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Martin Harnik soll in Zukunft das Angriffsspiel von Werder Bremen prägen.

Baumann sieht den Rückkehrer im Sturm-Zentrum

Harnik der neue Bremer Offensiv-Boss?

Bremen - Die Stellenbeschreibung ging schon vor etwa einem Jahr raus. „Zentraler Stürmer gesucht“ stand darin, formuliert von der Sportlichen Leitung des SV Werder.

Es war eine Reaktion auf die Trennung des bereits seit der gesamten Saison 2016/17 von Altersgebrechen geplagten Claudio Pizarro und auf den Verlust von Serge Gnabry, der gemeinsam mit Max Kruse viel aufgefangen hatte. Werder hatte so zwar noch beachtliche 61 Saisontore erzielt, doch es war klar, dass es künftig wieder eine zentrale Figur im Angriff geben sollte. Die Verpflichtung von Ishak Belfodil sollte die Lösung sein, war es aber nicht. Nun hat Werder Bremen Martin Harnik geholt. Kann er tatsächlich der neue Boss in der Offensive sein? Der Dreh- und Angelpunkt?

Frank Baumann greift zu einer Antwort, die einem Ja wohl nahekommen soll. „Eher im Zentrum – das ist durchaus die Position, auf der wir ihn sehen“, sagt der 42-Jährige über Harnik, der in seiner Karriere zwar als verlässlicher Torschütze aufgetreten ist, sich aber dennoch nie den Beinamen „Tormaschine“ verdient hat. Schließlich waren seine Rollen auf dem Platz oft andere. Zuspieler, Lückenreißer, Vorbereiter – auch das gehörte dazu. So kam er in der abgelaufenen Saison für Hannover 96 jedoch auch auf neun Saisontore. Genauso viele wie Mario Gomez beim VfB Stuttgart übrigens – und der Nationalspieler erfüllt eigentlich genau das Profil, das Werder einst im Zuge der eigenen Suche beschrieben hatte.

Martin Harnik: Seine Karriere in Bildern

Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen.
Martin Harnik wechselte im Januar 2006 von seinem Jugendverein SC Vier- und Marschlande in die U23 des SV Werder Bremen. © imago
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder.
Harnik ist gut mit Max Kruse befreundet. Die beiden Angreifer kamen gemeinsam an die Weser und kickten von 2006 bis 2009 zusammen für Werder. © imago
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß!
Der Österreicher Harnik debütierte im August 2007 in der Bundesliga und erzielte das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Es war ein Einstand nach Maß! © imago
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht.
2009 feierte Harnik seinen ersten und bisher einzigen Titel. Er gewann mit Werder den DFB-Pokal. Der Durchbruch bei den Profis gelang ihm aber nicht. © imago
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal.
Werder lieh Harnik für ein Jahr zu Fortuna Düsseldorf aus. Dort lief‘s gut: In 30 Zweitliga-Spielen traf er 13 Mal. © imago
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte.
In der Zweiten Liga traf er auch seinen Kumpel Max Kruse wieder, der Werder Richtung FC St. Pauli verlassen hatte. © Witters
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi.
Zur Saison 2010/11 verkaufte Werder Harnik an Bundesliga-Konkurrent VfB Stuttgart. In sechs Jahren dort (173 Bundesliga-Spiele, 53 Tore) wurde der Stürmer ein gestandener Bundesliga-Profi. © imago
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga.
Harniks Zeit in Stuttgart endete 2016 mit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga. © imago
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg.
Harnik wechselte zum anderen Bundesliga-Absteiger Hannover 96. Mit dem Club schaffte er den direkten Wiederaufstieg. © imago
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt.
Nach einer Bundesliga-Saison in Hannover zieht es Harnik wieder zurück zu Werder (hier nach dem Medizincheck). Der robuste und flexible Angreifer gilt als Wunschspieler von Trainer Florian Kohfeldt. © nordphoto
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil.
Zehn Jahre Nationalmannschaft: Harnik spielte zwischen 2007 und 2017 68 Mal für Österreich, schoss 15 Tore und nahm 2008 sowie 2016 an der EM teil. © imago

Baumann ist glücklich mit Harnik. Weil der 30-Jährige eben nicht nur die Qualitäten eines Strafraumstürmers mitbringt, sondern noch ein bisschen mehr. „Martin hat sehr häufig den zentralen Angreifer gespielt. Natürlich kann er auch über außen kommen. Aber er hat den Zug zum Tor – und das ist schon etwas, was uns etwas abgegangen ist. Da tut er uns gut, egal auf welcher Position oder in welcher Formation es sein wird“, erklärt Baumann. Und Leader-Qualitäten hat Harnik auch gezeigt – zuletzt bei Hannover 96, mit dem ihm Bundesliga-Aufstieg und -Klassenerhalt gelangen. Zuvor auch beim VfB Stuttgart, wo sein Engagement allerdings mit dem Abstieg zu Ende gegangen war.

Große Hoffnung setzt Werder in das Zusammenspiel von Harnik und dessen alten Freund Max Kruse. Sie haben beim SC Vier- und Marschlande einst gemeinsam Fußball-Muttermilch genascht und könnten nun im gehobenen Profi-Alter zeigen, dass ihre Freundschaft auch Früchte in Form von Toren und Punkten abwirft.

Harnik beweist außergewöhnliche Dynamik

Dass Frank Baumann dabei Harnik weiter ins Zentrum verortet und Kruse als die hängende Spitze sieht, darf jedoch nicht als zementierte Ordnung gesehen werden. Baumann: „Die gegenläufigen Bewegungen und dass immer mal wieder ein anderer in die Spitze vorstößt, macht eine Mannschaft weniger ausrechenbar. Unsere Idee ist schon, dass immer wieder andere Spieler in die Räume stoßen und torgefährlich werden.“

„In Räume stoßen“ – das ist eine der Spezialitäten von Martin Harnik. Immer wieder geht er mit Tempo drauf los, ist so zu einem der eifrigsten Sprinter der Liga geworden. Mit 790 Hochgeschwindigkeitsläufen rangiert er in der Wertung der abgelaufenen Saison auf Rang neun, weit vor Ludwig Augustinsson, dem mit 696 Sprints besten Bremer auf Rang 17 (Quelle: bundesliga.de). „Seine Dynamik“, sagt Harniks Ex-Trainer Thomas Schaaf über den Stürmer, „war schon immer das Außergewöhnliche an ihm.“

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