlung seines Beraters Marc Kosicke. Der Bremer hat sich schon um so erfolgreiche Karrieren wie die von Jürgen Klopp gekümmert. Oder die von Julian Nagelsmann. Mit dem Hoffenheim-Coach wird Kohfeldt gerne verglichen. Von der sympathischen Ausstrahlung her passt das schon mal, vom Fachlichen her muss dies Kohfeldt in der Bundesliga noch beweisen. Die Chance dazu hat er jetzt – zumindest für ein Spiel, vielleicht aber auch länger. Baumann hat sich da noch nicht festgelegt.

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