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Arm in Arm für Deutschland: Die Werder-Brüder Johannes (links) und Maximilian Eggestein spielten mit der U 21 gemeinsam gegen den Kosovo.

Maximilian und Johannes Eggestein starten durch

Bescheidene Brüder mit Werder-DNA

Bremen - Die Gelegenheit könnte günstiger kaum sein: Die Bremer Eggesteins sind die ersten Brüder seit den Boatengs, die gleichzeitig für Deutschlands U 21 gespielt haben – das lässt die Herzen von Vermarktern höherschlagen.

Doch Werder übt sich in Zurückhaltung. „Das ist eine schöne Geschichte für die Medien, aber wir gehen damit nicht hausieren“, sagt Werder-Boss Klaus Filbry. Eine große Werbekampagne mit Maximilian und Johannes Eggestein in den Hauptrollen sei kein Thema. Ohnehin würden die beiden Talente sehr individuell betrachtet, das aber mit Stolz. Schließlich steht ihr Weg für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit.

Maximilian Eggestein kam 2011 mit 14 Jahren zu Werder, Bruder Johannes 2013 mit 15. Viel früher geht es auch nicht, wenn die Spieler nicht in Bremen oder umzu wohnen. Die Eggesteins zogen nämlich bei ihren Eltern in Havelse bei Hannover aus und ins Internat im Weserstadion ein. Keine einfache Entscheidung in so jungen Jahren. Längst wissen Mama und Papa Eggestein, dass es richtig war. 

Beim U 21-Länderspiel gegen den Kosovo saßen sie in Osnabrück auf der Tribüne und sahen, wie Sohnemann Maximilian den 1:0-Siegtreffer erzielte. Wenige Tage zuvor hatte Johannes in Paderborn bei der 1:2-Niederlage gegen Ungarn getroffen. „Wir finden es klasse, wenn sie sagen können, dass sie stolz auf uns sind“, sagte anschließend Maximilian Eggestein: „Das wären sie aber sicher auch, wenn wir keine Fußballer wären.“

Familie ist immer auf dem Boden geblieben

Dieser Nachsatz passt zu den Eggesteins. Sie leben durchaus für den Fußball, aber sie sind nicht verrückt danach. „Die schulische Ausbildung ihrer Kinder war den Eltern sehr wichtig“, erinnert sich Björn Schierenbeck, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, an die ersten Gespräche. Und die ganze Familie sei trotz der Erfolge der Jungs immer auf dem Boden geblieben. „Maxi und Johannes sind ganz angenehme Menschen“, sagt Werder-Boss Klaus Filbry und betont: „Sie haben die Werder-DNA verinnerlicht.“ Der Club will bodenständig, sympathisch und fest in der Region verwurzelt rüberkommen. In dieses Bild passen die stets freundlichen, aber auf dem Platz keineswegs braven Eggesteins bestens hinein.

„Beide sind total unaufgeregt, aber sehr zielstrebig“, beschreibt Schierenbeck das Brüderpaar und lobt: „Sie waren immer bereit, Schritt für Schritt zu gehen. Und sie haben nie gedacht, schon drei Schritte weiter zu sein.“ Klingt auch nach einem sehr gemeinsamen Weg, doch ganz so ist es nicht. „Maxi und Johannes sind unterschiedlich. Wir haben sie auch nie als Brüder gesehen, sondern immer einzeln“, betont Schierenbeck. Schließlich haben die Eggesteins wegen des Altersunterschieds von anderthalb Jahren in der Werder-Jugend nie zusammen gespielt. 

Das kam erst in der U 23 und nun bei den Profis. Vergleiche hinken auch wegen der verschiedenen Positionen. Maximilian ist ein Sechser, Johannes Stürmer. Da das Toreschießen im Fußball immer noch einen besonderen Stellenwert hat, stand Johannes meist mehr im Fokus. Er galt als das Supertalent bei Werder. „Diesen Rucksack musste er mit sich rumtragen“, sagt Schierenbeck: „Aber das hat er gut gemacht und eigentlich immer geliefert.“

Filbry vergleicht Maximilian mit Frank Baumann

Intern sei die Wertschätzung für Maximilian nie geringer gewesen als für Johannes. Doch dessen Stärken wie „Raffinesse und Handlungsschnelligkeit“ (Schierenbeck) fallen eben nicht jedem Zuschauer so ins Auge wie Tore. „Maxi ist ein Spieler, auf den man sich immer verlassen kann“, lobt Schierenbeck. So sieht das inzwischen auch Chefcoach Alexander Nouri, der den älteren Eggestein zum Stammspieler bei den Profis gemacht hat. Filbry vergleicht ihn sogar mit Sportchef und Ex-Profi Frank Baumann: „Sie haben fußballerisch und menschlich eine große Ähnlichkeit.“

Johannes muss dagegen noch um jede Minute kämpfen. „Man darf sein Alter nicht vergessen“, sagt Schierenbeck über den erst 19-Jährigen. Da sind Berufungen in die Nationalmannschaft durchaus hilfreich, bei U 21-Coach Stefan Kuntz bekam Johannes mehr Spielzeit als in Bremen. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, sein Land repräsentieren zu dürfen und zu den besten seines Jahrgangs zu gehören“, erinnert sich Teamkollege Robert Bauer selbst gerne an seine Zeit in der U 21. Kein Wunder, schließlich hat er vor fast genau einem Jahr mit der Truppe Olympisches Silber geholt. Die Eggesteins haben zwar gerade nur gegen Ungarn und den Kosovo gespielt, aber Bauer glaubt, „dass es ihnen einen Schub geben wird“.

Auf einen Schub hofft auch Schierenbeck – und zwar bei der Nachwuchsarbeit: „Wir sind schon stolz.“ Denn die Eggesteins sind gute Beispiele – für die Talente, die schon da sind und noch kommen sollen. Da würde sich ja fast schon ein entsprechender Werbeflyer anbieten. Doch Werder möchte keinen Brüder-Hype – und das Duo auch nicht. Angesprochen auf ihre Boateng-Nachfolge reagierte Maximilian Eggestein auf seine typische, alles andere als überschwängliche Art: „Echt? Das wusste ich gar nicht. Das ist natürlich eine schöne Sache.“

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