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Niklas Moisander geht bei Werder nicht unbedingt auf die Barrikaden, aber immerhin auf den Zaun.

Verteidiger warnt vor weiteren Abgängen

Moisander: „Noch mehr wichtige Spieler dürfen wir nicht verlieren“

Zell am Ziller - Niklas Moisander macht allgemein nicht den Eindruck, als würde er zu Panik oder intensiven Angstzuständen neigen. Der Finne kennt eigentlich nur einen emotionalen Aggregatszustand: ruhig und ausgeglichen.

Umso bemerkenswerter ist es, dass bei dem Innenverteidiger eine gewisse Unruhe aufkommt, wenn er die aktuellen Entwicklungen bei Werder Bremen reflektiert. Viele erfahrene Profis haben den Club verlassen, und weil nun auch noch der Abgang von Kapitän Zlatko Junuzovic zu Trabzonspor droht, rüttelt der besonnene Moisander tatsächlich an der Alarmglocke: „Noch mehr wichtige Spieler dürfen wir nicht verlieren. Denn wir wollen nicht wieder ganz von vorne anfangen müssen.“

So wie im vergangenen Jahr, als Moisander frisch zu Werder Bremen gekommen war. Als Teil eines personellen Umbruchs. Den haben die Bremer mit Erfolg vollzogen. „Wir hatten ein gutes Team, und ich hatte gehofft, dass wir nach der guten Rückrunde an diesem Punkt weitermachen und ihn als Basis nehmen können“, meint der 31-Jährige. Aber die Realität sagt, dass Werder durch die Abgänge von Clemens Fritz, Serge Gnabry, Claudio Pizarro, Felix Wiedwald, Florian Grillitsch und Santiago Garcia in vielen Bereichen Fragezeichen gesetzt hat. Moisander wünscht sich deshalb mehr personellen Input: „Hoffentlich bekommen wir noch ein paar neue Spieler dazu, um unser Team stark zu machen.“

Moisander fordert Neuzugänge - und vertraut Baumann

Es ist ein unmaskierter Appell an Sportchef Frank Baumann, den Neuzugängen Jiri Pavlenka, Ludwig Augustinsson, Jerome Gondorf und Yuning Zhang weitere folgen zu lassen. Er habe aber „Vertrauen in Frank“ und dessen Crew: „Ich bin sicher, sie wissen, was sie tun“.

Obwohl: Als Werder in dem Tschechen Pavlenka die neue Nummer eins für das Bremer Tor präsentierte, musste sich selbst der in der Fußball-Welt viel herumgekommene Moisander erstmal schlaumachen, wen sein Arbeitgeber da geholt hat. „Um ehrlich zu sein: Ich kannte ihn nicht.“ Am Freitag standen der Finne und der Tscheche das erste Mal zusammen auf dem Trainingsplatz, es begann damit das Beschnuppern, aus dem bis zum Pflichtspielstart totales Verständnis werden muss.

„Du musst dich natürlich kennenlernen, musst wissen, wie er spielt, wo seine Stärken sind“, so der Abwehrchef. Vor allem müsse Pavlenka, der nur ein wenig Englisch, aber kein Deutsch spricht, „schnell die wichtigsten Begriffe lernen. Als Torwart muss er der Abwehrreihe mit Kommandos helfen können. Aber das sind nur ein paar Vokabeln, das schafft er schon. Die Fußballersprache ist doch leicht“, sagt Moisander und gibt lachend die Empfehlung: „Wenn er aus dem Tor kommt, muss er einfach nur laut sein, dann gehen wir schon an die Seite.“

Das dürfte dann jedoch auch die einzige Situation sein, bei der sich Niklas Moisander wegduckt. Ansonsten sieht er sich ganz klar in der Pflicht, in der kommenden Saison noch mehr Verantwortung zu übernehmen: „In Clemens und Claudio sind zwei Spieler nicht mehr da, die über viele Jahre das Gesicht des Clubs waren. Alle, die gegangen sind, hatten wichtige Rollen bei uns. Die müssen wir jetzt neu besetzen. Und ich möchte natürlich eine noch tragende, größere Rolle spielen.“

Möglicherweise wäre er sogar der Kapitän, wenn Zlatko Junuzovic dem Ruf des Geldes in die Türkei folgt. Vertretungsweise hatte Moisander das Amt schon in der vergangenen Saison übernehmen. Doch er mag nicht spekulieren, was im Falle des Falles passieren könnte. Lieber kämpft er darum, dass Junuzovic bleibt. Im persönlichen Gespräch hat er ihm schon gesagt, „dass ich hoffe, dass er bleibt. Ich habe ihm aber auch gesagt, dass ihm niemand böse sein wird, wenn er sich anders entscheidet. Zlatko muss wissen, was für ihn und seine Familie das Beste ist. Es ist jetzt eine schwierige Situation für ihn.“

Der Werder-Freitag: Augustinsson erstmals am Ball

Hintergrund: Ende in Nationalmannschaft in Sicht

Ob Niklas Moisander seine Karriere in der finnischen Nationalmannschaft auch nach der bislang völlig enttäuschenden WM-Qualifikation fortsetzt, lässt der Kapitän der Auswahl noch offen. „Ich werde bald 32 Jahre alt, da zeichnet sich ein Ende ab“, sagt er: „Aber bisher habe ich noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Im Herbst werde ich genauer auf die Situation gucken. Ich kann nur sagen, dass ich immer mit Stolz und Freude zur Nationalmannschaft fahre.“

Das mag erstaunen, denn Finnland erlebt seit Monaten nur Enttäuschungen. Unlängst reichte es im Testspiel gegen Fußballzwerg Liechtenstein nur zu einem 1:1, und in der WM-Qualifikation steht nach sechs Spielen auch nur ein Punkt auf dem Konto. Eingefahren beim 1:1 gegen den Kosovo. Moisander seufzt: „Wir haben im Moment nicht die Spieler mit der nötigen Qualität. Es ist eine schwierige Zeit.“

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