+
Marko Marin (r., gegen Neymar von PSG) macht in der laufenden Champions-League-Saison mit Roter Stern Belgrad auf sich aufmerksam.

Ex-Bremer trumpft bei Roter Stern Belgrad auf

Marko Marin: Neue Heimat für einen Reisenden?

Von Jakob Böllhoff. Guten Bildern gelingt es, die Zeiten miteinander zu verbinden, die Vergangenheit mit der Gegenwart mit der Zukunft. Von Marko Marin, dem 29-jährigen Ex-Werder-Profi, existiert eine Fotografie, die fast so alt ist wie er selbst, im Sommer machte sie im Internet die Runde.

Auf dem Bild ist der kleine Marko zu sehen, er steckt von Kopf bis Fuß in Fanutensilien von Roter Stern Belgrad, Mütze, Trikot, Hose, Stutzen, alles rot und weiß, alles viel zu groß. Neben ihm steht ein gewaltiger Mann mit gewaltigem Schnauzbart, er trägt eine Trainingsjacke von Eintracht Frankfurt, es ist Dragoslav Stepanovic, der alte Eintracht-Trainer.

Heute betrachtet man das Bild und weiß: Offenbar ist jetzt etwas zusammengekommen, was zusammengehört. Denn Marko Marin steckt mit seinen bald 30 Jahren nun wieder regelmäßig in den Klamotten von Roter Stern, dem serbischen Klub, den er als Kind anhimmelte, vom fernen Frankfurt aus. Dorthin war er als zweijähriger Knirps 1991 geflüchtet aus dem jugoslawischen Kriegsgebiet, von dort ist er später, viel später, weitergezogen in die große weite Fußballwelt. Mönchengladbach, Bremen, London, Sevilla, Florenz, Anderlecht, Trabzon, Athen. Nun Belgrad, Roter Stern, dem Klub seines Vaters. Vereinsliebe gehört zu jenen Dingen, die übertragbar sind. „Ich habe seit Kindesbeinen davon geträumt“, sagt Marin.

Marin an allen drei Champions-League-Toren für Belgrad beteiligt

Sie haben ihn Willkommen geheißen wie einen verlorenen Sohn, als er im Sommer vom Athener Hafenklub Olympiakos Piräus wechselte, und die Zuneigung ist nicht abgeebbt in den Wochen und Monaten danach, eher im Gegenteil. Am Dienstag hat der 1,70 Meter große Dribbler, der einst bei der SG 01 Hoechst das Kicken lernte und 2005 mit 16 aus der Eintracht-Jugend nach Gladbach ging, beide Tore vorbereitet beim überraschenden 2:0-Sieg Belgrads in der Champions League gegen den FC Liverpool. Weil er zuletzt beim 1:6 bei Paris Saint-Germain den Ehrentreffer erzielte, hat er an allen Toren Roter Sterns in der Champions-League-Historie des Klubs entscheidend mitgewirkt. Durch den Sieg gegen das enttäuschende Klopp-Team ist sogar das Achtelfinale noch in Griffweite.

Der kleine Mann lässt große Träume reifen bei Roter Stern, er ist der Typ dafür. Als Marin im Alter von 18 und dem Körper eines filigranen 16-Jährigen Profi wurde in Gladbach, war Trainer Hans Meyer schwer damit beschäftigt, den Hype um den rasend schnellen Wirbelwind einzudämmen. Vor der Presse sagte er Markus Marin statt Marko Marin, ein Versehen war das nicht, sondern der schrulliger Versuch, die Dinge irgendwie in den Griff zu kriegen.

Marin: „Habe noch einige gute Jahre vor mir“

Marin wurde deutscher Nationalspieler, mit Werder Bremen spielte er in der Champions League, er spielte gut. Engländer wurden auf ihn aufmerksam, sie nannten ihn „The German Messi“. Der FC Chelsea verpflichtete ihn 2012 sicherheitshalber, denn einen wie auch immer gearteten Messi will man sich dort keinesfalls entgehen lassen. Doch Marin war ständig verletzt, die gemeinen Briten tauften ihn den „Wandelnden Muskelfaserriss“. Für Chelsea lief er 16 Mal auf, ein Tor, eine Vorlage.

Marin wurde zum Fußballreisenden, Jahr für Jahr vom Umschlagplatz Chelsea aus weitergereicht. Nur beim FC Sevilla schien es kurz, als könne er glücklich werden, Fans starteten den Aufruf, ihm eine Verlobte aus der Stadt zu organisieren, damit er lange bleiben möge. So wie einst der Kroate Ivan Rakitic.

Ob ihn das Hin und Her störe, wurde er neulich gefragt. „Ich sehe das überhaupt nicht negativ“, sagte Marin. „Das ist halt meine Karriere. Ich habe viel erlebt und jetzt noch einige gute Jahre vor mir.“ Diese Hoffnung teilt er mit den Roter-Stern-Fans.

Marko Marin: Seine Karriere in Bildern

Anfang 2007 schaffte Marko Marin den Schritt aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach zu den Profis. Er absolvierte insgesamt 72 Pflichtspiele für die Fohlen.
Anfang 2007 schaffte Marko Marin den Schritt aus der Jugend von Borussia Mönchengladbach zu den Profis. Er absolvierte insgesamt 72 Pflichtspiele für die Fohlen. © imago 
Im Sommer 2009 wagte der 1,70 Meter große Mittelfeldmann nach einer rasanten Entwicklung den Sprung zu Werder Bremen.
Im Sommer 2009 wagte der 1,70 Meter große Mittelfeldmann nach einer rasanten Entwicklung den Sprung zu Werder Bremen. © imago
Marin spielte mit Werder in der ChampionsLeague und wurde Nationalspieler.
Marin spielte mit Werder in der Champions League und wurde Nationalspieler. © imago 
Auch Trainer Thomas Schaaf hatte großen Anteil am Aufschwung von Marko Marin, der insgesamt 116 Pflichtspiele für Werder absolvierte. Den ganz großen Durchbruch schaffte er bei Werder aber nicht.
Auch Trainer Thomas Schaaf hatte großen Anteil am Aufschwung von Marko Marin, der insgesamt 116 Pflichtspiele für Werder absolvierte. Den ganz großen Durchbruch schaffte er bei Werder aber nicht. © imago
Zwischen 2008 und 2010 absolvierte Marin 16 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Darunter zwei Spiele bei der WM 2010 in Südafrika.
Zwischen 2008 und 2010 absolvierte Marin 16 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Darunter zwei Spiele bei der WM 2010 in Südafrika. © imago
Nach drei Jahren bei Werder wechselte Marin im Sommer 2012 an die Stamford Bridge zum FC Chelsea. Die Engländer zahlten 8 Millionen Euro und freuten sich auf den „German Messi“.
Nach drei Jahren bei Werder wechselte Marin im Sommer 2012 an die Stamford Bridge zum FC Chelsea. Die Engländer zahlten 8 Millionen Euro und freuten sich auf den „German Messi“. © imago
2012/13 gewann Marin mit Chelsea die Europa League. Er konnte sich jedoch in dem starken Londoner Kader nicht durchsetzen - und wurde mehrfach verliehen.
2012/13 gewann Marin mit Chelsea die Europa League. Er konnte sich jedoch in dem starken Londoner Kader nicht durchsetzen - und wurde mehrfach verliehen. © imago
2013 wurde Marin nach Spanien zum FC Sevilla verliehen.
2013 wurde Marin nach Spanien zum FC Sevilla verliehen. © imago
Marin absolvierte für Sevilla 30 Pflichtspiele und wurde unter anderem beim Europa-League-Sieg im Finale gegen Benfica Lissabon eingesetzt.
Marin absolvierte für Sevilla 30 Pflichtspiele und wurde unter anderem beim Europa-League-Sieg im Finale gegen Benfica Lissabon eingesetzt. © imago
Ein Jahr später wurde er dann vom FC Chelsea wieder verliehen - diesmal zum AC Florenz. In Italien absolvierte er nicht ein Pflichtspiel.
Ein Jahr später wurde er dann vom FC Chelsea wieder verliehen - diesmal zum AC Florenz. In Italien absolvierte er nicht ein Pflichtspiel. © imago
Daraufhin verlieh der FC Chelsea den Offensivspieler im Winter 2015 an den RSC Anderlecht. Auch dort standen am Ende nur wenige Einsätze zu Buche. Nach einem halben Jahr trennten sich die Belgier wieder von Marin.
Daraufhin verlieh der FC Chelsea den Offensivspieler im Winter 2015 an den RSC Anderlecht. Auch dort standen am Ende nur wenige Einsätze zu Buche. Nach einem halben Jahr trennten sich die Belgier wieder von Marin. © imago
Marin zog es im Sommer 2015 in die türkische Liga zu Trabzonspor. Dort blieb er wieder nur ein eine Saison, in der er immerhin regelmäßig spielte.
Marin zog es im Sommer 2015 in die türkische Liga zu Trabzonspor. Dort blieb er wieder nur ein eine Saison, in der er immerhin regelmäßig spielte. © imago
Marin wird 2016 wieder mal vom FC Chelsea weiterverliehen. Diesmal blieb er für zwei Jahre bei Olympiakos Piräus und erzielte in 59 Spielen 12 Tore. Er spielte unter anderem in der Champions League und Europa League.
Marin wird 2016 wieder mal vom FC Chelsea weiterverliehen. Diesmal blieb er für zwei Jahre bei Olympiakos Piräus und erzielte in 59 Spielen 12 Tore. Er spielte unter anderem in der Champions League und Europa League. © imago
Am Ende der Saison 2016/2017 feierte Marin mit Olympiakos den Gewinn der griechischen Meisterschaft.
Am Ende der Saison 2016/2017 feierte Marin mit Olympiakos den Gewinn der griechischen Meisterschaft. © imago
Im Sommer 2018 wurde Marin von dem serbischen Champions-League-Teilnehmer Roter Stern Belgrad gekauft - und spielt seitdem im Land seiner Eltern.
Im Sommer 2018 wurde Marin von dem serbischen Champions-League-Teilnehmer Roter Stern Belgrad gekauft - und spielt seitdem im Land seiner Eltern. © imago
Endlich eine Heimat für den Offensivspieler? Als 29-Jähriger war er an den ersten drei Champions-League-Toren in der Geschichte des Clubs direkt beteiligt (ein Tor, zwei Vorlagen).
Endlich eine Heimat für den Offensivspieler? Als 29-Jähriger war er an den ersten drei Champions-League-Toren in der Geschichte des Clubs direkt beteiligt (ein Tor, zwei Vorlagen). © im ago

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare