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Früher trugen beide mal das Werder-Trikot, längst stehen Franco Di Santo (l.) und Naldo aber bei Schalke 04 unter Vertrag.

Ex-Bremer Naldo und Franco Di Santo bei Schalke 04

Blau das Trikot, grün-weiß die Vita

Bremen/Gelsenkirchen - Sie waren große Namen in Bremen. Naldo und Franco Di Santo. Der eine wird von den meisten Werder-Fans immer noch geliebt, obwohl er den Club einst verließ, um via VfL Wolfsburg schließlich bei Schalke 04 zu landen.

Der andere hat die meisten Sympathien verspielt, weil er vor zwei Jahren ausgerechnet am „Tag der Fans“ zum FC Schalke wechselte, obwohl er kurz zuvor noch von nichts gewusst haben wollte. Am Samstag kehren beide ins Weserstadion zurück, und die DeichStube hat die Situation der beiden Ex-Bremer bei ihrem aktuellen Club unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Für Naldo gilt der Satz „Je oller, je doller“ und für Di Santo die Frage „Neuer Coach, neues Glück?“.

Schon 35 Jahre alt, aber immer noch eine Stütze des Schalker Teams: Naldo.

Naldo: „Warum nicht weitermachen?“

Neulich hat Naldo seinem Club einmal mehr einen großen Dienst erwiesen. Als er im Spiel gegen den VfB Stuttgart mit dem Kopf die 2:1-Führung erzielte, stellte er nicht nur die Weichen für den Schalker 3:1-Sieg, sondern drehte den Protestlern unter den königsblauen Fans auch den Saft ab. Bevor Naldo traf, war die Stimmung in der Veltins-Arena nämlich angespannt gewesen. Der aus Fansicht unnötige Abgang von Ex-Kapitän Benedikt Höwedes, die mäßige Leistung – es war atmosphärisch kritisch. Und es hätte schnell noch schlimmer werden können, wenn Naldo nicht getroffen hätte. So aber konnte der eingebürgerte Brasilianer sein auch in Bremen bestens bekanntes Lachen auspacken und den Schalker Saisonstart in den Vordergrund stellen: „Sechs Punkte nach drei Spielen – damit können wir zufrieden sein.“

Ganz besonders er selbst. Ganz besonders an diesem Tag. Denn es war Naldos 35. Geburtstag gewesen, an dem er sein zweites Bundesliga-Tor für Schalke bejubelte. Sein insgesamt 40. Treffer im Fußball-Oberhaus hat zudem verhindert, dass sich sein Alter und seine Torquote weiter annähern. Mit 35 Jahren gehört Naldo, der zwischen 2005 und 2012 260 Pflichtspiele für Werder Bremen absolvierte, längst zu den Oldies der Liga. Doch für den Innenverteidiger spielt das keine Rolle. Aufhören? Ach, was! „Wenn du immer Gas gibst und dein Körper mitmacht, warum soll man dann nicht weitermachen?“, sagt er.

Naldos Stellenwert steigt bei Schalke immer weiter

Naldos Vertrag auf Schalke läuft noch bis Ende der Saison, danach können beide Seiten eine Option ziehen. Sollte dies nicht geschehen (was unwahrscheinlich ist), könnte er mit fast 36 Jahren noch einmal auf den Markt kommen. Interessenten würde es geben – so ist der VfL Wolfsburg gerade erst mit einem Versuch gescheitert, den sympathischen Profi in die VW-Stadt zurückzuholen. Naldo bestätigt das Angebot, sagt aber auch, dass es „absolut okay“ war, bei S04 zu bleiben: „Wir haben nicht diskutiert.“

Weshalb auch? Naldos ohnehin schon hoher Stellenwert im Team ist durch den Abgang von Benedikt Höwedes noch weiter gestiegen. Naldo ist Abwehrchef, Integrationsfigur, Kopfstreichler bei den jungen Spielern. Fast schon hochachtungsvoll spricht der neue Knappen-Coach Domenico Tedesco über den 1,98-Meter-Mann: „Er ist ein außergewöhnlicher Mensch, der einen Mitspieler herzhaft umarmt oder auch mal kritische Worte an den Mann bringt. Das tut uns gut. Wir sind froh, dass wir Naldo haben.“

Franco Di Santo ist in zwei Jahren auf Schalke nicht vorangekommen.

Franco Di Santo: „Ich liebe Bremen“

Über Franco Di Santo hat Tedesco Vergleichbares wie über Naldo noch nicht gesagt. Trotzdem lässt sich feststellen, dass der Coach auf den Argentinier setzt. In den ersten beiden Saisonspielen wurde der Stürmer jeweils in die Startelf beordert. Spiel drei verpasste er dann wegen einer Oberarmprellung. Gegen Werder könnte Di Santo aber wieder dabei sein. „Es ist alles okay. Ich habe zwar noch leichte Schmerzen in meinem Arm, aber das ist halb so wild. Ich fühle mich fit und bereit“, sagt er.

Zwei Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang aus Bremen und vor der zweiten Rückkehr ins Weserstadion rechnet Di Santo zwar noch mit Pfiffen gegen ihn („ein Teil der Fans wird immer pfeifen“), aber das könne er absolut verkraften. Dennoch empfindet er den Trip in die Vergangenheit als „seltsam“, sagt Di Santo: „Ich liebe Bremen. Sie haben mir dort die Chance gegeben, in der Bundesliga zu spielen. Für mich ist es wichtig, dass die Fans wissen, dass ich Bremen immer im Herzen haben werde. Ich habe die besten Erinnerungen an meine Zeit bei Werder.“

Di Santo spürt unter Tedesco Aufbruchstimmung

Vielleicht sogar bessere, als Di Santo sie jemals für Schalke haben wird. Denn in zwei Spielzeiten für Werder kam er auf 51 Pflichtspiele, in denen er 18 Tore erzielte. Nach 52 Partien für Schalke sind es nur acht Treffer. Oder noch genauer: Für Werder stand der heute 28-Jährige 4 137 Minuten auf dem Platz und erzielte alle 230 Minuten ein Tor. Für Schalke sind es bislang 2 554 Minuten mit einer Tortaktung von 319 Minuten. Keine Frage also, wo der dreimalige Nationalspieler erfolgreicher war.

Seine Schalker Zeit ist bislang allerdings auch von Verletzungen geprägt. „Sehr frustrierend“ war das, meint Di Santo, der aktuell aber eine Art innere Aufbruchstimmung verspürt – nicht zuletzt wegen Domenico Tedesco: „Es ist ein Neustart. Mit dem neuen Trainer eröffnen sich mir neue Möglichkeiten. Ich schätze es sehr, dass ich hier eine neue Chance bekomme.“ csa/Marcel Guboff

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