+
Im Januar noch sauteuer, im Mai plötzlich ein Schnäppchen. Mit der Preisentwicklung im Fall Martin Harnik kann Werder-Sportchef Frank Baumann (Bild) wenig überraschend „sehr gut leben“.

Sportchef spricht über Harnik und den Werder-Sturm

Baumann im Interview: „Schlitzohr mit Zug zum Tor“

Bremen - Frank Baumann hat schon wieder zugeschlagen. Am Freitag präsentierte der Sportchef des SV Werder Bremen Stürmer Martin Harnik als schon dritten Neuzugang für die kommende Saison in der Fußball-Bundesliga.

Vor dem für etwa zwei Millionen Euro von Hannover 96 verpflichteten Stürmer hatte Baumann bereits Offensivmann Yuya Osako von Absteiger 1. FC Köln (sechs Millionen Euro Ablöse) und Mittelfeldmann Kevin Möhwald (1. FC Nürnberg/ablösefrei) verpflichtet.

Für Harnik ist es nach neun Jahren eine Rückkehr zu Werder und der zweite Anlauf, in Bremen glücklich zu werden. Was für die Rückholaktion des 30-Jährigen sprach und wie er die Zusammenstellung des Bremer Sturms nun beurteilt, erklärt Frank Baumann im Interview mit der DeichStube.

Aus welchen Gründen haben Sie Martin Harnik zu Werder zurückgeholt?

Frank Baumann: Martin bringt ja schon sehr viel Erfahrung mit, er hat seine Qualitäten in der Bundesliga immer wieder unter Beweis gestellt. Er ist ein Spieler, der einen Zug zum Tor, Tempo und Torgefahr mitbringt. Er ergänzt unser Spiel und wird uns sehr helfen.

Harnik spricht selbst von seiner tiefen Verbundenheit zu Werder – wie sehr hat das auch eine Rolle gespielt bei seiner Verpflichtung?

Baumann: Eine Identikation mit dem Club ist immer gut und uns auch wichtig. Das war jetzt aber nicht das schwerwiegendste Kriterium. Die sportlichen Qualitäten sind entscheidend – und es geht auch um ihn als Typ. Mit seiner unbekümmerten, schlitzohrigen Art wird er uns sehr guttun. Wir haben in der Offensive jetzt eine Zusammenstellung verschiedener Charaktere – da passt Martin sehr gut hinein. Es hilft natürlich auch, dass wir ihn schon aus der Vergangenheit gut kennen, da sind wir vor Überraschungen gefeit.

Relativ ähnlich scheint Harnik aber mit seinem Freund Max Kruse zu sein.

Baumann: Ich würde sie vom Typ her aber nicht gleichsetzen. Natürlich sind beide gute, lustige Typen. Die aber auch gut trennen können zwischen dem Spaß und dem Ernst an der Arbeit. Und natürlich sind sie gute Freunde. Aber wir haben ja nicht nur die beiden, sondern insgesamt 26 Spieler im Kader. Und da muss die Mischung passen.

Von diesen 26 gehören nach aktuellem Stand zehn in den Bereich Offensive – Namen wie Yuning Zhang und Lennart Thy, die aktuell allerdings keine Bundesliga-Perspektive in Bremen besitzen – noch mit eingerechnet. Werden Sie da personell ausdünnen müssen?

Baumann: Wir wollen im Offensivbereich breit aufgestellt sein, wollen verschiedene Spielertypen haben. Weil die Offensive ein Bereich ist, in dem während eines Spiels oft gewechselt wird, wo auch mal ein frischer Impuls und neuer Schwung von der Bank kommen muss. Darüberhinaus wollen wir von unserer Grundausrichtung her auch flexibel sein. Spielen wir mit zwei oder drei Stürmern, brauchen wir zusätzlich jemanden auf außen oder Spieler, die sich in den Zwischenräumen bewegen? Ich finde, dass wir da jetzt gut aufgestellt sind.

Und zehn Spieler sind nicht doch ein paar zu viel?

Baumann: Grundsätzlich ist es so: Wir haben in Ishak Belfodil einen Stürmer verloren. Und wir sind bei Aron Johannsson gesprächsbereit, wenn für ihn ein passendes Angebot kommen wird. Dazugeholt haben wir neben Martin Harnik noch Yuya Osako, so dass wir im Endeffekt die gleiche Anzahl an Stürmern hätten wie im vergangenen Jahr.

Harnik ist der neue Belfodil, der vom 1. FC Köln geholte Osako der neue Johannsson – liegen für Letzteren schon konkrete Angebote vor?

Baumann: Aktuell nicht. Da müssen wir noch Geduld haben und abwarten, was in den nächsten Wochen passiert. Es ist ja aber noch früh, die Transferphase beginnt erst.

Wie hat Johannsson auf den Plan des Vereins reagiert, ihn trotz seines bis 2019 laufenden Vertrags abgeben zu wollen?

Baumann: Aron möchte natürlich auch mehr spielen. Deswegen ist er da offen. Klar, es muss für ihn auch passen. Wenn ein attraktives Angebot reinkommt, wäre er auch für eine Veränderung offen.

Man muss aber annehmen, dass er nicht zuletzt wegen seiner nicht enden wollenden Verletzungsgeschichten ein schwer vermittelbarer Spieler ist.

Baumann: Nein, das glaube ich nicht. Er hat ja auch gezeigt, dass er über 90 Minuten gehen kann und er dabei seine Qualitäten einbringen kann. Da gibt es schon einen Markt für ihn.

Martin Harnik: Seine Karriere in Bildern

Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen.
Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen. © imago
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder.
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder. © imago
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß!
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß! © imago
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht.
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht. © imago
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal.
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal. © imago
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte.
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte. © Witters
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi.
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi. © imago
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga.
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga. © imago
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg.
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg. © imago
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt.
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt. © nordphoto
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil.
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil. © imago

Der Sturm wird durch die Verpflichtung des bald 31 Jahre alten Harnik etwas betagter. Auch Kruse (30) und Fin Bartels (31) kommen in die Jahre. Wird die Bremer Offensive zu alt?

Baumann: Wenn man sich die Gesamtheit anschaut, haben wir schon eine gute Mischung in der Offensive. Max, Martin und Fin sind sicherlich die erfahrenen Spieler. Mit Yuya Osako und Florian Kainz (28 und 25 Jahre alt, d. Red.) haben wir zwei im mittleren Alter. Und in Milot Rashica, Johannes Eggestein und – wenn man ihn schon dazuzählen möchte – auch in Josh Sargent verfügen wir über drei Spieler mit Potenzial (Alter: 21, 20 und 18 Jahre, d. Red.). Ich finde, das passt. Wir sind im Bereich Offensive nicht zu alt.

Zwischen Martin Harnik und Max Kruse besteht die besonders enge Verbindung der gemeinsamen Vergangenheit beim SC Vier- und Marschlande sowie später bei Werder. Beide nennen es einen in Erfüllung gegangenen Traum und Wunsch, nochmal zusammenspielen zu können. Das klingt schön romantisch. Wie sehr müssen Sie aber ein Auge darauf haben, dass die persönlichen Ambitionen nicht die Teamziele überlagern?

Baumann: Gar nicht. Weil die beiden so professionell sind, dass sie nicht die Eigeninteressen über die Teaminteressen stellen werden. Auf keinen Fall halte ich das für möglich.

Von außen betrachtet scheint der Harnik-Transfer mit einem enormen Preisverfall des Spielers innerhalb nur weniger Monate verbunden zu sein. Im Januar, als Werder das erste Mal Interesse gezeigt hatte, sollte er noch sieben Millionen Euro kosten, jetzt war er angeblich für zwei Millionen Euro zu haben.

Baumann: Vorweg: Ich bestätige keine der Summen, das ist alles Spekulation. Aber ja: Seit dem Winter hat sich die Lage komplett verändert. Damals war Hannover noch nicht aus dem Abstiegskampf heraus und Martin ein wichtiger Spieler im Team. 96 hätte ihn deshalb – wenn überhaupt – nur bei einem sehr hohen Angebot gehen lassen. Deswegen war ein Transfer für uns nicht machbar. Das mussten wir akzeptieren und vernünftig bleiben. Jetzt ist eine neue Situation entstanden, mit der wir finanziell sehr gut leben können.

Schon gelesen?

Harniks Heimkehr: „Schon wieder komplett zu Hause“

Herz-Schmerz, ein Traum, Fan-Verdruss und mehr: Deshalb kommt Harnik

Harnik und Kruse: Fast wie Zwillinge

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.