Freiburgs Nils Petersen (rechts) hat einen ganz besonderen Blick auf den Fußball – genauso wie in dieser Szene auch Werder-Profi Niklas Moisander.
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Freiburgs Nils Petersen (rechts) und Werder-Profi Niklas Moisander im Zweikampf.

Rat an Fans: „Unbedingt Sonnencreme mitbringen“

Nils Petersen im Interview: Ex-Werder-Profi will schneller treffen als Pizarro

Bremen - Von Björn Knips. Nils Petersen ist bestens gelaunt. Interviewanfragen sind für ihn auch Bestätigung seiner Arbeit als Fußball-Profi, wie er später im Gespräch noch erklären wird. 

Und über Fußball kann er ohnehin immer sprechen, er liebt seinen Sport – und das auf eine ganz spezielle Weise mit großem Fokus aufs Detail. Von Sommer 2012 bis Ende 2015 hat er für Werder gespielt, seitdem geht der 28-Jährige für den SC Freiburg auf Torejagd.

Inzwischen meistens als Joker. Sechs Saisontreffer sind auf seinem Konto – am Samstag im Heimspiel gegen Werder soll der nächste folgen, denn Petersen will irgendwann einmal gegen jeden Gegner getroffen haben. Aber so lange spielen wie Claudio Pizarro möchte er nicht. Warum und noch einiges mehr, verrät der Freiburger im Interview.

Herr Petersen, Sie lieben bekanntlich Statistiken und Zahlen – was sagt Ihnen die 72?

Nils Petersen: Die 72 – kleinen Moment. Also – ich weiß, nein, doch nicht – ich habe keine Ahnung.

Okay wir lösen auf: Am Samstag könnten Sie Ihren 72. Pflichtspieleinsatz für Freiburg absolvieren und damit Ihre persönliche Club-Bestmarke mit Werder einstellen. Was bedeutet Ihnen das?

Petersen: Das ist super. Das zeigt, dass man bei zwei tollen Vereinen durchaus eine Rolle gespielt hat. Meine Bremer Zeit war wirklich sehr intensiv. Ich hätte nicht gedacht, danach nochmal einen Verein zu finden, mit dem ich mich wieder so identifiziere. Natürlich verfolge ich weiter die Werder-Spiele – und die letzten Wochen konnte man ja auch wieder gut zugucken.

Waren Sie überrascht, wie schlecht Werder vorher gespielt hat?

Petersen: Eigentlich hat man doch immer auf diese Siegesserie gewartet, weil sie einfach die Qualität haben. Die Spieler müssen früher ja gut gewesen sein, sonst hätten sie nicht das Recht, bei so einem ruhmreichen Verein zu spielen. Jetzt greift das System. Und man bekommt kaum noch Gegentore – das ist ja etwas völlig Neues in Bremen. Mich freut das, auch wenn es jetzt unangenehm ist, gegen sie zu spielen.

Trotzdem zittert Werder um den Klassenerhalt und Freiburg darf von Europa träumen. Haben sich die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball verschoben?

Petersen: Diese Saison ist es echt hart, wir haben doch nur sechs Punkte Unterschied. Ingolstadt spielt für mich auch guten Fußball und ist fast weg vom Fenster. Obwohl ich die nie abschreiben würde. Wir spielen jetzt gegen drei Konkurrenten, die unter uns stehen. Das kann auch böse ausgehen. Oder auch gut, dann blicken wir wirklich Richtung Europa.

Sie haben gegen Werder immer gewonnen – okay, es waren bislang auch nur zwei Spiele.

Petersen: Statistik ist Statistik (lacht). Und drei Mal ist Bremer Recht . . .

Sie sind aber auch noch torlos gegen Werder, diese Serie soll reißen, oder?

Petersen: Das würde ich mir schon wünschen. Es ist mein Ziel, gegen alle Mannschaften getroffen zu haben.

Werders Co-Trainer Markus Feldhoff soll Sie 2011 in gleicher Funktion in Cottbus zum echten Knipser gemacht haben – was hat er getan?

Petersen: Wir haben uns wirklich gemocht. Wir sind ähnliche Typen, eher ruhig und besonnen. Er liebt den Fußball wie ich und kennt wahrscheinlich auch alle Statistiken (lacht). Ich habe ihm viel zu verdanken, er hat mir als ehemaliger Topstürmer wirklich viel gezeigt. Ich freue mich, dass er wieder in der Bundesliga am Start ist.

Nils Petersen ist bei den Werder-Fans noch immer beliebt.

Claudio Pizarro ist auch ein Topstürmer. Bei den Jokertoren in der Bundesliga sind Sie mit 16 Toren gleichauf mit ihm. Wer von Ihnen holt den Führenden dieser ewigen Bestenliste, Alexander Zickler (18 Tore), zuerst ein?

Petersen: Gute Frage, es ist ein offener Kampf. Wenngleich Claudio für mich in ganz anderen Sphären schwebt, er hat so viel erreicht. Allein seine ganzen Statistiken und Rekorde. Aber ich würde schon gerne am Samstag vorlegen.

Das würde aber auch bedeuten, dass Sie zunächst wieder nur auf der Bank sitzen. Wie sehr nervt es Sie, immer als der Superjoker angesprochen zu werden?

Petersen: Eigentlich nicht. Ich bin doch erfolgreich. Es ist mein Job, diese Rolle anzunehmen. Es gibt schließlich einen Chef, der sagt, was zu tun ist. Es klappt ja, wir sind Tabellenachter. Wir machen also vieles, vieles richtig. Da kann keiner Ansprüche stellen.

Ist ja auch nicht so schlecht, erst ins Spiel zu kommen, wenn die anderen schon etwas müde sind.

Petersen: Natürlich ist das ein Vorteil. Aber es ist auch nicht so einfach, eingewechselt zu werden und gleich auf Betriebstemperatur zu sein. Ich mache das aber schon viele Jahre – in Cottbus, in Bayern. Ich fühle mich auch nicht als Reservist und werde wie jetzt trotzdem noch interviewt (lacht). Nur, dass man am nächsten Tag trotzdem trainieren muss, ist nicht so schön.

Also müssen auch in Freiburg wie in Bremen die Reservisten und Einwechselspieler nachsitzen.

Petersen: Ja, mittlerweile gibt es sogar noch Läufe direkt nach dem Spiel. Aber so bleibt man fit.

Gibt es eine Eigenschaft, die Sie gerne von Claudio Pizarro hätten?

Petersen: Er hat durch seine ganzen Tore und seine große Erfahrung einfach eine unglaubliche Präsenz auf dem Platz. Nach drei schlechten Aktionen hat der Gegner immer noch einen wahnsinnigen Respekt, dass er dann vielleicht die nächste Chance eiskalt nutzt. Bei ihm fliegt auch kein Ball weg. Er ist kein Flipperautomat, wie mich Clemens Fritz früher immer genannt hat. Das habe ich nicht vergessen.

Pizarro ist 38, Sie 28 – können Sie sich vorstellen, so lange noch zu spielen?

Petersen: Ich glaube nicht. Der Fußball ist so athletisch geworden, dass es schwer wird, mit 38 Jahren dieses Tempo noch zu gehen. Und ich will gar nicht wissen, wie der Fußball in zehn Jahren aussehen wird. Ich habe größten Respekt, dass Claudio diese Power und Fitness noch hat.

Beim Freiburger 3:1-Sieg im Hinspiel gegen Werder ließ Petersen eine dicke Chance liegen. Im Rückspiel will er an Wiedwald vorbei.

Haben Sie noch Träume als Fußballer?

Petersen: Wenn man die Marke von 100 Bundesliga-Spielen geknackt hat, dann will man die 150 schaffen. Ich habe jetzt 35 Bundesliga-Tore, da sind natürlich die 50 ein Ziel. Diese Zahlen haben eine Bedeutung für mich. Und natürlich würde ich gerne mal europäisch spielen.

Was macht den SC Freiburg so besonders und warum fühlen Sie sich dort so wohl?

Petersen: Das ist wie Werder ein familiär geführter Verein. Am Wochenende ist das Stadion immer voll, aber unter der Woche wirst du in Ruhe gelassen, weil es da ein gewisses Vertrauen gibt. Man hält hier jahrelang am Trainer fest. Jeder kennt hier jeden, die ganze Stadt steht hinter dem Verein – und es ist immer schönes Wetter.

Beim SC Freiburg ist Trainer Christian Streich der Star. Was zeichnet ihn aus?

Petersen: Er polarisiert, er nutzt seine Reichweite auch für andere Themen aus. Er hat immer einen passenden Spruch parat, hält die Mannschaft bei Laune. Und er kümmert sich viel um die Spieler, die gerade nicht so eine wichtige Rolle spielen, die man aber irgendwann braucht. Hier entsteht keine Missstimmung – und das ist ja die Kunst eines Trainerteams.

Zu welchem Werder-Profi haben Sie noch Kontakt?

Petersen: Zu Clemens Fritz. Schade, dass er wegen seiner Verletzung nicht dabei sein wird. Ich hoffe, wir sehen uns demnächst mal wieder. Aber so einfach ist das ja gar nicht mehr, der muss ja jetzt auch seine Frau fragen (lacht).

Der Ex-Bremer Oliver Hüsing hat neulich berichtet, dass er von Werders Physiotherapeuten Holger Berger ein Paket mit einem Buch und ein paar anderen Dingen nach Budapest geschickt bekommen hat. Wurden Sie auch bedacht?

Petersen: Ja, als ich gerade weg war, hat er das auch gemacht. Ich war der Süßigkeiten-Verantwortliche in der Bremer Kabine, da hat er mich immer eingedeckt. Das hat er auch zu meiner Anfangszeit hier in Freiburg gemacht, aber dann bin ich aufgeflogen (lacht).

Haben Sie zum Schluss noch einen Tipp für die Bremer Fans, die am Wochenende nach Freiburg kommen?

Petersen: Die Innenstadt ist wunderschön. Die badischen Weine schmecken super – und unbedingt Sonnencreme mitbringen!

Quelle: kreiszeitung.de

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