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Florian Kohfeldts Video-Show: Der neue Trainer hat seine Spieler am Wochenende mit viel Anschauungsmaterial versorgt, was sie wo und in welchen Szenen besser machen müssen.

Cheftrainer ist selbstbewusst

Kohfeldt will es spielerisch lösen

Bremen - Wer Florian Kohfeldt bei seinem ersten Medientermin als neuer Sechs-Wochen-Chefcoach des SV Werder beobachtete, der war schon etwas erstaunt, wie spielerisch der erst 35-Jährige das Prozedere vor den zahlreichen Kameras löste.

Doch im Laufe des Gesprächs wurde immer deutlicher: Das ist seine Art, das ist sein Konzept. Nicht nur neben, sondern vor allem auf dem Platz. Kohfeldt verfolgt den spielerischen Ansatz: „Für einen Tabellen-17. ist das vielleicht etwas ungewöhnlich, aber das ist meine Analyse des Kaders.“ Kohfeldt gab sich selbstbewusst, aber nicht abgehoben – und er warb für eine neue Geschlossenheit beim SV Werder und seinen Fans.

„Ich bin mir aus der Erfahrung der ersten Tage sicher: Wir schaffen das, wir werden Punkte holen, wir werden gewinnen und wir werden am Ende den Klassenerhalt schaffen!“ Das ist schon mal eine deutliche Ansage nach zwei Wochen auf der wichtigsten Position im Club. Ein echter Mutmacher. Sehr angenehm in diesen trüben Bremer Fußball-Tagen. Da kommt ein unverbrauchter Coach wie Kohfeldt wie gerufen.

Kohfeldt denkt offensiver als Vorgänger Nouri

Wie immer nach Trainerwechseln wird ihm mehr zugehört als am Ende dem Vorgänger. Das mag allerdings auch daran liegen, das Alexander Nouri nicht so sehr in die Tiefe ging, was den Fußball betrifft. Kohfeldt macht das, versucht seinen Fußball so zu erklären, dass ihn die Zuhörer verstehen: „Wir wollen einen offensiven Fußball auf den Platz bringen, der vorsieht, dort zu verteidigen, wo wir spielen.“ Also möglichst weit vorne. Nouri hatte wesentlich defensiver gedacht und nur auf ein schnelles Umschaltspiel gesetzt.

Kohfeldt will auch anders mit dem Ball nach vorne kommen. So wie in seinem ersten Spiel in Frankfurt, damals noch als Interimscoach. Diese starke erste Halbzeit gegen die Hessen sei „das anschaulichste Beispiel, was ich umsetzen möchte“, sagte Kohfeldt: „Dieser Kader benötigt einen spielerischen Ansatz. Natürlich können wir situativ auch mal über den langen Ball kommen – und natürlich brauchen wir auch den Kampf. Aber das sind Grundtugenden.“ Kohfeldt will mehr. Deshalb hat Werder auch ihm vertraut und keinem Feuerwehrmann, der wahrscheinlich in dieser prekären Situation genau den gegenteiligen Fußball spielen lassen würde. Hinten dichtmachen, vorne auf Glück hoffen – so lautet oft die Formel im Abstiegskampf.

Bei Werder soll das anders sein – und das birgt natürlich Risiken. Kohfeldt weiß das. Deswegen bat der neue Coach indirekt um Hilfe. Er machte es mit dem Hinweis auf das, „was in Deutschland nur das Weserstadion kann“, wie er behauptete und dann aufklärte: „Eine Energie entfachen!“ Alle müssten sich nun hinter die Mannschaft stellen: Fans, Geschäftsführung, das gesamte Umfeld. Unabhängig davon, was gewesen ist und welche Entscheidungen gerade getroffen wurden. „Das habe ich hier schon einige Male erlebt“, erinnerte sich Kohfeldt und meinte damit zum Beispiel das Frühjahr 2016. Damals schaffte er als Co-Trainer an der Seite von Viktor Skripnik den Klassenerhalt.

Jetzt will Kohfeldt die Bremer als Cheftrainer vor dem Absturz bewahren. Er macht es zusammen mit seinen Co-Trainern Thomas Horsch und Tim Borowski mit viel Einsatz. Während sich die Profis am Wochenende vom Training erholen durften, erstellten Kohfeldt und Co. für jeden Spieler Videos mit speziellen Kommentaren dazu. Damit wurden auch die zahlreichen Nationalspieler versorgt. „Wir haben nicht so viel Zeit, um zu vermitteln, was wir auf den einzelnen Positionen sehen wollen.“ Und dabei deutete Kohfeldt Überraschungen an: „Es kann durchaus sein, dass sich der eine oder andere auf einer Position wiederfindet, die er vorher noch nicht so auf dem Zettel hatte.“

Gespräche um Kohfeldt-Zukunft vor Weihnachten

Kohfeldt geht seinen Weg und plant auch schon über seine Vertragsdauer hinaus. Anders als Nouri denkt er über ein Trainingslager im Januar nach. „Ich entscheide, was ich für sinnvoll halte und fühle mich nicht daran gebunden, was vielleicht schon kommuniziert wurde. Diese Freiheit habe ich.“ Es ist auch ein kleines Statement, dass niemand diesen U23-Coach unterschätzen sollte.

Andererseits ist er auch keiner, der an Selbstüberschätzung leidet und seine aktuelle Position nutzt, um zu große Forderungen zu stellen. Beim Thema Wintereinkäufe hielt er sich bedeckt – und auch bei seiner eigenen Zukunft setzt er den Club nicht unter Druck: „Wenn Frank mir sagt, dass ich bleibe, bleibe ich. Es gibt auch intern keine Punktevorgabe. Wir werden uns vor Weihnachten zusammensetzen.“

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