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Endstation Jentzsch: Der Augsburger Torhüter bracht Werders Stürmer gestern zur Verzweifelung

Fritz: "Wir sind kein Bayern-Jäger"

Augsburg - Augsburg feiert beim 1:1 gegen Bremen Goldfinger Jentzsch. Der Torwart hält trotz Handverletzung riesig. Werder hadert mit der Torausbeute. „Wir sind kein Bayern-Jäger“, sagt Kapitän Fritz.

Mit einer gesunden Hand hätte Simon Jentzsch auch nicht besser halten können. Der Torwart des FC Augsburg trieb die Bremer Angreifer beim glücklichen 1:1 für den Aufsteiger schier zur Verzweiflung - und das mit einem angebrochenen Ringfinger. „Es war schmerzhaft, aber ich wollte unbedingt spielen“, berichtete Jentzsch. Natürlich habe er „die Verletzung im Hinterkopf“ gehabt. Aber in Aktion verdränge man das: „Man hat so viel Adrenalin im Körper.“

Ausgerechnet mit der verletzten rechten Hand lenkte er am Freitag bei seiner ersten spektakulären Rettungstat einen Kopfball von Markus Rosenberg an die Latte (21.). Und in Bremens Sturm-und-Drang-Phase hielt er den Punkt für den FCA fest, als er gleich zweimal Claudio Pizarros 150. Treffer in der Fußball-Bundesliga vereiteln konnte (75./81.). „Simon war ein unglaublich starker Rückhalt für uns. Er hat uns den Punkt gerettet“, schwärmte FCA-Coach Jos Luhukay.

Die Einzelkritik: Nur Naldo erreicht Normalform

Die Einzelkritik: Der böse Wolf macht noch was gut

Tim Wiese: Die Sperre hat ihm nicht geschadet, klasse Parade gegen Bellinghausen (34.). Ansonsten wenig gefordert, beim Gegentor machtlos. Note 3 © nordphoto, dpa
Sokratis (bis 63.): Kaum Verkehr auf seiner Außenbahn – so langsam wird deutlich, warum er als Innen- und nicht als Rechtsverteidiger gilt. Hinten ebenfalls mit Problemen, und dann drohte ihm auch noch die Ampelkarte. Note 5 © nordphoto, dpa
Andreas Wolf: Einfach gruselig diese Fehler. So wie beim 0:1 darf ein Bundesliga-Spieler nicht über den Ball schlagen, und Wolf hatte es zuvor schon einmal gemacht. Dafür aber auch Vorlagengeber zum 1:1. Deshalb noch die Note 5 © nordphoto, dpa
Naldo: Immer wieder Naldo. Der Brasilianer gewann einen Zweikampf nach dem anderen, den wichtigsten gegen Bellinghausen (27.). Nur in der Vorwärtsbewegung wirkte der Abwehrchef nach seiner langen Verletzungspause noch etwas hölzern. Note 2 © nordphoto, dpa
Lukas Schmitz: Anders als Sokratis viel unterwegs, gefährlich wurde es auf der linken Seite trotzdem nur sehr selten, weil Schmitz oft die Mittel dazu fehlten. Note 4 © nordphoto, dpa
Aleksandar Ignjovski: Der neue „Sechser“ begann so giftig wie immer, wirkte gerade offensiv aktiver als Vorgänger Bargfrede. Doch das Level konnte der junge Serbe nicht halten. Note 3,5 © nordphoto, dpa
Clemens Fritz: Wo war eigentlich Fritz? Sonst immer der auffälligste Bremer, in der Augsburger Puppenkiste war der Kapitän nur ein Nebendarsteller. Note 4 © nordphoto, dpa
Aaron Hunt: Bekam einfach kein Tempo in sein Spiel. Nur seine Freistöße sorgten für etwas Gefahr. Note 4 © nordphoto, dpa
Marko Marin (bis 58.): Als Spielmacher viel zu selten am Ball. Vielleicht riskierte er deshalb auch zu viel und schockte damit seine Abwehr. Note 5 © nordphoto, dpa
Markus Rosenberg: Erst glücklos (21., Kopfball an die Latte), dann unfassbar harmlos, als er aus acht Metern nicht trifft (45.). Versuchte sich noch als Vorbereiter (81.). Note: 4 © nordphoto, dpa
Claudio Pizarro: Jetlag mit Verspätung? Eine Woche nach seiner Südamerika-Tour schlapp und unkonzentriert wie selten zuvor. Dann wacht der Torjäger plötzlich auf, und bringt so viel Druck hinter den (Kopf-)Ball wie kaum ein anderer – 1:1 (68.). Er hätte dann noch zum Matchwinner werden müssen, scheiterte aber zweimal (76. und 81.) völlig freistehend an Jentzsch. Note 4,5 © nordphoto, dpa
Sandro Wagner (ab 58.): Sorgte für Schwung und hätte fast noch das Siegtor erzielt (87.). Note 3 © nordphoto, dpa
Mehmet Ekici (ab 63.): Das wird ihm gut tun: Seine Ecke führte zum Ausgleich. Viel mehr gab‘s dann aber auch nicht mehr zu sehen. Note - © nordphoto, dpa

„Dafür, dass er einen kaputten Finger hatte, hat er gut gehalten“, lobte auch Werder-Boss Klaus Allofs zähneknirschend den Teufelskerl im Augsburger Kasten: „Wir sind verrückt geworden auf der Bank.“ Aber noch mehr wegen der eigenen Abschlussschwäche. „Im zweiten Durchgang waren wir total dominant, haben aber leider die Chancen nicht genutzt“, fluchte Pizarro. Nur bei seinem Kopfball aus nächster Nähe war auch Jentzsch in der 68. Minute machtlos gewesen.

Das Führungstor von Axel Bellinghausen (49.) genügte Augsburg vor 30 660 Zuschauern wieder nicht, um eine Woche nach dem Premierensieg in Mainz auch den ersten Heim-Dreier in der Bundesliga einzufahren. „Wenn man die letzte halbe Stunde betrachtet, war das für uns ein Punktgewinn. Bremen ist eine andere Kategorie als der FC Augsburg, das hat man da gesehen“, erklärte Jentzsch.

Für die Gäste war das Unentschieden zu wenig, um nach zuvor zwei Niederlagen wieder höhere Ansprüche formulieren zu können. „Wir sind kein Bayern-Jäger“, stellte Kapitän Clemens Fritz fest. „Wir müssen Spiele gewinnen, vorher müssen wir nicht auf die Tabelle schauen“, bemerkte auch Allofs.

Trainer Thomas Schaaf sieht seine Mannschaft trotzdem immer noch auf einem guten Weg. „Wir haben schon viele gute Momente in unserem Spiel, bringen uns aber auch noch zu häufig in Not.“ Wie beim 0:1, das Andreas Wolf mit einem folgenschweren Ballverlust verschuldete. „Das war mein Bock“, gab der Innenverteidiger zu.

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