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Maximilian Eggestein hat in der vergangenen Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht und will Verantwortung auf dem Platz übernehmen.

Interview mit Werders Mittelfeldspieler

Maxi Eggestein: „Ich fühle mich bereit, Verantwortung zu übernehmen“

Zell am Ziller - Maximilian Eggestein ist einer dieser Spieler, die im System Werder Bremen einen ganz hohen Stellenwert haben. Früh entdeckt, ausgebildet, auf Bundesliga-Qualität gebracht und zum Stammspieler gemacht.

So sieht die Karriere des 20-Jährigen bis jetzt aus. In der Rückrunde der vergangenen Saison hat Eggestein im defensiven Mittelfeld 14 von 17 möglichen Spielen absolviert. Und bevor die Bremer in die Saisonvorbereitung starteten, hat er schnell noch seinen Vertrag an seinen neuen Stellenwert anpassen lassen und verlängert. Bis 2020 ist er nun an den SV Werder gebunden. Bevor der Blick nach vorne geht, warf Eggestein im Freitag zu Ende gegangenen Trainingslager in Zell am Ziller einen Blick zurück.

Vor zwei Jahren waren Sie das erste Mal mit den Profis im Zillertal. Wie war es damals für Sie?

Maximilian Eggestein: Ich bin damals mit keinen großen Ansprüchen gekommen. Alles war noch ziemlich neu für mich. Jetzt sehe ich alles ein bisschen entspannter.

Viktor Skripnik, der damalige Werder-Coach, hat Sie in dem Trainingslager als Spielmacher getestet.

Eggestein: Es hat mich überrascht, dass ich in den Testspielen auf dieser Position spielen durfte.

Skripnik hat Ihnen auch zum Saisonstart vertraut, Sie haben zwei Spiele gemacht. Danach war es wie abgeschnitten, und Sie wurden nicht mehr berücksichtigt. Wie sind Sie damit als 18-Jähriger umgegangen?

Eggestein: Ich wollte natürlich bei den Profis dabeibleiben. Wenn man dann plötzlich wieder raus ist, muss man das erstmal verarbeiten können.

Wie haben Sie das geschafft?

Eggestein: Erstmal war ja von vornherein klar, dass es nicht immer bergauf gehen würde, sondern dass es auch Rückschläge geben wird. Damit muss man dann klarkommen. Man muss halt immer versuchen, an die eigene Stärke zu glauben, und daran, dass man die Qualität hat, in der Bundesliga zu spielen. Man muss sich aber auch seiner Schwächen bewusst sein und versuchen, an den Punkten zu arbeiten, die man noch nicht so gut gemacht hat.

Welche Rolle spielt da das Umfeld?

Eggestein: Es ist halt leichter, wenn man gesagt bekommt, was man noch besser machen muss. Es ist gut, wenn dir einer sagt: ,Arbeite an deinem Körper‘. Oder: ,Arbeite an deiner Rückwärtsbewegung!‘ Das hilft dir. Wenn dir niemand sagt, was nicht so gut ist, kannst du dich auch nicht verbessern.

Zwei Jahre später sind Sie in einer anderen Position. Skripnik-Nachfolger Alexander Nouri setzt auf Sie als Sechser, nicht als Zehner. Und nach 14 Rückrunden-Einsätzen in der vergangenen Spielzeit lässt sich sagen, dass Sie das erste Mal einen Stammplatz zu verteidigen haben. Fühlt sich das sehr anders an?

Eggestein: Nicht unbedingt. Mein Anspruch ist es, weiter zu spielen. Aber ich weiß natürlich, dass auch andere diesen Anspruch haben. Ich glaube, es ist gut, dass wir auf vielen Positionen einen guten Konkurrenzkampf haben und mehrere Spieler infrage kommen. Ich glaube, das macht uns auch als Team stärker. Das hat man in der Rückrunde gesehen, als immer wieder neue Spieler reingeworfen wurden. Ob ich das war oder Florian Kainz – wir haben es gut gemacht, und es hat uns als Team ausgezeichnet, dass wir in der Breite besser aufgestellt waren.

Das war jetzt teamideologisch die richtige Antwort. Und Ihr persönliches Erleben?

Eggestein: Es ist doch egal, von welcher Seite man sich der Sache nähert. Es geht doch immer darum, den Trainer von sich zu überzeugen. Der einzige Unterschied jetzt ist, dass ich ein Stück weiter bin in meiner Entwicklung und dass ich auf einer anderen Position gesehen werde als vor zwei Jahren. Aber das grundsätzliche Gefühl ist, dass ich mir keinen großen Kopf mache, ob ich meine Position verteidige oder nicht. Ich möchte einfach dem Trainer zeigen, dass es mit mir weiterhin gut klappen kann.

Maxi Eggestein: Sein Werder-Weg in Bildern

Dass der Verein daran glaubt, dokumentiert sich in der Vertragsverlängerung. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie unterschreiben?

Eggestein: Ich habe von vornherein gesagt, dass ich sehr offen für eine Verlängerung bei Werder bin. Ich war immer gewillt, hier zu bleiben. Die Vereinsverantwortlichen haben mir auch früh signalisiert, dass sie gerne mit mir weitermachen wollen – auch in einer Phase, in der es nicht so gut lief. Ich freue mich einfach, dass ich weiter bei Werder spielen kann. Es war auch schön, dass ich in der Rückrunde die Chance bekommen habe. Es ist für beide Seiten gut gelaufen.

Wo wollen Sie in der internen Hierarchie stehen, wenn der neue Vertrag ausläuft?

Eggestein: Dann ist es schon mein Ziel, ein etablierter Bundesliga-Spieler zu sein und eine weitere Stufe in meiner Entwicklung genommen zu haben.

Werder hat einige Spieler mit Erfahrung verloren, unter anderem sind die Mittelfeldspieler Clemens Fritz und Florian Grillitsch nicht mehr dabei. Sie sind mit 20 Jahren eigentlich erst ein Spieler der übernächsten Generation, aber müssen Sie jetzt schneller reifen, um Verantwortung tragen zu können?

Eggestein: Ich fühle mich bereit, Verantwortung zu übernehmen. Das ist aber immer leicht gesagt, man muss es dann auch auf dem Platz zeigen. Das habe ich mir vorgenommen, das möchte ich umsetzen.

In der vergangenen Saison haben Sie auch davon profitiert, dass Philipp Bargfrede lange verletzt war. Jetzt ist er zurück und hat schon mal angekündigt, dass er spielen wird, wenn er fit ist. Schlechte Aussichten für Sie?

Eggestein: Der Trainer hat ja angedeutet und bereits gezeigt, dass wir die unterschiedlichen Systeme ausprobieren werden. Je nach System wird es auch die Möglichkeit geben, dass wir mit zwei Sechsern spielen – dann vielleicht mit Philipp und mir. Und wenn nur ein Sechser spielt, kann ich vielleicht auch auf die Acht vorrücken. Es gibt sicherlich Möglichkeiten, wie man das schieben kann. Ich glaube nicht, dass es nur ein Entweder-Oder gibt. Wenn Philipp und ich beide gute Leistungen bringen, dann wird es auch einen Weg geben, dass wir zusammen auf dem Platz stehen können.

Die Halbposition im Mittelfeld würden Sie auch spielen wollen?

Eggestein: Ich traue sie mir zu. Ich weiß, dass der Trainer mich eher auf der Sechs sieht. Aber grundsätzlich denke ich, dass ich auch die Acht spielen kann.

Ihr Bruder Johannes war in der vergangenen Saison schon auf dem Sprung in den Bundesliga-Kader, dann hat er sich verletzt, fiel lange aus. Was wünschen Sie ihm für die neue Saison? Schafft er den Sprung in die Bundesliga?

Eggestein: Ich wünsche ihm jetzt erstmal, dass er verletzungsfrei bleibt. Das ist das Wichtigste. Wenn ihm das dauerhaft gelingt, dann glaube ich, dass er seinen Weg macht und auch seine ersten Bundesliga-Einsätze bekommen wird. Ich glaube, dass er fußballerisch viel drauf hat, das hat er schon gezeigt. Jetzt muss er sich noch im Herrenbereich beweisen. Ich traue es ihm auf jeden Fall zu.

Maximilian Eggestein (re.) im Testspiel gegen die Wolverhampton Wanderers im Zillertal.

Wie können Sie ihm aktuell helfen?

Eggestein: Ich kann ihm meine Erfahrungen mitgeben aus den Spielen, die ich gemacht habe. Wenn er Fragen hat, kann er immer zu mir kommen.

Sind Sie beiden nicht sowieso ständig zusammen?

Eggestein: Stimmt schon, wir sind ständig im Austausch. Aber so häufig fragt Johannes gar nicht. Er hat auch ein gesundes Selbstvertrauen, deswegen wird er schon seinen Weg machen.

Werder hat den Vertrag mit Claudio Pizarro nicht verlängert – laut offizieller Begründung unter anderem deshalb, weil er den jungen Spielern nicht im Weg stehen soll. Damit ist auch und vor allem Ihr Bruder gemeint.

Eggestein: So schade es für Caudio ist, ist es für Johannes natürlich eine Chance – wie für alle, die bei uns im Angriff spielen. Wir haben ja in der vergangenen Saison vorne mit Fin Bartels und Max Kruse agiert – mit Spielern also, die keine echten Neuner sind, sondern eher aus der Tiefe kommen und die Laufwege hinter die Kette machen können. Keine Torjäger im klassischen Sinn also.

Könnte Johannes dieser Torjäger für Werder werden?

Eggestein: Das wird die Zukunft zeigen. Ich würde mich freuen, aber man darf jetzt zu Beginn auch nicht zu viel erwarten.

Sie waren zweieinhalb Jahre und Ihr Bruder gerade ein Jahr alt, als Claudio Pizarro seinen ersten Vertrag bei Werder unterschrieben hatte. Haben Sie es genossen, noch mit ihm zusammengespielt zu haben?

Eggestein: Auf jeden Fall. Man liest ja immer wieder, wie sehr Claudio den jungen Spielern im Team geholfen hat, und genauso war es auch, ich kann das gut bestätigen.

Wieso?

Eggestein: Er war immer sehr offen, ist auch mal auf die jungen Spieler zugegangen, hat von sich aus einen Tipp gegeben oder einfach mal gefragt, ob alles okay ist. Er war eine Persönlichkeit, zu der man aufschauen konnte.

Hat er Ihnen in einem speziellen Moment geholfen?

Eggestein: Vorletzte Saison, das letzte Spiel gegen Eintracht Frankfurt, als es um den Klassenerhalt ging. Ich stand in der Startelf, und er kam zu mir, um mir zu sagen, dass ich mir überhaupt keinen Kopf machen soll, fußballerisch sei es bei mir überhaupt keine Frage, dass ich mithalten könne. Ich solle einfach nicht nervös werden, dann würde es schon werden. Und ich glaube nicht, dass ich der einzige war, dem Claudio auf diese Weise geholfen hat, sondern dass er allgemein an der Entwicklung in der vergangenen Saison einen großen Anteil hatte.

Aus Ihrer Sicht ist es also schade, dass er nicht mehr dabei ist?

Eggestein: Als Persönlichkeit auf jeden Fall. Ich hätte es noch mehrere Jahre mit ihm ausgehalten.

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