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Max Kruse lässt sich für sein Tor zum 1:1 gegen den Hamburger SV feiern.

„Weltklasse-Gefühl“

Kruse – so ist er wieder einer für Löw

Bremen - Mit der Rückkehr von Spielern zu ihren Ex-Clubs ist das so eine Sache – und das ist schon oft genug daneben gegangen. Und dann kam gerne der Spruch: „Aufgewärmtes schmeckt eben nicht.“ Doch dieser Max Kruse wird für den SV Werder mehr und mehr zum Sternekoch.

Er serviert seinen Kollegen Bälle zum Zungeschnalzen – und landet dabei noch eigene Volltreffer. So erzielte Kruse im Nordderby gegen den Hamburger SV erst den Ausgleich und legte dann auch Florian Kainz den 2:1-Siegtreffer auf. Das schmeckte HSV-Coach Markus Gisdol zwar überhaupt nicht, aber er zog in bemerkenswerter Weise den Hut vor dem Maestro aus Bremen. „Max Kruse war heute der entscheidende Mann, er war herausragend und hat uns viele Probleme bereitet“, schwärmte Gisdol: „Ohne ihn hätte Werder so nicht kontern können. Wir müssen in den nächsten Wochen zum Glück nicht mehr gegen ihn spielen.“

Mehr Lob kann es nicht geben – und das auch noch vom Gegner. Aber Kruse ist einfach auch extrem gut drauf. 2017 hat der 29-Jährige in zwölf Spielen sieben Tore erzielt und vier Assists geliefert. Fast in jedem Spiel bekommt er die Note eins, weil der Offensivmann das Spiel einfach lesen kann und fast immer die bestmögliche Entscheidung mit dem Ball trifft. Dabei sind es gar nicht so sehr Zauberbälle, die dabei herauskommen.

Einzelkritik: Kruses Konter eine Augenweide

Felix Wiedwald
Felix Wiedwald: Irgendwie wirkte der Keeper etwas nervös, bis er ausgerechnet den Ex-Bremer Hunt im eigenen Fünfmeterraum (!) ganz cool austrickste und die brenzlige Situation klärte. Davor und danach mit starken Paraden, erst gegen Kostic (16.), dann gegen Ostrzolek (56.). Note 2  © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Schwierige Partie für den Verteidiger. Beim 0:1 ließ er Torschütze Gregoritsch laufen. Ohnehin fehlte dem Bremer manchmal etwas die Geschwindigkeit. Doch das machte er im Laufe der Partie mit viel Cleverness wett, am Ende stark. Note 3  © nordphoto
Lamine Sane
Lamine Sane: Hatte nach seiner Verletzungspause etwas Anlaufprobleme, war dann aber ein guter Abwehrchef, der den Hamburger nach der Pause fast nichts mehr gestattete. Note 2,5  © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Machte in der Mitte Platz für Rückkehrer Sane, sortierte aber auch von etwas weiter links aus das gute Bremer Defensivverhalten. Der coole Finne wusste wieder einmal ganz genau, wann er im Zweikampf ernst machen musste. Note 2  © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Was für ein Kämpfer! Der Tscheche führte gleich 23 Duelle mit einem HSV-Profi – fast doppelt so viele wie jeder andere Spieler auf dem Platz. Mit 71,9 Prozent war die Erfolgsquote ordentlich für einen Außenverteidiger, der ungewohnt viel für die Offensive tat. Note 2  © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Ihm fehlte zwar wie Veljkovic etwas das Tempo, trotzdem als Sechser wertvoll. Löste viele Probleme mit Geschick und Köpfchen. So oft war er wohl noch nie im Luftkampf und auch selten zuvor so erfolgreich. Das war bei den vielen langen HSV-Bällen wichtig. Note 3  © nordphoto
Santiago Garcia
Santiago Garcia (bis 73.): Spielte auf der linken Seite mit angezogener Handbremse, weil ihn Hunt so sehr beschäftigte. Doch ausgerechnet sein kluger, langer Ball auf Bartels leitete den Ausgleich ein. Das gab ihm Selbstvertrauen. Er wurde immer mutiger, bis ihn Diekmeier aus dem Spiel foulte. Erste Diagnose: Nacken gestaucht. Note 2,5  © nordphoto
Florian Grillitsch
Florian Grillitsch (bis 63.): Es hätte auch sein Derby werden können, doch der Österreicher vergab beste Chancen. Trotzdem ein ordentlicher Auftritt mit viel Herz und Übersicht. Note 3  © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: 12,6 Kilometer – der Kapitän war mal wieder der lauffreudigste Spieler. Vor dem Gegentor blieb er allerdings stehen, was Hunt zur Flanke nutzte. Viele richtig gute Pässe. Ärgerlich, dass sein feiner Freistoß vom Innenpfosten zurück ins Feld sprang (22.). Wegen seiner fünften Gelben Karte im nächsten Spiel gesperrt. Note 2,5  © nordphoto
Fin Bartels
Fin Bartels: Perfekte Vorlage zum Ausgleich. Der Stürmer wuselte sich mal wieder mit ganz viel Einsatz durch die gegnerische Abwehr. Nur beim Abschluss fehlte ihm dann etwas die Kraft. Note 2,5  © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse (bis 90.): Tor gemacht, Tor vorbereitet – wer denkt da noch an seine vergebene Riesenchance in der ersten Minute? Zumal es eine Augenweide war, ihm gerade bei den Kontern zuzuschauen. Traf mit dem Ball fast immer die richtige Entscheidung. Dadurch ließ er seine Kollegen ziemlich gut und den Gegner ziemlich schlecht aussehen. Note 1,5  © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (ab 63.): Dieser Joker sticht einfach. War sofort voll im Spiel und dann vor dem Tor eiskalt. Diesen Siegtreffer wird er nie vergessen – und damit macht er sich immer mehr zum Startelf-Kandidaten. Note -  © nordphoto
Robert Bauer
Robert Bauer (ab 73.): Wurde nur zwei Wochen nach seinem Außenbandriss wieder gebraucht – und funktionierte sofort. Note -  © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (ab 90.): Er ist wieder da – wenn auch nur mit einem Ballkontakt. Erster Einsatz in diesem Jahr nach diversen Verletzungsproblemen. Note -  © nordphoto

Im Gegenteil: Kruse wählt die Pass-Variante, die sicher ist, aber den Angriff weiterhin gefährlich macht. Das kann bei Werder keiner so gut wie er. Und in dieser Verfassung ist Kruse auch wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft, die für den Confed-Cup im Sommer in Russland sicher noch einige Spieler braucht, die in dieser Saison nicht so überlastet waren wie zum Beispiel die Profis der Champions-League-Teilnehmer.

Für Kruse würde damit ein Traum in Erfüllung gehen. Er wollte mit seinem Wechsel von Wolfsburg nach Bremen neu durchstarten, sein angekratztes Image aufpolieren, endlich wieder mit Leistung Schlagzeilen schreiben und nicht mit privaten Dingen. Dafür suchte er sich mit Werder einen Club aus, den er als Wohlfühloase aus den Anfängen seiner Profi-Karriere schon kannte, und der diesen Ruf noch immer genießt. Nun meinte Kruse nach dem Derbysieg vielsagend: „Das ist ein Weltklasse-Gefühl. Ich hatte schon viele schöne Momente in diesem Verein seit meiner Rückkehr, das war heute ein weiterer richtig schöner Tag.“ Da fühlt sich aber einer richtig wohl.

Und er weiß es offenbar auch zu schätzen, wie Alexander Nouri mit ihm und seinen Kollegen umgeht. „Der Trainer hat uns zwei Tage freigegeben. Das haben wir uns aufgrund der letzten Wochen auch verdient“, meinte Kruse. Wie er die Zeit nutzen wird, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich fährt er zur Familie nach Hamburg. Aber spätestens am Mittwoch geht es zurück nach Bremen, denn dort hat er sein sportliches Glück gefunden. Im zweiten Anlauf – das geht also doch. Vor allem in Bremen, wo das schon vielen gelungen ist wie zum Beispiel Andreas Herzog, Torsten Frings und Mehrfach-Rückkehrer Claudio Pizarro.

Riesenjubel! Kruse und Kainz drehen das Derby

106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Werder-Anhänger bescherten dem HSV einen feindseligen Empfang, warfen Farbbeutel, ...  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
...Flaschen, Bierbecher und Eier auf den Mannschaftsbus. Auch die patrouillierenden Einsatzkräfte bekamen was ab.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Insgesamt waren geschätzt 750 Polizisten im Einsatz, um das 106. Nordderby zu sichern.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Das Nordderby gilt ohnehin als Hochrisikospiel. Gerade nach der Attacke auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist die Polizei in Alarmbereitschaft.  © nordpho to
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Das Spiel begann mit einem dicken Ausrufezeichen! Werder überfiel den HSV, Max Kruse scheiterte mit seinem Schuss nach 33 Sekunden am stark reagierenden Keeper Christian Mathenia.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Dann aber die kalte Dusche: Michael Gregoritsch köpfte den HSV in Führung (6. Minute).  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Vorlagengeber Aaron Hunt feierte das Tor mit dem anderen Ex-Bremer Dennis Diekmeier.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Filip Kostic hätte die Gäste sogar mit 2:0 in Führung bringen können. Felix Wiedwald parierte aber gut.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Werder (mit Maximilian Eggestein) und der HSV (mit Michael Gregoritsch) liefern sich ein äußerst unterhaltsames Fußballspiel.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Werder hatte mehrere hochkarätige Chancen zum Ausgleich. Erst verfehlte Florian Grillitsch das Tor knapp, kurz darauf zwirbelte Zlatko Junuzovic einen Freistoß an den Pfosten.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Vor der Pause schaffte Werder aber noch den verdienten Ausgleich: Max Kruse schloss eine tolle Direktpass-Kombination mit dem Kopf ab (41.).  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Die Freude beim SV Werder war riesengroß.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Schrecksekunde bei Werder: Dennis Diekmeier greift Santiago Garcia ins Gesicht und fällt auf ihn...  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
...Garcia verletzte sich dabei offenbar schwerer...  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
...und musste vom Feld getragen werden. Für ihn kam Robert Bauer, der sein Blitz-Comeback feierte, zwölf Tage nach einem Außenbandriss.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Das Weserstadion bebte! Florian Kainz schoss aus spitzem Winkel das 2:1 für Werder. Das Spiel war gedreht - und gewonnen!  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Nach dem Spiel stürmte ein freudetrunkener Alexander Nouri aufs Feld...  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
...herzte seinen Siegtorschützen Florian Kainz...  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
... und landete dann in den Armen von Abwehrchef Lamine Sane, der nach auskurierter Verletzung durchspielte.  © nordphoto
106. Nordderby: Werder Bremen gegen Hamburger SV
Das Banner sagt, was die Stunde geschlagen hat: Derbysieg!  © nordphoto

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