+
Claudio Pizarro hatte viele Spitznamen, dabei war er eigentlich immer nur eines: Fußballer mit ganzem Herzen.

Kommentar zum Pizarro-Abschied

Mit der Aura des Außergewöhnlichen

Der 2. Juli 2017 wird in der Vereinschronik des SV Werder als der Tag eingehen, an dem der Himmel über Bremen grün-weiße Tränen weinte. Denn seit Sonntag ist klar, dass Claudio Pizarro nie mehr das Werder-Trikot tragen wird – außer vielleicht bei seinem Abschiedsspiel, das er mehr als verdient hat und das der SV Werder ihm fest versprochen hat.

Es ist auch das Mindeste, was der Club für einen seiner Größten tun kann. Speziell nachdem in den Wochen zwischen dem Saisonende und der verkündeten Entscheidung ein Nebel der Ungewissheit erzeugt worden war, der der Bedeutung und den Verdiensten des Spielers absolut unangemessen war. 

Nun ist es nicht mehr nur ein Gerücht, sondern Realität, dass Claudio Pizarro bei Werder nicht mehr gebraucht wird. Sportlich ist es ein absolut nachvollziehbarer Entschluss. Pizarro wird bald 39 Jahre alt, er hat schwer mit seinem Körper zu kämpfen. Pizarros gute Tage wurden zuletzt immer seltener. Der Verschleiß hat leider immer größere Happen des Talents gefressen.

Claudio Pizarro: Seine Anfänge beim SV Werder

Hätte der Mann, der mit dem Ball Dinge anstellen kann, die 98 Prozent der Bundesliga-Profis nie lernen werden, also noch eine gute Saison spielen können? Der Bauch will daran glauben, der Kopf schreit nein. Ihn aus rein nostalgischen Gründen noch mal mit einem letzten Vertrag auszustatten, wäre zwar möglich gewesen, aber ein fußballerisches Almosen dieser Art hätte das Denkmal Pizarro nur beschmutzt. 

Schade nur, dass Werder Bremen es nicht geschafft hat, die Trennung von seinem Rekordtorschützen stilvoller zu vollziehen. Nach Wochen des Wartens nun knapp eineinhalb Stunden vor dem Start in die Saisonvorbereitung eine Bekanntgabe zu veröffentlichen, erweckt den Eindruck, als habe der Club das Thema mal eben so mit durchflutschen lassen wollen.

Dabei war es eine einzigartige Beziehung, die über 18 Jahre zwischen Claudio Pizarro und Werder Bremen bestanden hat. Er kam, er ging, er kam, er ging – und er kam nochmal. Immer wieder zurück zum SV Werder, für den er mit 104 Toren so oft in der Bundesliga traf, wie vor ihm kein anderer. Und wie nach ihm vermutlich auch niemand mehr. 

Claudio Pizarro hat sich während seiner Karriere verschiedene wohlwollende Bezeichnungen erworben.Schlawiner, Sonnyboy, Fan-Liebling, Charmeur und Grandseigneur – dabei war er eigentlich immer nur eines: Fußballer mit ganzem Herzen. Ihn umwehte stets die Aura des Außergewöhnlichen. Die Erinnerungen an seine Tricks, Tore und Vorlagen sind golden, die Abschiedstränen grün-weiß.

Pizarros Karriere in Bildern

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare