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Naldo sorgte direkt nach seinem Wechsel zur AS Monaco für Schlagzeilen – allerdings im negativen Sinne: In drei Spielen flog er zweimal vom Platz.

Ex-Bremer über Monaco, Werders Ziele und das Karriereende

Naldo im Interview: „Zum Abschluss zurück in die Bundesliga“

Bremen/Monaco – Keine Frage: Auf diesen unrühmlichen Rekord hätte Naldo (36) liebend gern verzichtet: Nur 157 Minuten benötigte der Innenverteidiger, um in den ersten drei Spielen für seinen neuen Club AS Monaco gleich zweimal mit Rot vom Platz zu fliegen.

Schneller hatte das vor ihm noch kein Spieler in der Ligue 1 geschafft. Im Interview mit der DeichStube spricht Ex-Werder-Profi Naldo nun über seinen Fehlstart in Frankreich und Werders kommende Duelle gegen seine alten Clubs VfL Wolfsburg und Schalke 04. Außerdem erklärt der Brasilianer seinen überraschenden Abgang aus der Bundesliga – und betont, dass er seine Karriere eines Tages sehr gerne in Deutschland beenden würde.

Naldo, in der Bundesliga galten Sie stets als harter, aber fairer Verteidiger. Sind Sie in Frankreich zum Rüpel geworden?

(lacht) Nein, nein, das nicht. Die beiden Platzverweise sind sehr ärgerlich für mich. Der erste (während des 1:5 gegen Straßburg, Anm. d. Red.) ging in Ordnung, weil ich letzter Mann war. Der zweite (während des 0:2 in Dijon, Anm. d. Red.) war aber zu hart. Ich grätsche, spiele erst den Ball und erwische dann den Gegenspieler, der sich zum Glück nicht verletzt hat. In Deutschland hätte es dafür nur Gelb gegeben. Zu Beginn war es hier einfach schwierig für mich. Jetzt darf ich wieder spielen und bin bereit.

Trainer Thierry Henry, der Sie im Winter unbedingt haben wollte, wurde Ende Januar entlassen. Sein Nachfolger, Leonardo Jardim, hat bisher noch nicht auf Sie gesetzt...

Henry hatte sehr großes Vertrauen in mich, nach seiner Entlassung war plötzlich alles anders. Als der neue Trainer kam, war ich noch gesperrt, und die Mannschaft hat gut gespielt. Wir haben seit vier Spielen nicht mehr verloren, davon sogar drei gewonnen. Jetzt warte ich auf die Chance, dass ich mich wieder zeigen kann.

Ihr überraschender Abschied von Schalke 04 war in der Winterpause ein großes Thema in Deutschland. Wie bewerten Sie die Entscheidung mit ein paar Wochen Abstand?

Ich hatte bei Schalke zweieinhalb überragende Jahre, musste am Ende aber feststellen, dass ich keine Rolle mehr spiele. Irgendwann wurde mir klar: Egal, was ich mache, ich werde hier nicht mehr auf dem Platz stehen. Das habe ich akzeptiert, mich aber nach einer Lösung umgesehen.

Die Partie gegen Werder Bremen mit Max Kruse (am Ball) war Naldos letztes Heimspiel für den FC Schalke 04.

Schalkes scheidender Manager Christian Heidel hat im Nachgang gesagt, dass Geld eine große Rolle bei Ihrem Wechsel gespielt hat...

Ja, und das hat mich sehr überrascht, weil es nicht stimmt. Es hatte andere Gründe, warum ich Schalke verlassen habe. Die habe ich Christian vor meinem Wechsel erklärt. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht mehr dieses Vertrauen spüre, das ich brauche und dass ich den Verein gerne in der Winterpause verlassen möchte.

Heidel hat ob der sportlichen Krise inzwischen auch seinen Abgang angekündigt. Empfinden Sie da Genugtuung?

Nein. Dass Schalkes Situation im Moment nicht gut ist, ist nicht seine Schuld. Er stand zuletzt zu Unrecht so stark in der Kritik. Man darf aber nicht vergessen, dass viele Spieler, die er geholt hat, bei ihren Ex-Vereinen überragend waren. Schalke hat in diesem Jahr auch einfach sehr viel Pech gehabt. Für mich ist Christian Heidel ein guter Mensch und ein guter Manager.

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Kommen wir zu einem anderen Ihrer Ex-Clubs – Werder Bremen. Halten Sie die Rückkehr nach Europa in dieser Saison noch für möglich?

Auf jeden Fall! Die Europa League ist für Werder noch drin. Dafür muss die Mannschaft am Sonntag in Wolfsburg aber mindestens einen Punkt holen und in der Woche danach gegen Schalke gewinnen.

In Ihren Augen beides machbare Aufgaben?

Wolfsburg ist im Moment richtig gut drauf und hat gezeigt, dass dort in diesem Jahr endlich eine Mannschaft auf dem Platz steht. Das war in den letzten beiden Saisons nicht so. Es wird ein 50:50-Spiel, denn Werder ist auswärts ein unangenehmer Gegner. Ich freue mich drauf und werde es mir ansehen.

Früher Teamkollegen bei Werder Bremen, heute immer noch in Kontakt: Claudio Pizarro (l.) und Naldo.

Gegen Schalke spielen die Bremer in den nächsten Wochen gleich zweimal. Am 8. März erst in der Liga, am 3. April dann im DFB-Pokal-Viertelfinale...

Das werden harte Termine für mich, denn mein Herz schlägt für beide Vereine. Im Pokal hat Schalke den großen Vorteil, zu Hause zu spielen, und da können sie jedem Gegner wehtun. In der Liga wird es auswärts in Bremen aber sehr schwer, denn im Weserstadion ist Werder fast unschlagbar. Die Atmosphäre dort ist einfach super, wenn die Fans ihre Mannschaft pushen.

Besonders laut wird es in dieser Saison immer dann, wenn ihr alter Mitspieler Claudio Pizarro eingewechselt wird...

Der Mann ist einfach eine Legende. Da passt kein anderes Wort mehr. Aber das war er für mich auch schon vor seinem Rekord-Tor gegen Hertha. Wir stehen heute noch in Kontakt und wissen beide, dass das Alter nur eine Zahl ist. Es macht mir großen Spaß, Claudio auf dem Platz zu sehen. Egal, ob für zehn, 20 oder 30 Minuten. Er kann immer etwas Besonderes machen.

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Das heißt, Werder sollte im Sommer alles versuchen, um ihn zu halten?

Natürlich! Er ist ja nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine wichtig. Wenn er sich jetzt schwerer verletzten sollte, wird es natürlich schwierig. Aber es wäre einfach toll, ihn noch eine weitere Saison lang auf dem Platz sehen zu können.

Sie sind 36 Jahre alt, sprich vier Jahre jünger als Pizarro. Können Sie sich vorstellen, auch noch bis 40 zu spielen?

Fußball macht mir immer noch Spaß und ich fühle mich gut. Also warum nicht? Mein Vertrag in Monaco läuft bis 2020. Wenn es geht, mache ich danach weiter. Gerne wieder in Deutschland.

Ist das Ihr Traum, ein Karriereende in der Bundesliga?

Ja, zum Abschluss zurück in die Bundesliga, wäre toll. Ich muss aber abwarten, was passiert und ob ich noch einen Verein finde, der mich spielen lässt (lacht).

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