Abgang in Demut: Mit drei Toren hatte sich Hugo Almeida bereits zum Helden gemacht, ehe er nach einer dummen Tätlichkeit vom Platz flog und sich den Zorn der Mitspieler zuzog.

Almeida schießt Werder im Alleingang zum 3:0-Sieg gegen St. Pauli – und fliegt dann vom Platz

Ein Matchwinner sieht Rot

Von Björn Knips · Er war der große Gewinner, der Mann des Tages, der Held – bis zur 80. Minute: Dann sah Hugo Almeida gestern Rot. Unfassbar! Denn Werder Bremen führte zu diesem Zeitpunkt mit 3:0 gegen den FC St.Pauli – und Almeida hatte alle Tore beigesteuert.

Doch nach einem Foul von Carlos Zambrano brannten dem Portugiesen die Sicherungen durch. Ellbogenschlag, Platzverweis, lange Sperre – diese dumme Aktion handelte Almeida richtig viel Ärger ein, denn von allen Seiten hagelte es Kritik. Aus dem Matchwinner beim so wichtigen 3:0 (2:0)-Heimsieg gegen den Aufsteiger war der Depp geworden.

Werder-Training am Montag

Nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli drehten die Werder-Spieler am Montag auf dem Trainingsgelände am Weserstadion im winterlichem Ambiente ihre Runden. © nordphoto
Nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli drehten die Werder-Spieler am Montag auf dem Trainingsgelände am Weserstadion im winterlichem Ambiente ihre Runden. © nordphoto
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Nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli drehten die Werder-Spieler am Montag auf dem Trainingsgelände am Weserstadion im winterlichem Ambiente ihre Runden. © nordphoto
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Nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli drehten die Werder-Spieler am Montag auf dem Trainingsgelände am Weserstadion im winterlichem Ambiente ihre Runden. © nordphoto

„Er hat ein Riesenspiel gemacht, und dann so eine Dummheit“, wunderte sich Teamkollege Clemens Fritz. Und nicht nur der. Niemand konnte verstehen, warum Almeida sich diesen Aussetzer leistete. Alles war doch bestens gelaufen. Bereits nach 52 Sekunden hatte er die Gastgeber in Führung geschossen und Werders 450-minütige Torflaute blitzschnell beendet. Nach feiner Vorarbeit von Fritz war Almeida im mit 36.400 Zuschauern ausverkauften „Gefrierschrank“ Weserstadion ein eiskalter Vollstrecker gewesen. Genauso wie in der 20. Minute, als Paulis Fin Bartels wie ein Anfänger einen hohen Ball von Aaron Hunt unterlief und Nutznießer Marko Marin als Vorbereiter glänzte. Und auch seine dritte Chance machte Almeida ganz cool weg (64.), diesmal hatte der eingewechselte Said Husejinovic den Tor-Butler gespielt.

Werder Bremen gegen St. Pauli - die Noten

Tim Wiese: Der Torwart stand in der ersten Halbzeit zweimal im Brennpunkt, als er zunächst gegen Lehmann (19.) und dann gegen Bartels (22.) überragend hielt. Nach der Pause kaum geprüft, sicher in der Strafraumbeherrschung. Note 1,5 © nordphoto
Dominik Schmidt: Nach seinem ersten Auftritt in der Champions League feierte der 23-Jährige nun auch sein Bundesligadebüt. Diesmal auf der rechten Verteidigerposition eingesetzt, zeigte der Abwehrspieler viel Einsatz und wagte sich auch häufiger mit nach vorn. Note 3 © nordphoto
Per Mertesacker: Der Innenverteidiger hätte in der vierten Minute das 2:0 erzielen müssen, als er aufgerückt war, jedoch freistehend an St. Paulis Torwart Kessler scheiterte. Die Verunsicherung war ihm zu Beginn des Spiels anzumerken. Danach biss er sich rein. Nach seiner Rettungstat gegen Ebbers (16.) wurde er zunehmend sicherer. Note 3 © nordphoto
Sebastian Prödl: Auch dem Österreicher unterliefen in der Anfangsphase unnötige Fehler. Später überzeugte er durch gutes Stellungsspiel. Schlug öfter Mal die Bälle einfach raus, ging damit auf Nummer sicher. Note 3 © nordphoto
Petri Pasanen: Der Finne verteidigte hinten links. Mal kompromisslos stark, hin und wieder aber auch schlafmützig. Schaltete sich häufiger in den Spielaufbau mit ein. Note 3,5 © nordphoto
Torsten Frings: Der Kapitän ließ St. Paulis Lehmann in der ersten Halbzeit zu viel Platz. Stark sein kämpferischer Einsatz. Er gab keinen Millimeter Boden verloren. Note 3 © nordphoto
Clemens Fritz: Der 29-Jährige machte auf der zweiten „Sechserposition“ neben Frings ein starkes Spiel. Mit einem tollen Pass in die Tiefe leitete er das 1:0 ein. Fritz hatte viel Offensivdrang, bearbeitete Asamoah über 90 Minuten, verstand es zudem, Bälle zu halten und zu verteilen. Note 2 © nordphoto
Felix Kroos (bis 52.): Der 19-jährige Bundesligadebütant fiel im rechten Mittelfeld kaum auf. Ein, zwei ordentliche Pässe – das war’s schon. Note 4,5 © nordphoto
Aaron Hunt (bis 89.): Der Mittelfeldspieler spulte ein enormes Laufpensum ab, spielte aber wieder einmal glücklos. Seinen Pässen fehlte die Präzision. Probleme bei der Ballverarbeitung. Note 4 © nordphoto
Marko Marin (bis 87.): Pech für ihn, dass Kessler seinen Schuss parierte (7.). Legte Almeida zum 2:0 auf (20.) und versuchte immer wieder, mit Dribblings zum Erfolg zu kommen. Lief sich dabei oftmals fest. Musste diesmal so viel nach hinten arbeiten, wie schon lange nicht mehr. Note 3 © nordphoto
Hugo Almeida: Es war der Auftritt des Dr. Jekyll und des Mr. Hyde. Erst brillierte der Angreifer mit drei Toren – es war sein erster Dreierpack in der Liga – dann gingen mit dem 26-Jährigen die Pferde durch, als er sich gegen Zambrano eine dumme Tätlichkeit leistete und dafür Rot sah. Die Noten 1 (für Dr. Jekyll) und 6 (für Mr. Hyde) ergeben die Note 3,5 © nordphoto
Said Husejinovic (ab 53.) Der Mittelfeldspieler brachte zunächst frischen Wind ins Spiel. Gab den Pass auf Almeida vor dem 3:0. Danach hatte der 23-Jährige aber zu viele Ballverluste. Note 3,5 © nordphoto
Sandro Wagner (ab 87.): Der Stürmer stand in der 80. Minute schon zur Einwechslung bereit. Doch just in dem Moment sah Almeida Rot, Wagner musste sich erstmal wieder gedulden, kam dann aber doch noch zu seinem neunten Einsatz. Note - © nordphoto

Alles super – das ganze Stadion feierte Publikumsliebling „Hugo“ für dessen ersten Dreierpack in der Bundesliga und seine perfekte Krisenbewältigung für Werder. Und der gebührende Abgang des Helden war auch schon vorbereitet. Draußen stand Sandro Wagner zur Einwechslung bereit, Almeida hätte seinen verdienten Sonderapplaus erhalten, doch er bekam Rot. „Das hatte sich im Spiel aufgestaut“, erklärte er später: „Ich bin so oft gefoult worden. Immer mal wieder auch versteckt mit dem Ellbogen. Aber das soll keine Entschuldigung sein.“ Der 26-Jährige wusste nur zu gut, was er in dieser misslichen Situation zu tun und vor allem zu sagen hatte. „Es tut mir leid. Ich bitte meine Mitspieler, den Trainer und die Fans um Entschuldigung“, murmelte er in fast jedes Mikrofon in der Interviewzone. Und für so viel Einsicht hofft der Portugiese irgendwie auch auf Milde bei der Bestrafung und auf nur „ein Spiel Sperre“.

Werder Bremen gewinnt 3:0 gegen St. Pauli

Werder Bremen hat nach sieben Pflichtspielen ohne Sieg wieder einenErfolg verbucht. Die Bremer gewannen am Sonntag ihr Heimspiel in der Fußball-Bundesliga 3:0 (2:0) gegen den FC St. Pauli. Mann des Tages war der dreimal erfolgreiche Hugo Almeida mit seinen Toren in der 1., 20. und 64. Minute. Der portugiesische Stürmer sah allerdings wegen einer Tätlichkeit in der 80. Minute die Rote Karte. © nordphoto
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Werder Bremen hat nach sieben Pflichtspielen ohne Sieg wieder einenErfolg verbucht. Die Bremer gewannen am Sonntag ihr Heimspiel in der Fußball-Bundesliga 3:0 (2:0) gegen den FC St. Pauli. Mann des Tages war der dreimal erfolgreiche Hugo Almeida mit seinen Toren in der 1., 20. und 64. Minute. Der portugiesische Stürmer sah allerdings wegen einer Tätlichkeit in der 80. Minute die Rote Karte. © nordphoto

Doch das kann sich Almeida abschminken. Selbst Berufsoptimist Klaus Allofs geht von „drei Spielen aus, weil es als Tätlichkeit gewertet wird“. Almeidas Ellbogen landete nun einmal im Nacken von Zambrano. Obwohl der Hamburger zuvor gefoult hatte, „darf sich Hugo nicht zu so etwas hinreißen lassen. Das ist doch nichts Neues für einen Stürmer, dass man attackiert wird. Und beim Stand von 3:0 muss ich über den Dingen stehen“, meinte Clubchef Allofs und war richtig sauer: „Das ist eine Reaktion, die wir uns nicht erlauben dürfen. Jetzt ist noch nicht der Moment über Konsequenzen zu reden, aber wir werden das aufarbeiten.“

Geldstrafe statt Riesenlob – Almeida machte aus einer Gala ein Fiasko. Torsten Frings sprach von einer „absoluten Dummheit. So ein Verhalten ist für mich nicht nachvollziehbar, gerade in unserer Situation. Dafür gibt’s keine Entschuldigung“, wütete der Kapitän. Schließlich fehlten gestern bereits zehn Profis. Und auch deshalb stellte Per Mertesacker gefrustet fest: „Der Dienst war doch schon getan, aber bei uns liegt eben noch einiges im Argen.“

Quelle: kreiszeitung.de

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