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Der Optimismus in Person: Werder-Sportchef Frank Baumann.

„Wir werden einen guten Start hinlegen“

Nach dem 1:1: Baumann verordnet Werder Optimismus

Bremen - Das Weserstadion war schon ziemlich leer, als Frank Baumann am Samstagabend durch die Interviewzone ging.

Vieles war schon gesagt worden zu Werders 1:1 (0:0) beim Bundesliga-Auftakt gegen Hannover 96. Und allenthalben war eine Enttäuschung darüber zu vernehmen, dass die Bremer nicht gewonnen hatten. Die Erwartungshaltung ist eben groß, der Verein hat mit dem mutigen Ziel Europa selbst dazu beigetragen. Baumann wollte da auch gar nicht zurückrudern, aber der Sportchef bat um eine richtige Einordnung und forderte, nun bloß nicht die gute Stimmung und schon gar nicht den Mut zu verlieren.

„Auch, wenn wir heute nicht ganz happy sind, bleiben wir optimistisch, einen guten Start hinzulegen“, sagte Baumann. Der Blick geht dabei schon Richtung Frankfurt. Dort soll der erste Dreier der Saison her. „Wir müssen in Frankfurt gewinnen“, sagte Niklas Moisander. Der Finne wollte damit nicht zusätzlichen Druck aufbauen, sondern es geht um das neue Bremer Selbstverständnis: Drei Punkte sind immer das Ziel, egal wo und egal gegen wen. Nur so lebt der Traum von Europa.

Kohfeldt fehlt das nötige Tempo

Aber das sorgt eben auch dafür, dass es bis zur Enttäuschung nicht weit ist. Das Ergebnis steht über allem. Und da ist ein 1:1 in einem Heimspiel gegen Hannover 96 natürlich zu wenig. Da widersprach auch kein Werderaner. Bei der Einordnung der Leistung gab es dann schon unterschiedliche Ansichten. Für Moisander war der erste Bundesliga-Auftritt in dieser Saison mindestens „okay bis gut“. Trainer Florian Kohfeldt gab zunächst auch ein „gut“ als Note, schwächte dies aber selbst noch zu einem „ordentlich“ ab. Ihm hatte einfach etwas gefehlt: das nötige Tempo. 

Und dieser Makel sorgte dafür, dass Werder lange Zeit nicht mitreißend agierte, dass von einer zähen Partie gesprochen wurde. Spielkontrolle ist zwar ganz nett anzusehen, aber ohne echte Torchancen irgendwann auch frustrierend. Florian Kainz und Yuya Osako wurden auf den Außen durchaus gut in Position gebracht, ihnen fehlte aber das Tempo sowie das Durchsetzungsvermögen, um zum Abschluss zu kommen. Ähnliches galt auch für Max Kruse oder die Achter Maximilian Eggestein und Davy Klaassen.

Es war nicht der Tag des Kapitäns! Kaum gute Aktionen in der Offensive, dazu drei richtig gefährliche Fehlpässe.

Erst nach der Pause wurde Werder gefährlicher, kam auch zu guten Chancen durch Ludwig Augustinsson, Osako und den eingewechselten Claudio Pizarro. Genau in diese Phase hinein fiel der Gegentreffer. „Das war viel zu einfach, das darf nicht passieren“, monierte Moisander. Vor allem die Abseitsfalle hatte nicht richtig funktioniert. Hendrik Weydandt nutzte das zum 1:0 (77.).

Fulminantes Comeback von Pizarro im Weserstadion

Ein Schock für Werder! Aber auch eine Herausforderung, die bestanden wurde. Die Bremer konnten tatsächlich noch einen Gang höher schalten. „Der Druck wurde immer größer“, gestand 96-Coach Andre Breitenreiter. Der Ausgleich durch Theodor Gebre Selassie war mehr als verdient (86.). Und dieses Mehr war danach tatsächlich noch drin. Johannes Eggestein hatte in der Schlusssekunde den Siegtreffer auf dem Kopf. „Das wäre eine Geschichte gewesen“, meinte Kohfeldt. Das 20-jährige Riesentalent hätte sich damit aus dem Schatten von Pizarro gespielt – und dieser könnte nach dessen fulminanten Comeback im Weserstadion kaum größer sein.

Das Weserstadion bebte als Pizarro eingewechselt wurde.

Nicht nur wegen dieser Szene betonte Kohfeldt immer wieder: „Wir hatten ein Chancenplus.“ Das war ihm wichtig. Denn natürlich weiß er, dass durch das mutige Ziel Europa bei Werder noch genauer hingeschaut wird. Dass Skeptiker wahrscheinlich nur darauf warten, dass die Bremer etwas zu forsch an die Sache herangegangen sind. Deshalb ist es schon auch wichtig, wie Werder agiert. „Das war kein Rückschlag“, stellte Kohfeldt unmissverständlich klar. Vieles sei bereits aufgegangen, einiges müsse eben noch verbessert werden. So ist das zum Saisonstart.

„Leverkusen und Schalke haben sogar verloren“, meinte Moisander mit Blick auf Mannschaften, die als gesetzt für Europa gelten. Werder möchte in diese Phalanx einbrechen, aber Baumann betonte auch: „Wir wollen nicht ständig über Ziele sprechen, sondern erst mal einen guten Start schaffen.“

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