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Ishak Belfodil fordert noch mehr Einsatz für die wichtigen Tore.

Stürmer nach Kruse-Verletzung im Fokus

Belfodil: „Wir müssen uns prügeln und schlagen“

Bremen - Jetzt kommt es also auf ihn an. Auf Ishak Belfodil, den Neuen im Team. Nach der schweren Verletzung von Max Kruse rückt der Algerier bei Werder Bremen schneller als gedacht in den Blickpunkt.

Gegen Schalke legte der kräftige Stürmer noch einen Kaltstart hin, in den kommenden Partien will er aber so richtig heiß laufen. „Ich werde alles tun, um der Mannschaft zu helfen“, sagt Belfodil und legt den Finger sogleich in eine Wunde, die es nicht erst gibt, seit sich Kruse am Samstag bei der 1:2-Pleite gegen Schalke 04 das Schlüsselbein gebrochen hat. „Unser Problem ist der Abschluss. Wir müssen uns noch mehr prügeln und schlagen, um die Tore zu erzielen“, fordert Belfodil. Wer das übernehmen soll? Er natürlich.

Nouri lobt Belfodil: „Gelungener Einsatz“

Mit 1,92 Metern ist der 25-Jährige das, was man im Fußball gerne als „Kante“ bezeichnet. Ein Brecher, einer, der durch Wände gehen kann. Damit ist Belfodil ein ganz anderer Typ als der spielstarke und spielintelligente Kruse. Weshalb nicht davon auszugehen ist, dass er als Kruse-Vertreter eine Kruse-Kopie sein wird. Aber sich vorne reinzuschmeißen, um Tore zu erzwingen, sei genau sein Ding, so Belfodil: „Ich bin ein Duell- und Zweikampfspieler, das gehört zu mir.“ Sich um die Tore zu prügeln und zu schlagen, wie er es sagt, sieht er als seinen Job: „Das kann ich definitiv machen, das habe ich auch vor. Ich bin groß und kräftig. Es ist nicht lustig, gegen mich zu spielen.“

Gegen Schalke kam Ishak Belfodil nur zu einem Torabschluss, von der Seite bereitete er aber zwei gute Aktionen vor. Er habe „seine Qualität aufblitzen lassen“, sagte Werder-Sportchef Frank Baumann später. „Er war sofort da und hat die Bälle gefordert. Es war ein gelungener Einsatz“, urteilte Trainer Alexander Nouri.

Belfodil selbst ist zwar zufrieden mit dem, was er ab seiner Einwechslung in Minute 19 gezeigt hatte, aber er sagt auch, dass es „schwierig“ war, von einem Moment auf den anderen unvorbereitet von der Bank ins Spiel zu kommen. Noch dazu in ein Team, mit dem er erst seit zwei Wochen trainiert und mit dem er zuvor nur wenige Minuten (beim 1:1 in Berlin) zusammengespielt hatte. Durch Kruses frühes Aus sei eine „besondere Situation“, entstanden, „mit der ich nicht gerechnet hatte“.

Zudem hatte er lange nicht so viel Einsatzzeit am Stück wie gegen Schalke. Auch das habe es für ihn nicht einfacher gemacht. Schlummert da etwa ein Fitnessproblem? Das wäre schlecht, denn Werder steht vor der englischen Woche mit Spielen in Wolfsburg und gegen Freiburg. Belfodil muss voll da sein. Ist er das? „Ich habe nicht gesehen, dass er gegen Schalke abgebaut hätte“, meint Trainer Nouri. Und der Betroffene selbst sagt: „Ich bin körperlich fit. Dieses Spiel gegen Schalke hat mir total geholfen, mich richtig reinzustürzen.“

Belfodil profitiert von Kruses Verletzung, leidet aber mit

Allerdings ist Ishak Belfodil nicht der Typ Spieler, der immer unterwegs ist, der presst und dem kein Weg zu weit ist. Ein bisschen erinnert er in seinen mitunter etwas schwerfälligen Bewegungen an Hugo Almeida, den früheren Werder-Stürmer. Dass Belfodil dennoch über Explosivität verfügt, hat er gegen Schalke auch schon gezeigt, als er zum Beispiel Naldo einfach stehen ließ und eine scharfe Hereingabe ins Zentrum brachte.

„Ich hätte gerne noch mehr geschafft“, sagt Belfodil über seine Leistung. Aber er kann Verpasstes nachholen – schon am Dienstag in Wolfsburg, wenn er vermutlich das erste Mal von Anfang an auflaufen wird. Max Kruse liegt dann wohl noch im Krankenhaus. Die Mannschaft hat ihm bereits via Whatsapp-Gruppe Grüße geschickt, Kruse sendete Bilder zurück. Belfodil hat es mit gemischten Gefühlen verfolgt. Einerseits öffnet ihm Kruses Pech die Tür zur Stammelf, andererseits leidet er mit Kruse und auch mit den Kollegen: „Die Verletzung ist schlimm für Max und für die ganze Mannschaft. Max ist ein wichtiger Schlüsselspieler. Wir müssen jetzt zusammenhalten und gemeinsam nach vorne preschen.“ Dann mal los!

Einzelkritik: Quirliger Kainz - Wundertüte Belfodil

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Zum schnellen Schalker 1:1 hätte es nicht kommen müssen, wenn Pavlenka die Kunst des Herauslaufens besser beherrschen würde. Tut er aber nicht. So blieb der Ball nach verunglückter Faustabwehr „heiß“ und landete schließlich hinter Pavlenka im Tor. Ansonsten blieb der Keeper ohne Fehler. Note 3,5 © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer: Er nahm Konoplyanka weitgehend aus dem Spiel und agierte solide. Aber beim 1:2 hätte er gedankenschneller sein müssen, Goretzka schlich sich in seinem Rücken weg. Note 3,5 © dpa
Lamine Sane
Lamine Sane: Erst ein Abstauber ins Schalker Tor, dann ein verhängnisvoller Fallrückzieher vor dem eigenen Kasten, der ihm aber nicht zwingend als Fehler ausgelegt werden muss. Sane war der Hauptdarsteller in den turbulenten Minuten 20 bis 22. Als zentraler Innenverteidiger spielte er zuverlässig, gönnte Schalkes Sturmtank Guido Burgstaller kaum Aktionen. In der Schlussphase noch als Stürmer eingesetzt. Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Giftig in der Bewachung von Amine Harit, aktiv im Spiel nach vorne: Es war okay, was Veljkovic vor den Augen des serbischen Nationaltrainers bot. Das Eigentor war unglücklich. Note 3 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie (bis 84.): Er war dabei, er spielte mit. Er machte keine großen Fehler, hatte aber auch keine auffälligen Szenen. Kurz: Es war eine typische Theodor-Gebre-Selassie-Leistung. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Ihm unterliefen zwei, drei Fehlpässe, die nicht hätten sein müssen. Eggestein interpretierte die Rolle im defensiven Mittelfeld diesmal noch defensiver als sonst, rückte oft in die Abwehrkette ein. Note 3,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Sorgte in der ersten Halbzeit für viel Leben auf der linken Seite. Der Schwede hatte gute Aktionen – unter anderem der Kopfball, der an den Pfosten klatschte und von Sane doch noch veredelt wurde. Dazu die prima Flanke auf Kainz, die fast das 2:1 gebracht hätte. Nach der Pause nicht mehr so auffällig. Note 3 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz: Der Österreicher spielte quasi die Rolle eines Zehners. Sehr offensiv, sehr zentral. Kainz trug die Bälle nach vorne, verteilte sie. Dabei war er enorm quirlig. Stark, wie er sich nach Augustinsson-Flanke zum Kopfball in die Luft schraubte. Pech, dass Schalke-Keeper Fährmann gerade noch die Hände hochriss und den Treffer verhinderte. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Seine Serie mit Toren in drei aufeinanderfolgenden Spielen für die dänische Nationalelf und Werder ist beendet. Delaney war auch nicht der Mann, der die Partie prägte. Er machte seinen Job im Mittelfeld, ohne zu überraschen. Note 3,5 © nordphoto
Fin Bartels
Fin Bartels: Sehr fleißig, sehr laufstark, aber genau genommen brachte Bartels kaum eine Aktion erfolgreich zu Ende. Bezeichnend war, dass bei der aussichtsreichen Zwei-gegen-eins-Situation der Pass auf Belfodil nicht ankam (40.). Schwach auch der Abschluss nach Belfodil-Vorlage (60.). Note 4,5 © Gumz
Max Kruse
Max Kruse (bis 19.): Der große Pechvogel. Kruse brach sich bei einem Foul von Schalkes Thilo Kehrer das Schlüsselbein, fällt nun acht Wochen aus. Note - © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (ab 19.): Kam für Kruse und so zu seiner Heimpremiere im Weserstadion. Belfodil wirkte oft schwerfällig, fast träge. Aber dann kamen doch Aktionen heraus, die man nicht erwartet hätte. Zweimal setzte er sich stark in Szene. Ein paar Bälle versprangen ihm aber auch. Note 3,5 © Gumz
Izet Hajrovic
Izet Hajrovic (ab 84.): Bundesliga-Comeback nach neun Monaten Verletzungspause. Hajrovic fiel aber nur noch durch Meckern auf, wofür er „Gelb“ kassierte. Note - © nordphoto
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