Dietmar Beiersdorfer spricht im DeichStube-Interview über das Duell des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt, seine Beziehung zu Frank Baumann und vieles mehr.
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Dietmar Beiersdorfer spricht im DeichStube-Interview über das Duell des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt, seine Beziehung zu Frank Baumann und vieles mehr.

Ex-Bremer im DeichStube-Gespräch

„Baumann schätze ich wirklich sehr“: Beiersdorfer über Verbindungen zu Werder und seinen Job in Ingolstadt

Bremen/Ingolstadt - „Ich hatte wieder Lust auf den Profifußball“, begründet Dietmar Beiersdorfer seinen Wiedereinstieg ins operative Geschäft bei einem Club. „Und ich wollte mich wieder einem Wettbewerb aussetzen.“ Seit November ist der 58-Jährige Geschäftsführer Sport und Kommunikation beim abstiegsbedrohten Zweitligisten FC Ingolstadt. Im Interview mit der DeichStube spricht der Ex-Profi, der von 1992 bis 1995 auch für den SV Werder Bremen 64 Partien in der Bundesliga absolvierte, von großen Herausforderungen, Himmelfahrtskommandos und alten Verbindungen nach Bremen.

Bei Ihrem Amtsantritt in Ingolstadt im November haben Sie von „einer herausfordernden Situation“ gesprochen. Wie beurteilen Sie nach gut drei Monaten die Lage und Ihre Aufgabe bei dem Abstiegskandidaten?

Ich denke, die Einschätzung hat sich bestätigt. Die Voraussetzungen bei meinem Einstieg waren ersichtlich und für mich absehbar. Daran hat sich nichts geändert. Es war zu erwarten, dass es in dieser Saison so bleibt, doch zusammen stellen wir uns der Aufgabe.

Nach sechsjähriger Pause sind Sie wieder ins Fußballgeschäft eingestiegen. Was waren die Beweggründe? Und warum gerade Ingolstadt?

Grundsätzlich war es so, dass ich wieder Lust hatte. Nach meiner Zeit als Selbstständiger wollte ich wieder mit Menschen arbeiten, mit einer Organisation kooperieren und meine Expertise aktiv in einen Club einbringen – und mich auch wieder einem Wettbewerb aussetzen. Genau das, was ich einige Jahrzehnte lang immer geliebt habe. Durch einige Bekannte und Freunde kannte ich den FC Ingolstadt, der nach meiner Einschätzung ein sehr stabiler Verein ist. Zwar ist er relativ klein im Vergleich zu den meisten anderen Vereinen in den beiden höchsten Profiligen, doch er ist ein sehr guter Club, um inhaltlich etwas aufzubauen und strategisch zu entwickeln.

(Verfolgt das Heimspiel des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt im Live-Ticker der DeichStube!)

Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt: Dietmar Beiersdorfer will „alles dafür tun, den Klassenerhalt zu erreichen“

Vor zwei Jahren waren Sie schon mal bei den „Schanzern“ für eine Führungsposition im Gespräch. Ingolstadt stieg in die 3. Liga ab, das Engagement ist nicht zustandegekommen. Es besteht nun eine ähnliche Situation. Warum haben Sie diesmal zugesagt? Was gab den Ausschlag, dieses Himmelfahrtskommando zu übernehmen?

Das sehe ich nicht so. Mit dem Aufsichtsrat ist alles offen besprochen worden. Auf der Grundlage des Gedankens, dass wir uns neu aufstellen wollen, haben wir hier einen Prozess eingeleitet, die Strukturen grundlegend umzubauen. So sehe ich meinen langfristigen Auftrag. Ich habe Spaß daran und werde mit Engagement versuchen, diesem gerecht zu werden.
 
Also langfristige Pläne, die auch bei einem möglichen Abstieg in die 3. Liga weiterverfolgt werden sollen?

So ist es. Doch wir tun alles dafür, um den Klassenerhalt zu erreichen.

Neun Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, gar zehn auf Platz 15. Trainer Rüdiger Rehm glaubt noch an die Rettung. Sie auch?

Wir sind nicht verblendet, können die Zahlen in der Tabelle lesen. Aber davon müssen wir uns lösen. Es bleibt weiterhin eine immense Herausforderung. Doch ich bin lange genug im Geschäft, ich weiß, was im Fußball alles passieren kann. Schon oft hat sich gezeigt, dass es möglich ist, gewisse Konstellationen zu drehen.

Dietmar Beiersdorfer: Underdog FC Ingolstadt will Werder Bremen ärgern

Was macht Sie so optimistisch?

Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen enorm verbessert und gesteigert. Sie hat bewiesen, dass sie nun wettbewerbsfähig ist und eine richtige Leistungskultur entwickelt. Dies wollen wir in den kommenden Partien demonstrieren, auch am Samstag bei dem schweren Auswärtsspiel bei Werder Bremen.

Zuletzt fiel in Ingolstadt fast eine komplette Elf wegen Corona-Infektionen und Verletzungen aus. Wie ist Stand vor der Reise an die Weser? Hat sich die personelle Lage entspannt?

Es ist zu früh, um genau angeben zu können, wer von den zuletzt ausgefallenen Spielern wieder dabei sein kann. Doch ich hoffe, dass wir wieder mehr Alternativen haben.

Im Norden waren Sie lange beim Hamburger SV sowohl als Spieler als auch als Sportvorstand beschäftigt. Bei Werder waren Sie gut zweieinhalb Jahre präsent. Vor der Rückkehr nach Hamburg haben Sie davon gesprochen, dass Sie als sensitiver Mensch doch sehr bewegt seien. Trifft dies auch auf die Rückkehr an die Weser zu?

Ich möchte jetzt nicht eine Richterskala entwerfen, an der die Höhe meiner Emotionen festzumachen ist. Fakt ist, dass ich während meiner Zeit in Bremen viel erlebt habe. Viele schöne Momente, für die ich dankbar bin. Viele Erlebnisse mit tollen Menschen, mit denen ich den Weg gehen durfte.

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Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt - Dietmar Beiersdorfer hat einen „engen Draht zu Marco Bode“

An wen denken Sie dabei besonders? Mit welchen Bremern haben Sie noch engen Kontakt?

Es ist bekannt, dass ich vornehmlich zu Marco Bode einen recht engen Draht habe. Doch es sind auch noch einige andere, die ich alle nicht namentlich erwähnen kann. Weil ich annehme, dass ich sonst einige vergessen könnte.

Stichwort Bode: Der ausgeschiedene Vorsitzende des Werder-Aufsichtsrats hat Sie im Sommer dazu animieren wollen, sein Nachfolger in dem Kontrollgremium zu werden. Warum haben Sie das Angebot abgelehnt?

Ich habe es stets so gehalten, dass ich mich über vertrauliche und interne Gespräche im Nachhinein nicht geäußert und diese nicht bewertet habe. So verfahre ich auch weiterhin.

Ist eine solche Funktion im Aufsichtsrat bei welchem Club auch immer für Sie überhaupt reizvoll?

Momentan ist das kein Thema. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Mein Thema ist gegenwärtig der FC Ingolstadt 04. Ich fokussiere mich ganz auf diese Aufgabe.

Werder ist mit Sportchef Frank Baumann in die 2. Liga abgestiegen. Seine Arbeit wurde von Fans und Medien heftig kritisiert. Dennoch hat der neue Aufsichtsrat vor einigen Tagen den Vertrag mit dem Manager verlängert. Hat Sie dies überrascht?

Ich möchte Entwicklungen und Entscheidungsprozesse in Bremen nicht bewerten. Eins kann ich aber festhalten: Frank Baumann schätze ich sowohl als Mensch als auch als Fachmann im Profigeschäft wirklich sehr. (hgk)

So dürfte indes die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen den FC Ingolstadt 04 aussehen!

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