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Ex-Werder-Torhüter Jürgen Rollmann ist seit einigen Wochen Sportdirektor des Deutschen Darts-Verbandes.

Neues Hobby und neuer Job für Ex-Werder-Torwart

Jürgen Rollmann spielt jetzt Darts-Bundesliga

Offenbach - Als Torwart hat Jürgen Rollmann in der Fußball-Bundesliga gespielt, stand beim Bremer Europapokalsieg im Finale 1992 im Werder-Kasten. 24 Jahre nach dem Ende seiner Fußball-Karriere spielt er wieder in der Bundesliga.

Der 52-Jährige ist als Spieler des DC Daltons Hirzenhain in die Darts-Bundesliga aufgestiegen. Der in Lorbach (Kreis Büdingen) lebende Rollmann hat sein Hobby sogar zum Beruf gemacht und ist seit wenigen Wochen Sportdirektor des Deutschen Dart-Verbandes. Kurz vor Beginn der Darts-Weltmeisterschaft in London sprach Jochen Koch für die Offenbach Post und die DeichStube mit Jürgen Rollmann.

Sie spielen jetzt in der Darts-Bundesliga - wie kam es dazu?

Jürgen Rollmann: Mitte 2014 habe ich mir in meinem Haus einen Partyraum, mein Rolly Pally, eingerichtet, einen Dart-Automaten und eine Steel-Dart-Scheibe gekauft und angefangen zu üben. Irgendwann habe ich dann Spieler aus dem Büdinger Raum kennengelernt, die mich in ihre E-Darts-Mannschaften aufgenommen haben. Und beim DC Daltons sind viele sehr erfahrene Spieler aktiv, mit denen zusammen Anfang 2018 der Aufstieg in die Bundesliga Hessen, eine von fünf Bundesligen in Deutschland, geglückt ist.

Was ist der Reiz am Darts-Sport?

Rollmann: Es ist irgendwie einfach, aber doch so schwer - vor allem, wenn es um die Konstanz geht! Jeder kann drei Pfeile auf die Scheibe werfen. Aber nur wenige treffen konstant eine hohe Punktzahl. Sich verbessern zu wollen, der Wettkampfcharakter, mit jungen Leuten im Austausch zu bleiben. Das macht für mich den Reiz aus.

Wie oft muss man als Bundesliga-Spieler trainieren?

Rollmann: Müssen tut man gar nicht. Aber um mitzuhalten gegen die Cracks, und da sind viele Cracks unterwegs, geht ganz ohne Training nichts.

1992 feierte Jürgen Rollmann mit Werder Bremen den Triumph im Europapokal der Pokalsieger.

Wo und wie trainieren Sie? Mit der Mannschaft? Auch individuell?

Rollmann: Alle Mannschaftsmitglieder wohnen verstreut, so dass ein Teamtraining gar nicht möglich ist. Zusammen „trainiert“ wird dann im Rahmen von Spielen der zweiten Mannschaft, für die fast alle Bundesliga-Spieler ebenfalls gemeldet sind, Turnieren oder Freundschaftsspielen. Da ich einen Automaten zu Hause habe, lade ich mir gerne Trainingspartner ein.

Wie muss man sich einen Bundesliga-Wettkampf vorstellen? Im Hinterzimmer einer Kneipe, Zigarettenrauch, ein paar Bierchen für die ruhige Hand?

Rollmann: Ein Bundesliga-Wettkampf beim E-Dart unterscheidet sich grundsätzlich nicht groß von Spielen in unteren Ligen. Aber: Viele Vereine haben sich tolle Spiellokale eingerichtet, in denen teilweise Rauchverbot herrscht, und die nichts mit Kneipen-Hinterzimmern zu tun haben.

Was ist der Unterschied von E-Darts zum „normalen“ Darts-Sport, dem Steel-Darts?

Rollmann: Bei Wurftechnik und Abstand zum Board gibt es keine Unterschiede, weshalb viele Spieler sowohl als auch spielen. Beim Steel-Darts muss in der Regel selbst gezählt werden, man braucht einen sogenannten Schreiber. Und es zählen nach drei Würfen nur die Pfeile, die im Board stecken geblieben sind. Beim E-Dart kann man eine 180 werfen, ohne dass zum Schluss ein Pfeil steckt.

Haben sie schon einmal den perfekten Durchgang, den Neun-Darter, geschafft?

Rollmann: Nein. Zwei 11er-Durchgänge waren bislang das höchste der Gefühle.

Sie haben nach ihrer Profikarriere als Journalist gearbeitet, waren Pressesprecher der Bayern-SPD, von 2003 bis 2006 WM-Koordinator der Bundesregierung, und dann im Jahr 2012 Manager des Bundesligisten FC Augsburg. Seit wenigen Wochen sind Sie Sportdirektor des DDV, des Deutschen Darts-Verbandes. Wie kam es dazu?

Rollmann: Ganz einfach: Vor einigen Monaten habe ich die Stellenanzeige gesehen, mich bemerkbar gemacht und wurde eingestellt.

Was sind Ihre Aufgaben und Ziele?

Rollmann: Der Deutsche Dart-Verband (DDV) ist seit 2010 Mitglied im DOSB und hat in 2018 erstmals vom Bundesministerium des Innern öffentliche Gelder bekommen, um seine Spitzenspieler noch besser fördern zu können. Dazu wurde ein Strukturplan erstellt, der jetzt vom neuen Sportdirektor und dem ebenfalls neu installierten Bundestrainer umgesetzt werden muss. Dazu leite ich das neue DDV-Büro im Haus des Deutschen Sports in Frankfurt, das wir Anfang Dezember eingeweiht haben.

Wann wird Darts olympische Sportart?

Rollmann: Diese Idee hat viele Sympathisanten, ist in der Umsetzung aber ein komplizierter Prozess, bei dem der Dart-Weltverband WDF voran gehen muss. Der neue DDV-Präsident Michael Sandner hat einen entsprechenden Antrag vor wenigen Wochen beim WDF eingebracht, um die Anerkennung durch das IOC formal anzugehen. Hier sind Nachdruck und Geduld gefordert.

Dieter Burdenski hat sich einen Fußballverein in Polen gekauft, Tim Wiese wollte als Wrestler Karriere machen, Sie spielen Darts-Bundesliga. Hat man als ehemaliger Werder-Torhüter automatisch ein Faible für spezielle Hobbys?

Rollmann: Das ist nicht zu vergleichen. Budde ist geschäftlich seit vielen Jahren im Fußball unterwegs. Wrestling ist kein Hobby, sondern Leistungssport. Darts ist kein spezielles Hobby - sondern eine Boomsportart, bei der ich, wie Hunderttausende in Deutschland, mitmache.

Am Donnerstag beginnt die Darts-WM in London. Gespielt wird auch samstags, zur besten Bundesligazeit. Was werden Sie live im Fernsehen schauen: Darts-WM oder Fußball-Bundesliga?

Rollmann: Sollte die Partie eines deutschen Spielers in London parallel zu einem Fußball-Spiel übertragen werden - Darts!

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