Werder-Coach Alexander Nouri nach dem Sieg gegen die TSG Hoffenheim: "Der Plan ist aufgegangen"
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Werder-Coach Alexander Nouri nach dem Sieg gegen die TSG Hoffenheim: "Der Plan ist aufgegangen"

Kommentar

Zwei Busse reichen auf Dauer nicht

Werder Bremen hat sich mit einer Defensiv-Taktik für das DFB-Achtelfinale qualifiziert. Die Taktik taugt allerdings nicht zur Dauerlösung meint DeichStuben-Redakteur Björn Knips. 

Es gibt eine ganz einfache Regel im Fußball: Wer gewinnt, hat Recht. Also hat Alexander Nouri Recht. Der Coach war mit seiner extremen Defensiv-Taktik tatsächlich erfolgreich: mit zwei Viererketten – also quasi zwei Bussen vor dem eigenen Tor. Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen zürnte später, dass Werder doch mal für Fußballkultur gestanden habe. So spricht ein schlechter Verlierer.

Aber als großer Gewinner sollte sich Nouri nun auch nicht fühlen. Die Taktik war nämlich alles andere als einfallsreich. Sie erinnerte fast schon an seinen Vor-Vorgänger Robin Dutt, der am Ende seiner Amtszeit sein Heil auch nur noch in der Verteidigung und in langen Bällen suchte. Auf Dauer wird das auch bei Nouri nicht gutgehen. Doch nun heiligte der berühmte Zweck die Mittel. Dazu kam jede Menge Schlachtenglück, wie es so schön heißt. Das haben arg gebeutelte Mannschaften eher selten, aber Werder hatte es sich mit tollem Einsatz durchaus verdient. Diese Tatsache ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis des Abends: Die Spieler zerreißen sich für Werder, schmeißen alles rein – und reißen so das Publikum mit.

Möglicherweise gibt der Sieg das nötige Selbstvertrauen, wieder besser Fußball zu spielen. Belfodil und Co. haben gegen Hoffenheim immer wieder angedeutet, dass sie das durchaus können. Nouri muss nun die richtige Balance finden. Am Sonntag gegen Augsburg kann er Werder nicht wieder so defensiv auflaufen lassen. Denn für den ersten Bundesliga-Sieg reicht es nicht aus, hinten dicht zu machen, auf Keeper Pavlenka, Glück und eine gute Standardsituation zu hoffen. Da ist mehr nötig, vor allem mehr Mut. Es gibt da nämlich noch eine Regel: Angsthasen steigen ab.

Einzelkritik: Pavlenkas Parade bringt Werder ins Ziel

Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5
Jiri Pavlenka: Vor der Pause fast beschäftigungslos, Beim Kramaric-Freistoß half ihm dann die Latte (52.). Ganz stark, wie er artistisch vor Uth rettete (77.). Und noch besser, wie er in der Nachspielzeit den Kopfball von Benjamin Hübner ans Aluminium lenkte. Note 1,5 © nordphoto
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3
Robert Bauer: Hatte zunächst Probleme mit Zuber und dem schnellen Hack. Doch der rechte Verteidiger biss sich in die Partie und agierte danach solide. Note 3 © imago
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5
Niklas Moisander: Selbst unter größtem Druck oder bei einer Rudelbildung blieb der Finne ganz cool. Dirigierte geschickt die Viererkette – ein zuverlässiger Abwehrchef. Aber auch ein Glückspilz, denn seine Aktion gegen Uth hätte Elfmeter geben können (74.). Note 2,5 © nordphoto
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5
Milos Veljkovic (r.): Durfte in der Innenverteidigung für Lamine Sane ran, der geschont wurde. Fand nicht immer den optimalen Zugriff und hatte Schwächen in der Spieleröffnung. Das wurde nach der Pause etwas besser, wenngleich er unglücklich den Latten-Freistoß von Kramaric verursachte. Note 3,5 © imago
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4
Ulisses Garcia: Die große Überraschung in der Startelf. Als linker Verteidiger zunächst mit großen Problemen im Stellungsspiel. Im Glück, dass seine Attacke gegen Demirbay nicht mit Strafstoß geahndet wurde (15.). Im Spiel nach vorne durchaus mit überraschenden Momenten, aber auch mit einem sehr schlechten Abschluss (68.). Note 4 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3
Theodor Gebre Selassie: Mal wieder eine neue Rolle für den Tschechen – und die füllte er im rechten Mittelfeld ganz ordentlich aus. Mit einigen netten Tricksereien und viel Kampf. Aber auch mit einem schlimmen Abspielfehler, der fast das 1:1 gebracht hätte (72.). Note 3 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5
Philipp Bargfrede (bis 63.): Der Abräumer! Machte die Mitte dicht, was gegen die schnellen Hoffenheimer und deren starke Pässe in die Tiefe nicht einfach war. Wie ein Bulle versuchte er, das Bremer Spiel nach vorne zu bringen. Dabei manchmal ein echter Dribbelkünstler. Seine frühe Auswechslung überraschte und kann eigentlich nur körperliche Gründe gehabt haben. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5
Thomas Delaney (bis 82.): Sein Köpfchen wird immer wichtiger für Werder. Erst verpasste er selbst das 1:0 (15.), dann bereitete er es mit seinem Schädel immerhin noch vor (31.). Neben Bargfrede ein zuverlässiger Arbeiter vor der Abwehr und ein echter Stimmungsmacher, legte sich gerne auch verbal mit dem Gegner an. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3
Ludwig Augustinsson: Der linke Verteidiger im linken Mittelfeld. Musste Garcia hinten viel helfen. Nach vorne sehr bemüht, aber blieb mit seinen Flanken oft hängen. Note 3 © nordphoto
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3
Zlatko Junuzovic: Ecke, Tor – 1:0 (31.). Er ist eben Werders Top-Vorbereiter, auch wenn es diesmal wegen Delaneys Kopf keinen Scorerpunkt gibt. Bewegte sich geschickt als hängende Spitze und harmonierte gut mit Belfodil. Note 3 © nordphoto
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2
Ishak Belfodil (60.): Der Stürmer wirkte wie ausgewechselt im Vergleich zum Köln-Spiel. Ab der ersten Minute total engagiert, setzte Junuzovic sofort stark in Szene (6.). Ließ so manchen Hoffenheimer mit seinen Tricks ziemlich alt aussehen, hielt damit als einzige Spitze auch sehr gut die Bälle. Als Belohnung gab es das 1:0, sein erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot (31.). Nouri nahm ihn wohl mit Blick auf Sonntag runter. Note 2 © Gumz
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4
Max Kruse (ab 60.): Konnte den starken Belfodil nicht wirklich ersetzen. Die lange Verletzungspause war ihm deutlich anzumerken. Litt auch darunter, dass seine Kollegen müde wurden. Note 4 © nordphoto
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note -
Maximilian Eggestein (ab 63.): Längst nicht so präsent wie Bargfrede. Note - © imago
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note -
Florian Kainz (ab 82.): Brachte den knappen Vorsprung mit über die Zeit. Note - © Gumz (Archivbild)

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