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Zum dritten Mal stehen sich am Samstag in Berlin Werder Bremen und der FC Bayern München im Finale des DFB-Pokals gegenüber

Kleine Stichelein heizen vor dem Finale an

Bremen/München - Lemke gegen Hoeneß, arm gegen reich, Werder gegen Bayern - die alten Geschichten, Klischees oder Schlagworte beflügeln noch immer. „Es gibt nichts schöneres, als gegen Bayern zu gewinnen“, frotzelte Werder-Kapitän Torsten Frings vor dem Pokal-Endspiel am Samstag in Berlin:

„Nichts schwereres, aber auch nichts schöneres.“ Der Konter aus München ließ nicht lange auf sich warten. „Das schönste, was es gibt, ist in seinem ersten Jahr DFB-Pokalsieger gegen Bremen zu werden“, meinte Bayerns Saison-Aufsteiger Thomas Müller am Mittwoch mit einem Augenzwinkern.

Der Weg der Bayern ins Finale:

SpVgg Neckarelz (A) 3:1

Rot-Weiß Oberhausen (H) 5:0 

Eintracht Frankfurt (A) 4:0 

SpVgg Greuther Fürth (H) 6:2

FC Schalke 04 (A) 1:0 n.V.

Frings verwies bei der Verteilung der Favoritenrolle auf die Millionen-Transfers der Münchner. „Man muss ja sehen, was Bayern zuletzt investiert hat.“ Der Werder-Antreiber mit Münchener Vergangenheit spricht mit großem Respekt von den Bayern, hat aber wie auch Nationaltorwart Tim Wiese offensichtlich Spaß an kleinen Sticheleien - wie auch Müller. „Das gehört einfach dazu.“

München nimmt den Favoriten-Status an, Bremen fühlt sich in der Außenseiterrolle wohl. „Von uns redet keiner“, sagte Frings und schob genüsslich nach: „Das ist auch gut so. Umso mehr sind wir heiß auf dieses Spiel.“ Und dann erinnerte er an alte Zeiten, als noch Willi Lemke mit klassenkämpferischen Parolen den Nord-Süd-Konflikt anheizte und Uli Hoeneß zurückschoss. „Alle reden nur von Bayern, uns hat keiner auf dem Plan. Das war 1999 auch so, da war es auch nur ein Frage des Ergebnisses, wie hoch wie verlieren.“

Werders Weg in das Pokalfinale

Der Weg in das Pokalfinale

Einen lockeren Start verlebten Per Mertesacker und Naldo in der ersten Runde des DFB-Pokals. © Nordphoto
Gegen Zweitliga-Aufsteiger Union Berlin hieß es am Ende 5:0. Kurios dabei: Vier der fünf Treffer erzielten Spieler, die mittlerweile nicht mehr im Kader stehen. © Nordphoto
Boubacar Sanogo und Marcelo Moreno gelang jeweils ein Doppelpack, den fünften Treffer erzielte Naldo. © Nordphoto
Ein harter Kampf stand in Runde 2 an. Im Weserstadion empfing Werder den FC St. Pauli. © Nordphoto
Aaron Hunt brachte die Gastgeber früh in Führung, der Bundesliga-Aufsteiger zur Saison 2010/2011 gab aber nie auf und erzielte in der 75. Minute den Ausgleich. © Nordphoto
In einer hart umkämpften Schlussphase gelang Naldo in der 82. Minute der Siegtreffer. © Nordphoto
Gegen den zweiten Aufsteier in die erste Liga hatten die Bremer dagegen weniger Mühe. © Nordphoto
Während Marko Marin glücklos blieb, sorgten Petri Pasanen, Tim Borowski und Torsten Oehrl für einen verdienten 3:0-Sieg © Nordphoto
Während die Bremer in der Vorsaison nicht ein einziges Heimspiel im Pokal hatten, gab es in dieser Saison gleich vier Duelle vor heimischem Publikum. © Nordphoto
Anfang Februar wartete die TSG 1899 Hoffenheim auf Bremen. © Nordphoto
Die Führung durch Naldo glich Prince Tagoe aus, die Gäste durften sich aber nciht alnge darüber freuen. © Nordphoto
Hugo Almeida gelang nur drei Minuten nach dem Ausgleich das Tor zum 2:1-Endstand. © Nordphoto
Volle Konzentration auf einen weiteren potentiellen Aufsteiger: Im Halbfinale empfing Werder Bremen Ende März den FC Augsburg. © Nordphoto
Marko Marin und Claudio Pizarro schossen Werder zu einem 2:0-Sieg und ins Finale. © Nordphoto
Ganz chancenlos waren die Gäste allerdings nicht und hatten bei einem Pfostentreffer viel Pech © Nordphoto

Werder aber gewann das Pokal-Finale vor elf Jahren im Elfmeterschießen. Es war der erste Titel unter Trainer Thomas Schaaf. Damals war der Münchner Triple-Traum nach dem tränenreichen Champions-League-Finale von Barcelona gerade geplatzt. Diesmal wollen sie einen Schub für das Endspiel in Madrid.

„Bayern ist momentan die beste Mannschaft“, sagte Werder-Keeper Wiese, um gleich nachzuschieben: „Aber wenn du vor der Saison 65 Millionen investierst ist das auch kein Wunder.“ Die unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen scheinen auch für den Bremer Tormann eine zusätzliche Motivation: „Wenn wir gewinnen, ist es umso schöner.“

Der Weg der Bremer ins Finale:

1. FC Union Berlin (A) 5:0 

FC St. Pauli (H) 2:1

1. FC Kaiserslautern (H) 3:0 

1899 Hoffenheim (H) 2:1 

FC Augsburg (H) 2:0 (1:0)

Natürlich sind die Bremer längst keine armen Schlucker mehr - weder die Spieler noch der Verein. Immerhin erwirtschaftete die Werder Bremen GmbH & Co KG aA im abgelaufenen Geschäftsjahr stattliche 120,7 Millionen Euro. Und sportlich haben sich die Bremer in den vergangenen Jahren als Nummer zwei hinter den Bayern etabliert, die zuletzt einen Umsatz von 268,7 Millionen Euro aufwiesen.

Nach der Krise im Winter hat der Pokalsieger des Vorjahres den Sprung in die Champions-League-Qualifikation noch geschafft. Vor allem diese Aufholjagd hat auch den Bayern imponiert. „Die haben im Saisonendspurt zu ihrer alten Stärke gefunden“, lobte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger.

Und auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hob den „großen Respekt“ vor Werder hervor. „Das wird kein einfaches Spiel“, sagte Rummenigge und versicherte mit Blick auf den von Frings eingeforderten Champagner für den Bremer Bundesliga-Sieg gegen Schalke: „Er hat ja mal ein Jahr hier gespielt und weiß, dass wir immer großzügig sind. Er braucht sich keine Sorgen zu machen.“

Spätestens mit dem Anpfiff am Samstag im Berliner Olympiastadion wird das verbale Vorgeplänkel ein Ende haben. Bayern will den nächsten Schritt zum Triple machen, Bremen seinen Saison-Titel holen. „Werder ist in einer sehr, sehr guten Form“, sagte Bayern-Stürmer Ivica Olic. „Das wird nicht einfach.“

Der kroatische Stürmer, der vergangene Saison noch bei Werders Nordrivalen Hamburger SV spielte, hat mit den Bremern noch eine Rechnung offen und daher eine ganz eigene Motivation im Berliner Finale: „Letztes Jahr bin ich im Halbfinale gegen Bremen rausgeflogen. Jetzt habe ich die Chance, dass ich gewinne“, sagte der Angreifer. Olic wartet jedoch noch auf sein erstes Pokaltorin dieser Saison. Eine ganz besondere Geschichte verbindet den Kroaten zudem mit Wiese, der ihn ein Jahr zuvor mit einem „Karate-Tritt“ verletzt hatte.

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