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Anhänger von Werder Bremen vermummen sich im Berliner Olympiastadion.

Nach Ausschreitungen in Berlin

Werder lehnt Kollektivstrafen für Fans weiterhin ab

Bremen/Berlin - Nach den Ausschreitungen zwischen Anhängern und Polizei in Berlin ist der Verein um Aufklärung bemüht – und stellt sich bereits auf die nächste Strafe vom DFB ein.

Werders Auswärtsspiel bei Hertha BSC war am Sonntag erst wenige Minuten vorbei, als das Handy von Hubertus Hess-Grunewald nicht mehr still stand. Anruf folgte auf Anruf. Der Präsident hatte so etwas schon befürchtet. Schließlich hatte er auch gesehen, was sich wenige Minuten vor dem Anpfiff im Gästeblock abgespielt hatte. 

Zehn Werder-Fans, allesamt vermummt, waren auf die Balustrade vor dem Innenraum geklettert und brannten dort vor den Augen von Berliner Polizisten bengalische Feuer ab. Eine Szene, wie sie in der Bundesliga mittlerweile zum Alltag gehört. In Berlin war sie allerdings der Auftakt einer Auseinandersetzung zwischen Fans und Polizei, die nach dem Spiel ihren Höhepunkt fand. „Wir wissen, dass leider einiges los war, das mit Fußball nichts zu tun hat“, sagte Hess-Grunewald am Dienstag. „Es geht jetzt darum, die unterschiedlichen Schilderungen zusammenzuführen.“

Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald.

Was feststeht, sind folgende Zahlen: 26 Festnahmen, dazu 17 leicht verletzte Polizisten, wie die Berliner Polizei am Abend nach dem Spiel in einer Mitteilung bekannt gab. Was hingegen unklar ist, ist die Frage, ob es überhaupt so weit hätte kommen müssen. Gegenüber der DeichStube haben Bremer Fans, die vor Ort waren, von einem unverhältnismäßig harten Vorgehen der Beamten berichtet. Was also ist im und vor dem Olympiastadion am Sonntag wirklich passiert?

Bremer Anhänger beklagen einen übermäßig harten Einsatz der Polizei

Auf die Pyro-Aktion kurz vor dem Anpfiff reagierten die Polizisten zunächst nicht. Erst brannte es, dann ging das Spiel los. Dafür sollen in der Halbzeitpause die Stadionordner aktiv geworden sein, wie verschiedene Werder-Fans berichten. Die Ordner wollten die Täter aus dem Block holen, wurden daran aber offenbar von Bremer Anhängern, darunter Mitglieder der Ultragruppe „Wanderers Bremen“, gehindert. Auch die zehn Männer auf der Balustrade sollen der Gruppe angehören. Mit der Pyro-Aktion wollten die „Wanderers“ in Berlin offenbar ihr zehnjähriges Bestehen feiern. „Als Ordner dann die Treppen, die gleichzeitig auch Rettungswege sind, frei halten wollten, kam es zu Rangeleien seitens der Gästefans“, heißt es im Bericht der Polizei.

Anhänger von Werder Bremen zünden kurz vor dem Anpfiff im Spiel gegen Hertha BSC Pyrotechnik.

Nach dem Spiel wollten die Beamten die „wiedererkannten Straftäter“ festnehmen, die Fans leisteten aber Widerstand. Elf Beamte sollen laut Berliner Polizei verletzt worden sein. Die Bremer Anhänger beklagten ihrerseits einen übermäßig harten Einsatz der Polizei. Im März 2012 hatten Werder-Fans nach einem Gastspiel ihrer Mannschaft in Berlin ähnliche Vorwürfe geäußert. „Wir werden nicht mit Schnellschüssen arbeiten“, sagte Hess-Grunewald zum aktuellen Vorfall. Klar ist für den Präsidenten nach den Pyro-Bildern, „dass wir wieder mit einer Strafe des DFB rechnen müssen“. In der vergangenen Saison hatte Werder insgesamt 72 000 Euro Geldbuße für das Fehlverhalten seiner Anhänger bezahlen müssen. Nur vier Vereine aus der Bundesliga wurden noch härter bestraft.

"Sprechen uns aber deutlich gegen Kollektivstrafen aus“

An ihrer grundsätzlichen Position wollen die Bremer indes nichts ändern: „Wir unterstützen alles, was zu einer täterorientierten Aufklärung beiträgt, sprechen uns aber deutlich gegen Kollektivstrafen aus“, betonte Hess-Grunewald abermals. Der Club werde aber weiterhin versuchen, die Fans – so sie denn identifiziert sind – zur Kasse zu bitten. „Wir haben immer betont, dass wir im Falle der Identifizierung eines Täters die Kosten, die uns entstehen, auch weitergeben werden. Diese Konsequenz muss sein, sonst macht die täterorientierte Aufklärung keinen Sinn“, sagte Hess-Grunewald, der gerade erst erfahren hat, dass dieses Vorgehen zum Erfolg führen kann. Jene Fans, die für das Abbrennen von Pyrotechnik während des Auswärtsspiels bei Bayer Leverkusen im März verantwortlich waren, sind identifiziert und sollen demnächst Post bekommen.

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