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Volltreffer? Luca Caldirola hätte nichts dagegen, wenn er in dieser Saison das eine oder andere Tor für Werder erzielen könnte. Noch wichtiger ist es ihm aber, dass es hinten nicht mehr so oft klingelt.

Werder-Profi wünscht sich stabilere Defensive

Caldirola: „Hummels wäre der Abwehrchef“

Bremen - Es ist schon kurios: Bei Interviews mit Luca Caldirola kommt irgendwann immer seine Katze ins Spiel. Und es gibt tatsächlich Neuigkeiten von Rosie.

Caldirola macht sich nicht nur im Internet einen Spaß daraus, über sein Haustier zu berichten. Der 26-Jährige, der 2013 an die Weser gewechselt ist, kann aber auch anders: Der Innenverteidiger erklärt im Gespräch mit der DeichStube, was er sich für die Abwehr wünscht, welche Rolle er dabei bekleidet und wie viele Punkte Werder aus den ersten sechs Bundesliga-Spielen holen sollte.

Herr Caldirola, nach einem Bruch des Sprunggelenks und einem Mittelfußbruch innerhalb eines Jahres die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrem Fuß?

Caldirola: Das war wirklich ein schwieriges Jahr für mich. Aber zum Glück ist das Thema abgehakt. Ich habe keine Schmerzen mehr, konnte eigentlich alle Trainingseinheiten und Spiele mitmachen.

Denken Sie manchmal noch an die Verletzungen?

Caldirola: Jetzt nicht mehr. Als ich vergangene Saison noch die Platte im Fuß hatte, tat das schon weh, wenn ich mal einen Schlag abbekommen habe. Jetzt kann ich alles ohne Probleme machen.

Sie pflegen Ihren Körper auf ganz besondere Weise. Neulich haben Sie ein Bild veröffentlicht, das Sie auf dem Bett liegend in einer Art Raumanzug zeigt. Was haben Sie da gemacht?

Caldirola: Ich habe mich erholt (lacht). Im Prinzip ist das wie eine Eistonne, aber es ist nur Luft. Zum Glück, denn ich kann mir ja zuhause keine Eistonne hinstellen.

Wann nutzen Sie den Anzug?

Caldirola: Nach jedem Spiel – und wenn wir viel trainiert haben. Dann lege ich mich 15 Minuten vor den Fernseher. Deswegen habe ich mir selbst so einen Anzug besorgt, bei Werder gibt es so etwas auch.

Ist das daheim nicht zu gefährlich für Ihre berühmte Katze Rosie, sie könnte versehentlich reinkrabbeln?

Caldirola: (lacht) Nein, nein, obwohl ich jetzt sogar schon zwei Katzen habe.

Wie heißt der Neuzugang?

Caldirola: Athos. Wir wollten schon lange jemanden für Rosie zum Spielen haben, wenn wir mal nicht da sind.

Verstehen sich die Beiden?

Caldirola: Die ersten Tage war Rosie ziemlich sauer, das war schon brutal. Aber jetzt spielen sie gut zusammen.

Werden Sie Athos auch zum Internetstar machen wie Rosie?

Caldirola: (lacht) Vielleicht, schauen wir mal.

Zurück zu Ihnen: Wie fühlen Sie sich?

Caldirola: Noch nicht top. Nach einem Jahr Pause ist das auch klar. Ich bin zufrieden. Ich habe noch zwei Wochen bis zum Pokal.

Niklas Moisander fällt mit seinem Muskelfaserriss drei Monate aus – sind Sie nun der Abwehrchef?

Caldirola: Auf dem Platz fühle ich mich so. Ich gebe viele Kommandos und versuche, zu dirigieren. Aber den einen richtigen Abwehrchef haben wir auch nicht. Das müsste auch ein absoluter Topspieler sein. Also wenn einer wie Mats Hummels kommen würde, dann wäre er der Abwehrchef. Wir sind alle sehr gut, aber wir müssen auch alle um unseren Platz kämpfen.

Ist Moisanders Ausfall Ihre große Chance, sich zu beweisen?

Caldirola: Es ist schon schade für Niklas. Wir sind sehr gute Freunde. Aber so ist der Fußball. Letztes Jahr war ich fast nur verletzt, jetzt fällt Niklas aus.

Trainer Alexander Nouri und Sportchef Frank Baumann wollen eine Soforthilfe als Ersatz für Moisander holen. Das wäre eine neue Konkurrenz für Sie – braucht Werder überhaupt noch einen gestandenen Innenverteidiger?

Caldirola: Ich denke schon. Im Moment sind wir nur drei Innenverteidiger. Verletzt sich einer oder wird einer gesperrt, wird es für die Dreierkette schwierig. Okay, Robert Bauer kann da auch spielen, aber seine Position ist eigentlich weiter rechts.

Was ist mit Jesper Verlaat?

Caldirola: Jesper hat eine gute Vorbereitung gemacht. Auch Julian Rieckmann hat mir gut gefallen, aber er ist erst 17, also noch sehr jung.

Was trauen Sie Ihrer Mannschaft in dieser Saison zu?

Caldirola: Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben die letzten sechs Monate sehr gut gespielt, haben es fast in die Europa League geschafft. Aber jetzt zählt erst mal nur der Start. Die ersten beiden Monate waren hier zuletzt immer etwas problematisch.

DeichStuben-Reporter Björn Knips im Gespräch mit Werder-Profi Luca Caldirola.

Wie soll das gelingen gegen Hoffenheim, Bayern, Hertha, Schalke, Wolfsburg und Freiburg?

Caldirola: Natürlich wird das nicht einfach. Wir müssen hinten stabil stehen und vorne gut arbeiten. Die Qualität haben wir.

Es wirkt bislang so, als würde Werder stabiler stehen.

Caldirola: Das muss auch so sein. Wir haben in den letzten Jahren viel zu viele Gegentore bekommen, waren meistens die schlechtesten. Zehn, 15 Gegentore weniger, besser noch 20 sollten es schon sein. Dann werden wir auch wesentlich mehr Punkte auf dem Konto haben.

Gibt es schon ein Saisonziel?

Caldirola: Wir schauen nur auf die ersten beiden Monate. Laufen die gut, dann kann sich etwas entwickeln.

Welche Punkteausbeute aus den ersten sechs Spielen wäre gut?

Caldirola: 18 (lacht). Zwei Siege, drei Unentschieden – also neun Punkte, das wäre schon ganz gut.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der neue Torwart Jiri Pavlenka. Ist er besser als Felix Wiedwald?

Caldirola: Das weiß ich nicht. Für mich ist es immer schwierig, Torhüter zu beurteilen. Bei Verteidigern ist das kein Problem für mich. Felix hat letzte Saison sehr gut gespielt. Bei Jiri weiß ich es nicht, weil er in Tschechien gespielt hat. Aber bis jetzt hat sich Jiri sehr gut präsentiert.

Sie haben im Test gegen West Ham United getroffen. Das ist eine Seltenheit, in der Bundesliga hat es bei Ihnen für Werder erst einmal geklappt – warum?

Caldirola: Wissen Sie, vor dem West-Ham-Spiel habe ich mich richtig gut gefühlt und zu mir gesagt: ,Dieses Jahr machst du zwei, drei Tore.“ Und am nächsten Tag treffe ich sofort (lacht). Natürlich ist es am wichtigsten für mich, hinten gut zu stehen. Aber drei, vier Tore dürfen es schon sein. Dann wäre ich sehr zufrieden.

Luca Caldirola: Seine Karriere in Bildern

Sie sind vor vier Jahren zu Werder gewechselt, sprechen längst perfekt Deutsch – sind Sie schon ein echter Bremer?

Caldirola: Ja! Das kann man so sagen. Ich fühle mich sehr wohl hier, meine Frau auch, sie arbeitet ebenfalls hier. Bremen ist unser Zuhause.

Lange Zeit war nicht klar, ob Ihr Vertrag verlängert wird. Wie glücklich waren Sie, dass es noch geklappt hat?

Caldirola: Sehr glücklich. Natürlich habe ich auch über einen Wechsel nachgedacht. Das ist normal im Fußball. Aber am Ende war es die beste Entscheidung, hier zu unterschreiben.

Sie haben berichtet, auf Geld verzichtet zu haben. Wie schwer ist Ihnen das gefallen.

Caldirola: Das ist wirklich nicht so einfach. Eine Fußballerkarriere ist nicht so lang, zehn, 15 Jahre. Aber ich denke: Am Ende musst du ein gutes Gefühl haben. Das habe ich in Bremen, meine Frau hat das auch. Deswegen gab es keinen Grund zu wechseln.

Sie sind ja auch ein Publikumsliebling und durch Ihre Aktivitäten im Internet sehr bekannt. Werden Sie oft auf der Straße angesprochen?

Caldirola: Ja, aber zuerst werde ich immer nach meiner Katze Rosie gefragt (lacht). Die Menschen hier sind immer sehr freundlich.

Sie haben während Ihrer Vertragsverhandlungen mal ein grünes Herz bei Twitter gepostet – und die Fans sind ausgerastet, weil sie das als Bestätigung für Ihren Verbleib gedeutet haben.

Caldirola: Das war eine gute Idee von mir, oder? Die Fans sind hier wirklich verrückt, das macht richtig Spaß. So etwas gibt es woanders nicht.

Haben Sie ein grünes Herz?

Caldirola: Ja klar.

Gibt es trotzdem etwas, an das Sie sich in Bremen immer noch nicht gewöhnt haben?

Caldirola: Das Wetter. Es müsste doch nur ein bisschen besser sein. Ich war am Montag kurz in Mailand, da waren 38 Grad. Okay, das war mir auch etwas zu viel. Aber es ist besser, als im Regen spazieren zu gehen (lacht).

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