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Thomas Schaaf war von 2008 bis 2010 Trainer von Mesut Özil bei Werder Bremen.

Gastkommentar der Werder-Legende

Schaaf zum WM-Start: „Ich kenne Mesut: Das beschäftigt ihn“

Ein Gastkommentar von Thomas Schaaf. Mit der WM-Stimmung ist es eigentlich immer gleich: Erst, wenn der Ball rollt, packt es einen wirklich.

Deswegen ist es auch gut, dass es jetzt endlich losgeht und der Fußball hoffentlich im Mittelpunkt stehen wird. Wenngleich das diesmal etwas schwieriger sein dürfte. Dafür sorgt schon Russland als besonderer Gastgeber. Die Situation dort ist wahrlich nicht einfach, da kommt viel Politik ins Spiel. Gleiches gilt für die Geschichte mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan und deren Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan.

Schaaf über Erdogan-Treffen: „Das war unglücklich“

Das war unglücklich. Und wer sich in so eine Situation begibt, der muss mit diesen heftigen Reaktionen eigentlich auch rechnen. Und wenn nicht, dann muss er anschließend zumindest den Fehler eingestehen. Ich hätte mir schon gewünscht, dass die beiden Spieler direkt danach klar Stellung bezogen und sich auch klar zu Deutschland bekannt hätten. Nun wirkt es alles doch etwas konstruiert. Die Diskussionen fand ich völlig in Ordnung, aber sie bringen uns jetzt nicht mehr weiter.

Ich kenne Mesut aus seiner Bremer Zeit. Er wird die Kritik nicht einfach so abschütteln können, das wird ihn beschäftigen. Vielleicht schafft er es ja, auf dem Platz die richtige Antwort zu geben. Ich würde es ihm wünschen. Aber erstmal freue ich mich auf das Spiel am Freitag zwischen Portugal und Spanien. Das ist der erste WM-Kracher. Ich bin echt gespannt, ob die Portugiesen mit Ronaldo wieder so stark sind wie bei der EM und wie sich die Spanier nach den Trainer-Turbulenzen vorstellen. Das wird hochinteressant und ein erster Fingerzeig.

Kann Russland eine Rolle spielen? „Ich habe da so meine Zweifel“

Ohnehin stellt sich die Frage, ob es so offensiv weitergeht wie zuletzt. Viele Teams haben mutig nach vorne gespielt, da gab es weniger lange Bälle und viel mehr geordneten Spielaufbau, aber auch viel Pressing und Umschaltspiel. Das macht Spaß, das ist Fußball. Natürlich ist auch das Eröffnungsspiel immer etwas Besonderes – aber Russland gegen Saudi-Arabien? Da interessiert mich am meisten, ob die Russen daheim wirklich eine Rolle spielen können. Ich habe da so meine Zweifel.

Aber darauf tippen werde ich nicht. Das habe ich mir abgewöhnt. Bei Tippspielen war ich nie gut. Wahrscheinlich habe ich mir einfach zu viele Gedanken gemacht. Man muss den Fußball einfach auch nur mal genießen können – das werde ich bei dieser WM so oft wie möglich tun. Aber so ganz ohne den fachlichen Blick geht es dann meistens doch nicht...

Zur Person: Der gebürtige Mannheimer Thomas Schaaf (57) ist eine Ikone bei Werder Bremen – zunächst als Spieler (1978 bis 1995), dann als Trainer der Profis (1999 bis 2013). Sein größter Erfolg war das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg 2004. Nach Bremen arbeitete er als Coach bei Eintracht Frankfurt (2014/15) und Hannover 96 (2016). Am 1. Juli kehrt als Technischer Direktor zu Werder zurück.

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