Abdrehen zum Jubeln: Jannik Vestergaard (Mitte) startet nach seinem Treffer zum 2:1 in Richtung Ostkurve durch. Philipp Bargfrede, Anthony Ujah (von links) und Assani Lukimya (rechts) nehmen die Verfolgung des Torschützen auf.
+
Abdrehen zum Jubeln: Jannik Vestergaard (Mitte) startet nach seinem Treffer zum 2:1 in Richtung Ostkurve durch. Philipp Bargfrede, Anthony Ujah (von links) und Assani Lukimya (rechts) nehmen die Verfolgung des Torschützen auf.

2:1 – Johannsson und Vestergaard treffen gegen Gladbach / Skripnik sehr stolz

Werder macht richtig Spaß

Bremen - Diese ältere Dame sollte Werder vielleicht immer einladen. Die Nonne Seraphinis hatte vor dem Heimspiel gestern Abend gegen Borussia Mönchengladbach mit einem Werder-Schal vor der Ostkurve posiert, ein kleines Interview über das Stadionmikrofon gegeben – und dabei einen Bremer 2:1-Sieg prophezeit. Und genau so kam es!

Werder kämpfte, Werder überzeugte, Werder gewann total verdient und geht nach dem ersten Saisonsieg mit vier Punkten als Tabellenelfter der Bundesliga in die Länderspielpause. Gladbach hingegen bleibt punktloses Schlusslicht.

Als um 19.22 Uhr der Abpfiff ertönte, ballte Thomas Eichin beide Fäuste und brüllte ein langgezogenes „Jaaaa“ heraus. Der Bremer Sportchef, der in den letzten Minuten auf der Tribüne vor Aufregung seinen Kaugummi zermalmt hatte, stürmte die Treppen hinunter auf den Rasen und herzte jeden einzelnen Bremer. „Ich bin sehr, sehr erleichtert“, gestand der 48-Jährige wenig später: „Nicht nur, weil wir gewonnen haben. Sondern weil die Mannschaft sich belohnt hat.“

Genau darum mussten alle bis zum Schlusspfiff zittern, denn Werder hatte den Sack nicht zugemacht. „Das ist heute der einzige Kritikpunkt“, meinte Kapitän Clemens Fritz. Der eingewechselte Fin Bartels vergab eine riesige Konterchance (84.), als er an Keeper Yann Sommer scheiterte. Und der ebenfalls eingewechselte Felix Kroos verschoss nach Foul an Assani Lukimya und der Gelb-Roten Karte gegen Gladbachs Granit Xhaka einen Elfmeter (87.). All das bei der Zitterführung von 2:1.

Doch letztlich reichte es, sehr zur Freude von Trainer Viktor Skripnik. „Ich bin glücklich und stolz auf die Jungs. So kommt erst gar kein Gerede über einen Fehlstart auf“, sagte der Ukrainer und ergänzte: „Wir haben heute ab der ersten Minute guten Fußball gespielt.“

Und zwar mit einer Elf, in der es eine dicke Überraschung gab. Linksverteidiger Santiago Garcia, der wegen Patellasehnenproblemen über fünf Monate gefehlt hatte, war nicht nur erstmals wieder im Kader. Der Argentinier stand sofort in der Anfangsformation. Ulisses Garcia rückte eine Position vor – und damit gab es erstmals bei Werder die Garcia-Achse, die gleich funktionierte. „Diese Mischung, das hat teilweise sehr gut geklappt“, fand Skripnik.

Aber auch die anderen Bremer zeigten das, was sie in den ersten beiden Spielen gegen Schalke (0:3) und in Berlin (1:1) so noch nicht gezeigt hatten: Biss, Leidenschaft, Mut. Die Werder-Fans unter den 42100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion waren zufrieden, wie ihr Team den letztjährigen Tabellendritten mit einer konzentrierten und couragierten Leistung dominierte. Und dann waren sie sogar begeistert, als die Hausherren in Front gingen. Aron Johannsson luchste Raffael den Ball ab und bediente Zlatko Junuzovic, der weiterleitete auf Anthony Ujah – und der Nigerianer machte es clever, nutzte das herausgestreckte Bein von Marvin Schulz. Elfmeter für Werder! Johannsson trat an, verlud Sommer eiskalt und schob flach rechts rein – 1:0 (39.). Für den US-Isländer war’s das erste Tor im Werder-Trikot. „Ich habe mich von Anfang an sicher und selbstbewusst gefühlt, deshalb habe ich mir den Ball geschnappt“, erklärte der 24-Jährige.

Die Noten der Werder-Spieler

Felix Wiedwald: Was für starke Paraden, was für gute Abwürfe, was für eine selbstbewusste Ausstrahlung – dieser Torwart bringt Punkte! Note 2 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Es geht aufwärts für den rechten Verteidiger. Sehr aggressiv, manchmal eine echte Klette. Vor dem 1:1 will er noch retten und sieht dann unglücklich aus. Nach vorne war es okay. Note 3 © nordphoto
Assani Lukimya: Gewann nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe und ließ sich beim Gegentor düpieren. Aber so schlecht war der Innenverteidiger gar nicht, und sein Mut zum Kopfball brachte Werder den zweiten Strafstoß. Deshalb gibt es auch die Note 3,5 © nordphoto
Jannik Vestergaard: Fand zu alter Stärke zurück. Hinten kompromisslos, einige gute Diagonalpässe – und nun mit seinem zweiten Tor im Werder-Trikot. Zuvor hatte er es schon per Freistoß probiert und das gar nicht so schlecht gemacht. Note 1,5 © nordphoto
Santiago Garcia: Nach monatelanger Verletzungspause die Überraschung in der Startelf. Weniger überraschend sein Spiel: Leidenschaft pur, offensivgeil und hinten mit Problemchen. Die fehlende Spielpraxis war auch nicht zu übersehen, insgesamt ein ordentliches Comeback. Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede: Bester Mann auf dem Platz in Halbzeit eins. Attackierte als Sechser sehr weit vorne, war extrem aggressiv und damit sehr erfolgreich. Zugleich spielfreudig mit klugen Pässen, einmal sogar per Hacke. Nach 75 Minuten platt, aber clever genug, sich und sein Team über die Zeit zu retten. Note 2 © nordphoto
Clemens Fritz: Kein Bremer lief so viel wie der Kapitän (11,2 Kilometer), keiner spielt so clever wie er. Provoziert Fouls und manchmal auch nur den Schiedsrichter-Pfiff – wie bei der ersten unberechtigten Gelben Karte für Xhaka. In allen anderen Bereichen maximal Durchschnitt, deshalb gibt es die Note 3 © nordphoto
Ulisses Garcia (bis 77.): Wer so offensiv verteidigt, landet automatisch irgendwann im Mittelfeld, damit das Risiko für die Mannschaft sinkt. Der Plan ging auf. Der 19-Jährige spielte sehr forsch und mutig, manchmal aber zu wild, damit machte er sich so manche Aktion kaputt. Note 3,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic (bis 86.): Der Österreicher wollte sich in Topform zwingen. Lief sich die Lunge aus dem Hals, was ihm als Spielmacher nicht immer gut tat. Seine Standards waren zunächst mäßig, bis eine Ecke Vestergaards Kopf fand – 2:1. Fazit: Junuzovic hat sich zurückgekämpft. Note 3 © nordphoto
Aron Johannsson (bis 70.): Ein Balldieb und ein eiskalter Vollstrecker. Stark wie er vor dem ersten Elfmeter die Kugel erkämpfte und den Strafstoß ganz cool versenkte. Der US-Nationalspieler kann aber auch richtig gut kicken, das Zusammenspiel mit den Kollegen wird besser, manchmal fehlte noch das Feintuning. Note 2,5 © nordphoto
Anthony Ujah: Kein Tor! Na und? Trotzdem klasse! Elfmeter rausgeholt, acht Mal aufs Tor geschossen, die Kollegen toll eingesetzt, zweikampfstark. Gegen diesen Ujah will bald keiner mehr spielen. Note 2 © nordphoto
Fin Bartels (ab 70.): Chance super erlaufen, Chance bitter vergeben (84.). Wenn er nur mehr treffen würde… Note - © nordphoto
Felix Kroos (ab 77.): Noch ein Joker, der nicht traf – und das vom Elfmeterpunkt. Ansonsten spielte er sehr abgeklärt. Note - © nordphoto
Alejandro Galvez (ab 86.): Brachte den Vorsprung sicher mit über die Zeit. Note - © nordphoto

Lange freuen konnten sich die Bremer darüber jedoch nicht. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit ließen sie Gladbach ein Mal kombinieren, das bestrafte Lars Stindl mit einem Schuss ins kurze Eck – 1:1.

Ärgerlich für die Gastgeber, doch sie schlugen nach der Pause schnell zurück. Nach Junuzovics Eckball-Chip auf den ersten Pfosten war Jannik Vestergaard per Kopf zur Stelle und traf wuchtig zum 2:1 (53.) – der erste Bremer Saisontreffer nach einer Standardsituation. „Natürlich ist das schön, ich bin glücklich“, sagte Vestergaard – und Fritz scherzte: „Von einem, der zwei Meter groß ist, erwarte ich das auch.“

Werder feiert den ersten Saisonsieg

Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto
Werder Bremen bezwingt Borussia Mönchengladbach mit 2:1 © nordphoto

Bevor die Bremer jubeln durften, mussten sie aber einige bange Momente überstehen. Denn Gladbach, lange Zeit erschreckend harmlos, hatte noch mehrere Hochkaräter. Erst schoss Patrick Herrmann vorbei (61.), dann parierte Werder-Keeper Felix Wiedwald sehr stark gegen den eingewechselten Andre Hahn (74.). Weil Bartels und Kroos anschließend eben nicht das entscheidende 3:1 machten, blieb es bei fantastischer Atmosphäre extrem spannend. Bis Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) die Bremer mit seinem letzten Pfiff erlöste.

mr

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare