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Ludwig Augustinsson könnte Werbe-Model für Zahnpasta oder Kinderschokolade sein, ist aber Fußball-Profi – und gewiss kein schlechter.

Augustinsson stellt sich vor

Vorlagenkönig „Ludde“ sucht das nächste Level

Zell am Ziller - Hans Carl Ludwig Augustinsson ist ein smarter Typ. Obwohl er einen Namen trägt, der auch zu einem älteren Herrn mit Gehstock und Zylinder passen würde, ist er doch alles andere als aus der Zeit gefallen.

So wie er aussieht - blond, braungebrannt, sympathisches Lachen – , könnte er auch Surflehrer sein. Oder Werbe-Model für Hautcreme, Zahnpasta, Versicherungen, Kinderschokolade. Aber Hans Carl Ludwig Augustinsson ist Fußball-Profi – und gewiss kein schlechter, das lässt sich schon nach nur wenigen Tagen beim SV Werder über den Schweden urteilen.

Augustinsson hatte bei seinem 45-Minuten-Einsatz im Testspiel gegen Ajax Amsterdam einen starken Eindruck gemacht. Der Linksverteidiger zeigte das, weshalb Werder ihn für drei Millionen vom FC Kopenhagen verpflichtet hatte. Sicherheit nach hinten, Zug nach vorne – wenngleich entscheidende Aktionen nicht dabei waren. Aber die werden kommen, verspricht der 23-Jährige: „In Kopenhagen habe ich eine Menge Torvorlagen geliefert. Das ist ein wichtiger Teil meines Spiels, und das will ich auch für Werder machen. Du kannst im modernen Fußball nicht nur Außenverteidiger sein, du musst auch Vorlagen liefern, das ist sehr wichtig“, sagt Augustinsson.

Augstinsson wie Delaney: Selbstbewusst, aber nicht überheblich

In 108 Pflichtspielen für den FC Kopenhagen hat er 37 Assists geliefert – eine beachtliche Zahl. Und eine große Freude für den Schweden: „Ich mag es sehr, mich in die Offensive einzuschalten, das macht am meisten Spaß.“ Sein Vorbild? Eigentlich niemand, aber Marcelo von Real Madrid ist für ihn der Inbegriff eines Linksverteidigers: „Seine Offensivqualität ist unglaublich. Er ist der Beste.“

Was im Gespräch mit Ludwig Augustinsson auffällt, ist, dass er ähnlich wie sein Ex- und Jetzt-wieder-Teamkollege Thomas Delaney eine angenehme Art des Selbstvertrauens besitzt. Er ist überzeugt von sich, aber nicht überheblich. Er ist deutlich, aber nicht marktschreierisch. Er sieht sich als „kompletten Spieler“, jedoch nicht als fertigen Spieler. „Ich bin zu Werder gekommen, um mich weiterzuentwickeln und das nächste Level zu erreichen“, erklärt er beispielsweise.

An dieser Aussage hängt mehr, als man zunächst glauben möchte. Denn Augustinsson gibt vor, bessere Angebote ausgeschlagen zu haben, weil er Werder Bremen und die Bundesliga als den perfekten Ort für sich sieht, um das eigene Spiel besser zu machen. „Ich spiele nicht für Geld“, beteuert er, „ich möchte mich wirklich weiterentwickeln und das nächste Level erreichen.“

Bisher kennt Ludwig Augustinsson nur die schwedische und die dänische Liga. Er hat sechsmal in der Champions League gespielt, viermal in der Europa League und achtmal ist er bislang in Schwedens Nationalteam aufgelaufen. Aber eine volle Saison in der Bundesliga – das sieht er als Herausforderung: „Du merkst es im Training sofort, dass es ein höheres Tempo ist. Hier gibt es mehr Mann-gegen-Mann-Duelle, ein höheres Tempo, mehr Druck auf den Gegenspieler, eine höhere individuelle Qualität.“

Wird Augustinsson ein riesengroßes Schnäppchen?

Seine individuelle Qualität schätzen Werder-Trainer Alexander Nouri und Sportchef Frank Baumann extrem hoch ein. Auch die Fans sehen in Augustinsson bislang den Königstransfer des Sommers. Vielleicht wird man über Ludwig Augustinsson irgendwann mal sagen, dass er das größte Schnäppchen aller Zeiten war. Denn dass für Schweden auf dem internationalen Markt extreme Preise zu erzielen sind, zeigt das Beispiel Victor Lindelöf. Mit dem Innenverteidiger war Augustinsson vor zwei Jahren gemeinsam U21-Europameister geworden, mittlerweile spielen sie beide im A-Nationalteam. Lindelöf wechselte aber gerade für 35 Millionen Euro Ablöse von Benfica Lissabon zu Manchester United. Augustinsson war per Klausel für drei Millionen zu haben. War da jetzt der eine zu teuer oder der andere zu billig.

Augustinsson lacht: „Was soll ich sagen zu dem Preis? Er kommt von Benfica, das ist ein größerer Club als der FC Kopenhagen. Benfica verkauft seine besten Spieler an die besten Clubs der Welt.“ Und Kopenhagen verkauft an Werder. Erst Delaney, jetzt Augustinsson. „Aber abwarten“, meint der Neu-Bremer, „vielleicht spielen Lindelöf und ich in zwei oder fünf Jahren in einem Team.“ Ob er damit Werder meint? Oder doch ManUnited?

Die Premier League, das gibt Ludwig Augustinsson offen zu, reizt ihn. Aber nicht jetzt, sondern „irgendwann in der Zukunft. Eine Karriere ist nicht so lang, da möchtest du auch Dinge ausprobieren. Aber im Moment verschwende ich keinen Gedanken daran. Mein einziger Fokus liegt auf Werder.“ Für vier Jahre hat er bei den Bremern unterschrieben – ob er allerdings seinen vollen Namen unter den Vertrag gesetzt hat, ist nicht überliefert. Im Alltag haben Hans, Carl und Ludwig sowieso keine Verwendung, dann ist Augustinsson einfach nur der „Ludde“.

Das ist Ludwig Augustinsson

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