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Kevin Möhwald spricht im Interview mit der DeichStube über die Konkurrenz bei Werder Bremen und das Wiedersehen mit dem 1. FC Nürnberg.

Werder-Profi vor Wiedersehen mit 1. FC Nürnberg

Möhwald im Interview: „Ich bin in der Hierarchie nach oben geklettert“

Bremen – Schon vor dem Hinspiel hatte er darauf gehofft, wollte unbedingt gegen die alten Kollegen auf dem Platz stehen – geklappt hat es allerdings nicht: Kevin Möhwald stand bei Werders 1:1 gegen seinen Ex-Club 1. FC Nürnberg nicht im Kader.

Das soll nun, beim Rückspiel in Nürnberg, anders werden. Im Interview mit der DeichStube verrät Möhwald, warum er mit seiner Entwicklung bei Werder trotz bisher erst zehn Einsätzen so zufrieden ist, wie sehr er noch mit den alten Kollegen zittert – und was es für einen Profi bedeutet, bei einem Verein mit großer Tradition zu spielen.

Herr Möhwald, was sagt Ihnen die Zahl 120 in diesen Tagen?

Natürlich 120 Jahre SV Werder! Das hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder?

Respekt, Sie sind gut vorbereitet. Werden Sie den Geburtstag des Vereins am Montag feiern?

Nein, nein – wir Spieler haben noch keinen Grund zu feiern.

Sie haben in Ihrer Karriere immer für Traditionsclubs gespielt – erst Rot-Weiß Erfurt, dann 1. FC Nürnberg, jetzt Werder Bremen. Spürt man dabei auch so etwas wie die Last der Geschichte?

Ein bisschen schon. In Nürnberg hat man durchaus damit zu kämpfen, dass der Verein früher mal sehr erfolgreich war. Da gibt es dann im Umfeld oft dieses Schwarz-Weiß-Denken – wie bei so vielen Traditionsclubs. Läuft es gut, ist es extrem geil, wenn nicht, dann kann es auch mal ungemütlich werden. In Bremen ist das anders. Hier wird die Mannschaft auch zu 100 Prozent unterstützt, wenn es mal nicht so gut läuft.

Warum ist das in Bremen so?

Das habe ich noch nicht herausgefunden, aber es ist extrem geil. Die Fans haben ein super Gespür für Spielsituationen – gerade für schwierige. Dann ist plötzlich das ganze Stadion da und feuert uns an.

Der 1. FC Nürnberg ist Tabellenletzter – wie sehr leiden Sie mit?

Ich schaue fast jedes Spiel. Da sind schon einige Freundschaften entstanden. Es ist wirklich schade, wo sie stehen. Aber die anderen Mannschaften sind noch nicht weit weggezogen, es ist noch alles möglich. Sie müssen nur bald die Kurve bekommen – also ab dem übernächsten Spiel.

Sie sind seit Ihrer Nürnberger Zeit eng mit Tim Leibold befreundet. Wie bewahren Sie diese Freundschaft im harten Fußball-Geschäft und speziell nach Ihrem Wechsel?

Wir schreiben uns regelmäßig, telefonieren oft nach den Spielen. Und wir reden nicht nur über Fußball. Ich freue mich, ihn am Wochenende mal wiederzusehen. Wir haben drei Jahre lang zusammengespielt, haben die Relegation gespielt, sind aufgestiegen – das schweißt schon zusammen.

Gibt es den Plan, irgendwann mal wieder in demselben Verein zu spielen, haben Sie ihm schon Bremen schmackhaft gemacht?

Noch nicht. Es wäre natürlich schön, wenn wir wieder das gleiche Trikot tragen würden. Tim ist ein guter Spieler. Schauen wir mal...

Tim Leibold ist im Sommer in Nürnberg geblieben, Sie sind trotz des Aufstiegs gewechselt – haben Sie gar kein schlechtes Gewissen?

(lacht) Nein, er hat mich und meine Beweggründe verstanden. Ich wollte mal etwas Neues machen, andere Reize setzen. Und ich bin mit meinem Weg sehr zufrieden.

Sie haben bislang in der Bundesliga erst drei Mal in der Startelf gestanden. Was müssen Sie tun, um an dem gesetzten Mittelfeld-Trio Philipp Bargfrede, Davy Klaassen und Maximilian Eggestein vorbeizukommen?

Ich muss mich einfach weiter steigern und das umsetzen, was mir Trainer Florian Kohfeldt mitgibt. Da wäre zum Beispiel das Defensivverhalten, bei dem ich manchmal vielleicht einen noch zu offensiven Gedanken habe. Der Trainer hat mir in den ersten Monaten gesagt, dass ich Geduld brauche. Das wurde belohnt. Am Ende der Hinrunde durfte ich zeigen, dass ich der Mannschaft helfen kann.

Wurde Ihnen ein bisschen zum Verhängnis, dass Rekordeinkauf Klaassen sehr erfahren und Maximilian Eggestein leistungsmäßig explodiert ist?

Unser Mittelfeld funktioniert wirklich richtig gut. Wir spielen einen sehr guten Fußball, haben ein gutes Übergangsspiel. Die Jungs sind torgefährlich, arbeiten gut nach hinten. Da haben wir eine sehr hohe Qualität. Und die bringt auch mich weiter. Deshalb habe ich mich in diesem halben Jahr weiterentwickelt. Ich bin schon besser geworden, aber ich muss noch besser werden, um die Anderen zu überholen. Aber das macht doch Spaß!

Weniger Spaß hat es bestimmt gemacht, im Hinspiel gegen Ihren Ex-Club nur auf der Tribüne zu sitzen.

Das war schon ein Moment, in dem ich schlucken musste. Da habe ich ein paar Stunden gebraucht, um mich wieder voll auf das Training zu fokussieren. Das ist mir aber gelungen, die Geschichte ist längst abgehakt. Diesmal bin ich hoffentlich dabei.

Können Sie Florian Kohfeldt Tipps geben, wie der 1. FC Nürnberg spielt?

Das ist doch heutzutage gar nicht mehr nötig, weil die Gegner-Analysen so umfangreich sind. Es ist alles gläsern, da werde ich als Informant nicht gebraucht (lacht).

Dann geben Sie doch zumindest uns einen Einblick: Was zeichnet das Spiel der Nürnberger aus?

Sie befinden sich als Aufsteiger in einer brenzligen Tabellensituation und versuchen trotzdem, einen spielerischen Weg zu finden. Das ist schon etwas Besonderes. Leider haben sie das in dieser Saison schon mehrfach teuer bezahlt. Das ist wirklich schade, denn ich mag diesen Ansatz.

„Ich bin schon besser geworden, aber ich muss noch besser werden, um die Anderen zu überholen“, sagt Kevin Möhwald über den Konkurrenzkampf im Werder-Mittelfeld.

Haben Sie sich deshalb auch für Bremen entschieden, wo Kohfeldt Fußball spielen und nicht nur arbeiten lässt?

Ja! Und hier ist das ganze Trainingsniveau noch mal eine Stufe höher. Daran musste ich mich auch erst gewöhnen.

Was machen Sie, wenn sich Ihre Situation bis Sommer nicht ändert, Sie auch in der neuen Saison aus der zweiten Reihe starten müssten?

Das sehe ich anders. Ich bin in der sportlichen Hierarchie schon nach oben geklettert. Deswegen mache ich mir über etwas Anderes keine Gedanken. Ich bin sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Das war nicht immer einfach, aber dadurch habe ich mich menschlich und sportlich weiterentwickelt. Genau das wollte ich ja auch.

Es gibt Gerüchte, dass Borussia Mönchengladbach Max Kruse zurückholen will. Machen Sie sich Sorgen, dass Werder den Kapitän verlieren könnte?

Max ist ein extrem wichtiger Spieler. Das hat er jetzt noch mal nachhaltig unter Beweis gestellt. Aber eigentlich weiß das doch ganz Fußball-Deutschland. Wenn so ein Spieler dann im Sommer ablösefrei zu haben ist, beschäftigen sich logischerweise einige Clubs damit und es gibt Gerüchte. Max weiß, dass wir gerne noch länger mit ihm spielen würden. Und ich weiß, dass ihm viel an Werder liegt, und bin deshalb auch guter Dinge, dass er bleibt.

Wie versucht die Mannschaft, ihn zu beeinflussen?

Wir lassen ihn im Tischtennis gewinnen (lacht).

Wird das reichen?

Wahrscheinlich nicht (lacht). Die Entscheidung muss er ganz alleine treffen. Man sieht doch, dass sich hier etwas entwickelt. Wenn sich das nun auch noch in der Tabelle widerspiegelt, dann sind das sicher gute Argumente. Also müssen wir einfach nur fleißig Punkte sammeln...

Könnte eine vorzeitige Vertragsverlängerung der Mannschaft jetzt einen Schub verleihen?

Der Mannschaft nicht, wir wissen ja, dass er mindestens bis zum Sommer bleibt. Aber das könnte schon ein gutes Zeichen sein, dass sich hier wirklich etwas entwickelt. Für die Stimmung in der Stadt wäre es sicherlich auch gut, die Euphorie würde noch größer.

Zum Abschluss noch mal zurück zur 120: Sie haben bislang zehn Bundesliga-Spiele absolviert, wann und wo werden Sie die Nummer 120 erleben?

(lacht) Gute Frage, da muss ich kurz rechnen: In dreieinhalb Jahren – am liebsten für Werder, ist doch klar!

Kevin Möhwald: Seine Karriere in Bildern

Kevin Möhwald, Jahrgang 1993, spielt zumeist im zentralen Mittelfeld und steht bei Werder Bremen bis 2021 unter Vertrag.
Kevin Möhwald, Jahrgang 1993, spielt zumeist im zentralen Mittelfeld und steht bei Werder Bremen bis 2021 unter Vertrag. © imago
Der gebürtige Erfurter durchlief die Jugend von Rot-Weiß Erfurt und wurde dort Profi.
Der gebürtige Erfurter durchlief die Jugend von Rot-Weiß Erfurt und wurde dort Profi. © imago
Möhwald kam zwischen 2011 und 2015 bei RWE zu 103 Spielen in der Dritten Liga und zwölf Toren.
Möhwald kam zwischen 2011 und 2015 bei RWE zu 103 Spielen in der Dritten Liga und zwölf Toren. © imago
Zwischen 2015 und 2018 spielte Möhwald für den 1. FC Nürnberg in der Zweiten Liga. Seine Bilanz: 87 Liga-Spiele, zwölf Tore, 23 Assists.
Zwischen 2015 und 2018 spielte Möhwald für den 1. FC Nürnberg in der Zweiten Liga. Seine Bilanz: 87 Liga-Spiele, zwölf Tore, 23 Assists. © imago
In der Saison 2017/18 schaffte Möhwald mit Nürnberg den direkten Aufstieg in die Bundesliga. Danach gab er seinen Wechsel zu Werder Bremen bekannt.
In der Saison 2017/18 schaffte Möhwald mit Nürnberg den direkten Aufstieg in die Bundesliga. Danach gab er seinen Wechsel zu Werder Bremen bekannt. © imago
Möhwald bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen.
Möhwald bei seiner offiziellen Vorstellung in Bremen. © gumzmedia
Der Mittelfeldmann bei einem seiner ersten Testspiele in Grün und Weiß.
Der Mittelfeldmann bei einem seiner ersten Testspiele in Grün und Weiß. © gumzmedia
Möhwald gab in Augsburg Ende September 2018 sein Bundesligadebüt für den SVW. 
Möhwald gab in Augsburg Ende September 2018 sein Bundesligadebüt für den SVW.  © imago/kolbert-press
Gegen Fortuna Düsseldorf erzielte Möhwald im Dezember 2018 mit einem sehenswerten Distanzschuss sein 1. Bundesliga-Tor.
Gegen Fortuna Düsseldorf erzielte Möhwald im Dezember 2018 mit einem sehenswerten Distanzschuss sein 1. Bundesliga-Tor. © gumzmedia

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