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Hadern statt jubeln: Für Max Kruse läuft es in dieser Saison noch nicht rund. Immerhin hat Werders Kapitän eine Idee, woran das liegen könnte.

Noch nicht zu alter Form gefunden

Max Kruse: Auf der Suche nach der Mitte

Bremen - Vorne im Zentrum sowieso, gegen Nürnberg aber auch links im Mittelfeld oder hinten rechts in der Abwehr – Max Kruse war am Sonntag fast überall auf dem Platz zu finden. Gut zehn Kilometer legte der Werder-Kapitän während des 1:1 im Heimspiel gegen den Aufsteiger zurück.

Es war der fünftbeste Wert aller Bremer Profis. „Viel unterwegs“, heißt es nach so einem Auftritt gerne über einen Spieler – im Falle von Kruse war das dieses Mal aber nicht unbedingt als Lob zu verstehen. Klar, Kruse arbeitete, zeigte Einsatz, ging auf diese Weise voran und konnte durchaus ordentliche Statistikwerte vorweisen.

Seine Kernkompetenz – das Kreieren von Torgefahr – hatte er aber auch im dritten Saisonspiel über weite Strecken vernachlässigt. „Ich kann mit meiner Leistung bisher nicht zufrieden sein“, sagte Kruse am Montag. Und lieferte dann eine Erklärung, warum bei ihm noch nicht alles rund läuft.

Kruse: „Ich muss mehr die Mitte halten“

Drei Spiele, 232 Minuten auf dem Platz, noch kein Tor, noch keine Vorlage. „Dass ich noch ohne jeden Scorerpunkt dastehe, ist natürlich nicht in Ordnung“, sagte Kruse, der in der neuen Bremer Offensive zwar unangefochten gesetzt, aber offenbar noch nicht richtig angekommen ist. Der 30-Jährige wirkte während der bisherigen Spiele wie auf der Suche nach der alten Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen, betrieb dabei viel Aufwand, erntete aber nur wenig Ertrag.

„Wahrscheinlich muss ich auf dem Platz ein bisschen mehr die Mitte halten. Ich weiche zu sehr auf die Außen aus“, sagte Kruse über seine Rolle im System von Florian Kohfeldt – und verriet, dass der Trainer ihm genau diesen Hinweis vor dem Nürnberg-Spiel mit auf den Weg gegeben hatte. Nun braucht der Linksfuß für sein Spiel aber die ständige Nähe zum Ball, er ist kein Stürmer, der 89 Minuten lang abtaucht und dann plötzlich zu sehen ist.

„Ich will immer viele Ballkontakte und dadurch die Kontrolle haben, um der Mannschaft damit zu helfen und das Spiel nach vorne zu tragen“, erklärte Kruse, dem dieser Plan im Spiel gegen Nürnberg anzusehen war. 83 Ballkontakte verzeichnete Werders Nummer 10. Mehr hatte nur Innenverteidiger Niklas Moisander (97).

Es stellt sich allerdings die Frage, ob Kruses Versuch der Dauerpräsenz in dieser Saison überhaupt noch nötig ist. Zwar ist es nachvollziehbar, dass er sich mit der Kapitänsbinde am Arm noch mehr in der Verantwortung sieht und es allen beweisen will. Angesichts der neuen, spielstarken Mitspieler könnte er seine Rolle aber auch anders interpretieren. „Ich muss mich noch daran gewöhnen, dass wir mit Davy Klaassen und Nuri Sahin zwei Spielgestalter dazubekommen haben“, sagte Kruse. Sprich daran, dass er diesen Job im Grunde nicht mehr miterledigen muss.

Nicht mehr überall, dafür aber in den Zonen des Spielfeldes agieren, in denen seine Kreativität, seine Geistesblitze und Torgefahr zum Tragen kommen – das ist Kruses Plan. „So oft war ich noch nicht in großen Aktionen“, weiß der Profi, der gegen Nürnberg in der 15. Minute das 1:0 hätte erzielen können.

Kruse mit Appell an die Teamkollegen

Als Kapitän gehört es seit dieser Saison auch zu den Aufgaben Kruses, das große Ganze bei Werder im Blick zu haben und sich dazu öffentlich zu äußern. Zufrieden ist er mit fünf Punkten aus drei Spielen nicht. „Es kann sein, dass noch nicht alle Spieler diese Siegermentalität verinnerlicht haben, aber das sollte so langsam passieren.

Schließlich hat der Trainer das vom ersten Tag an uns herangetragen“, betonte er. „Da ist die Lücke zwischen Anspruch und Realität noch viel zu groß.“ Werders Anspruch ist es, sich für das europäische Geschäft zu qualifizieren, so lautet das Bremer Saisonziel – „und dafür muss einfach mehr kommen“, forderte Kruse. Es war nicht weniger als ein Appell, gerichtet an alle Teamkollegen – aber eben auch ausdrücklich an sich selbst.

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